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Medizinisches Wörterbuch

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A

  • Abdomen: der zwischen Zwerchfell und Becken gelegene Bauchraum


  • Acetabulum: die napfförmige Vertiefung des Hüftbeins als „Pfanne“ des Hüftgelenks (Articulatio coxae)


  • Achalasie: neuromuskuläre Störung von glattmuskulären Hohlorganen; Unfähigkeit der glatten Muskulatur eines Sphinkters sich zu entspannen
    Beispiel: Motilitätsstörung des Ösophagus


  • ACTH: Abkürzung für adrenocorticotropes Hormon, dem übergeordneten Steuerhormon für die Nebennierenrinde. Das Peptidhormon besteht aus 39 Aminosäuren. Die Synthese erfolgt im Hypophysenvorderlappen.
    Wirkungen: Es fördert u.a. die Synthese der Glukokortikoide in der Nebennierenrinde.


  • ADH: Abkürzung für antidiuretisches Hormon, Hormon des Hypophysenhinterlappens, das an den Sammelrohren in der Niere angreift und die Harnausscheidung hemmt.


  • Adipositas: Fettleibigkeit; übermäßige Vermehrung oder Bildung von Fettgewebe


  • Aerogen: Durch die Luft, d.h. durch die Inhalation von Bakterien oder Stäuben übertragen; eine Bezeichnung, um einen Infektionsweg zu bezeichnen


  • Ätiologie: Lehre von den Ursachen einer Krankheit
    Man unterscheidet grob voneinander:
    1. Endogene Ursachen, z.B. erbliche bei einer Hämophilie
    2. Exogene (äußere) Ursachen wie Infektionen, Traumen und andere Umwelteinflüsse


  • Affektive Verflachung: übermäßige Gefühlsreaktionen auf Ereignisse, meist gekoppelt mit der Unfähigkeit, die Gefühlsäußerungen zu unterdrücken. Die Gefühlsregungen sind dabei sehr flach und durch leichte Ablenkung schnell zu beenden.


  • Agenesie: Fehlen einer Organanlage


  • Akinesie: Störung des sog. extrapyramidalen Systems mit Hemmung der Bewegungen von Rumpf, Armen, Beinen und Gesichtsmuskulatur mit Beeinträchtigung des Sprechens. Es kommt zu einer Verlangsamung (Bradykinese) von Bewegungsabläufen, die zusätzlich unkoordiniert verlaufen können (Dyskinesie).


  • Akkomodation: Anpassung, Einstellung eines Organs auf die zu erfüllende Aufgabe


  • Aldosteron: Hormon der Nebennierenrinde; beeinflusst wesentlich die Steuerung des Natrium-, Kalium- und Wasserhaushalts sowie des extrazellulären Flüssigkeitsvolumens und des Plasmavolumens. Aldosteron bewirkt u.a. eine Erhöhung der Natrium-Rückresorption und eine vermehrte Kalium-Ausscheidung in der Niere. Die Folge ist eine Vermehrung des Blutvolumens und ein Anstieg des Blutdrucks.


  • Algurie: schmerzhafte Harnentleerung


  • Allele: Die unterschiedlichen Zustandsformen der Gene werden als Allele bezeichnet. Bei heterozygoten Personen kann die Wirkung des einen, dominanten Allels die Wirkung des anderen, rezessiven Allels überdecken (dominant rezessiver Erbgang). Es ist aber auch möglich, dass die Wirkungen der verschiedenen Allele in etwa gleich stark sind (intermediärer Erbgang). Diese Gesetzmäßigkeiten der Vererbung wurden bereits von G. J. Mendel erkannt (Mendel-Regeln).


  • Allergene: sind organische, kleinmolekulare Verbindungen, die als Antigene z.B. auf Zellwänden von Bakterien, auf der Erythrozytenmembran oder einfach auf Pollen zu finden sind und auf das Immunsystem mancher Menschen überschiessend, d.h. allergisch reagiert: Blütenpollen, Gräser, Früchte, Medikamente, Fisch und Meeresfrüchte, Milbenkot, Metalle wie Nickel, Chrom, Wespengift


  • Amblyopia: funktionelle Sehschwäche ohne organische Störung, die nicht ausgeglichen werden kann; vermutlich Folge von Veränderungen im Zentralnervensystem


  • Aminosäure: wichtigster Baustein der Eiweißkörper. Der menschliche Organismus kann 14 der ingesamt 22 notwendigen Aminosäuren selbst herstellen, z.B. Zystin, die übrigen 8 sind essentiell und müssen aus hochwertigem Nahrungseiweiß bezogen werden. Aminosäuren wie Phenylalanin und Histidin sind Grundstoffe für die Herstellung von Hormonen wie Adrenalin und Histamin.


  • Amnestische Aphasie: Sprachstörungen leichteren Grades, bei der die Wortfindungsstörung vorherrschend ist. Das Sprechen ist insgesamt flüssig. Fehlende Begriffe werden umschrieben (z.B. 'rundes Ding' für Ball) und das Sprachverständnis ist nur leicht gestört, d.h. einzelne Begriffe müssen dem Betreffenden beschrieben werden, aber der Sinn von Sätzen wird im Großen und Ganzen verstanden.


  • Amylase: Ein Enzym, das Stärke und Glykogen abbaut und für die Verdauung der Kohlenhydrate unerläßlich ist. Produziert werden verschiedene Varianten in den Speicheldrüsen, im Pankreas, kommt aber auch in Lysosomen, und damit in allen Zellen vor. Bei akuter und chronischer Pankreatitis wird der Normwert von 120 U/l im Blut überschritten.


  • Anämie: Blutarmut; Verminderung des Hämoglobingehaltes < 12.5 g% oder der Erythrozytenzahl < 4 Mio. / µl. Sinkt das Hb < 7g% erkennt man dies an der Lippenzyanose und einer Ruhedyspnoe; weitere Abnahme endet letal. Aufgrund der Ursache unterscheidet man die Blutungs-Anämie, Anämie bei gestörter Blutbildung z.B. bei Eisenmangel, und die hämolytische Anämie infolge einer verkürzten Lebensdauer der Erythrozyten.


  • Anästhesie:
    1. Ausschaltung der Schmerzempfindung, wie sie z.B. durch Allgemeinnarkose oder durch gezielte Peridural- bzw. Lokal-Anästhesie erreicht wird.
    2. Fehlen der Schmerzempfindung, wie sie meist infolge einer neurologischen Krankheit durch Nervenschädigung beobachtet werden kann.


  • Analatresie: Fehlen der Analöffnung. Etwa jedes 5000ste neugeborene Kind ist davon betroffen.
    Ursache: Die Analatresie ist angeboren. Häufig bestehen statt der Analöffnung abnorme Verbindungen (Fisteln) zwischen Mastdarm und bei Jungen Blase, Harnröhre oder Damm bzw. bei Mädchen Scheide oder Damm. Häufiger als bei anderen Kindern finden sich weitere Fehlbildungen in anderen Organsystemen, insbesondere im Urogenitaltrakt.


  • Analgetika: sind schmerzstillende Arzneistoffe; dabei unterscheidet man 2 große Klassen von Stoffen:
    1. Opiate, zu denen Morphium und zahlreiche synthetische Verbindungen gehören; die Indikationsstellung ist wegen Suchtgefahr, Gewöhnung und der hohen Toxizität streng.
    2. NSAR, nichtsteroidale Analgetika vom Typ des Paracetamols mit geringer Toxizität.

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte durch Befragung des Patienten nach einem festen Schema. Die Anamnese beginnt mit der Erhebung der jetzigen Beschwerden, danach folgen die eigentliche Krankengeschichte und die vegetative Anamnese. Die Erhebung der Berufs-, Sozial-, Reise- und Medikamenten- Anamnese vervollständigen die Technik, mit der man bis zu 60% der Fälle aufklären kann.


  • Anaphylaktischer Schock: Eine allergische Reaktionsform, die sich im Inneren des Körpers, insbesondere in der Blutbahn, abspielt. Auslöser sind durch vorangegangene Sensibilisierung gebildete Antikörper, die bei Antigenkontakt Entzündungsmediatoren wie Histamin freisetzen.


  • Anastomose: Querverbindungen zwischen parallel verlaufenden Blutgefäßen, die als Ersatzstrombahn angelegt sind.


  • Anenzephalie: Fehlbildung des Gehirns aufgrund von Störung des genetischen Programms, durch ein intrauterines Trauma, durch die Wirkung toxischer Substanzen oder durch andere Faktoren hervorgerufen.


  • Androgene: Sammelbegriff für die männlichen Sexualhormone; das wichtigste männliche Sexualhormon ist das Testosteron. Androgene werden vorallem in den sog. Leydig-Zellen des Hodens unter der Kontrolle des aus der Hypophyse stammenden ICSH gebildet. Sie führen zur Ausbildung männlicher Eigenschaften wie Bart und Kehlkopfgröße, haben aber auch eine starke anabole Wirkung, ähnlich den Östrogenen bei der Frau.


  • Aneurysma: Krankhafte, örtlich begrenzte Erweiterung einer Schlagader. Am häufigsten kommen Aneurismen in der Aorta abdominalis und den Hirngefäßen vor. Die ausgedünten Gefäßwände können insbesondere bei Hypertonie oder erhöhtem abdominellem Druck platzen, und zu tödlichen Blutungen führen.


  • Anisokorie: Ungleiche Weite der beiden Pupillen, die klinisch z.B. bei zerebraler Raumforderung infolge Hirntumor oder Hirnblutung auftreten kann.


  • Anomalie: Abweichung von der Norm; im engeren Sinn Bezeichnung für geringgradige Entwicklungsstörung oder Fehlbildung


  • Anorektal: den After (Anus) und den Mastdarm (Rektum) betreffend


  • Anoxie: Sauerstoffmangel im Gewebe. Anoxie wird durch folgende Krankheiten ausgelöst: 1. Gefäßverschluß, 2. Atembehinderung, 3. Anämie. Die Folge ist Gewebeschädigung bis hin zum Gewebetod, was auch als Nekrose bezeichnet wird.


  • Antagonist:
    1. einer von zwei paarweise wirkenden Muskeln
    2. Enzym oder Hormon, das die Wirkung eines anderen aufhebt


  • Anterior: anatomische Lagebezeichnung für: vorderer, nach vorn gelegen


  • Antiepileptika: Arzneistoffe mit bremsender oder vorbeugender Wirkung gegen epileptische Krämpfe; z.B. Benzodiazepine, Hydantoine und Valproinsäure. Die Dosiseinstellung gestaltet sich mitunter schwierig, da einerseits zuverlässig Anfälle verhindert, andererseits eine übermäßige Sedierung vermieden werden sollte.


  • Antigen: Meist artfremder Eiweißstoff von Bakterien, Toxinen oder Pollen stammend, der im Körper eine Bildung von Antikörpern bewirkt. Neben den artfremden Antigene, die u.a. für den Nachweis einer akuten Infektion, aber auch durch Nachweis gegen sie gebildeter Antikörper durchgemachte Kinderkrankheiten anzeigen, gibt es auch körpereigene Antigene, die z.B. als die Antigene des AB0-Blutgruppensystems bekannt sind.


  • Antigen-Antikörper-Reaktion: Abwehrreaktion des Körpers gegen artfremde Eiweiße, bei der spezifische Antikörper die eingedrungenen Fremdstoffe z.B. durch Agglutination unschädlich machen. Als weitere Auswirkung kommt es zu einer Aktivierung des Komplementsystems, was wiederum auf vielfältige Weise die Entzündungsreaktion in Gang setzt und unterhält. Chronische Entzündung ist die Ursache von Allergien und Kollagenosen.


  • Antihistaminika: Hemmt die Wirkung von Histamin durch Blockierung der spezifischen Geweberezeptoren.
    Nach den Rezeptoren unterscheidet man:
    • H1-Antihistaminika: bei allergischen Reaktionen, Juckreiz und Allergosen, z.B. Clemastin
    • H2-Antihistaminika: bei erhöhter Salzsäurebildung in der Magenschleimhaut


  • Antihypertensiva: Blutdrucksenkende Medikamente sind die am häufigsten eingesetzten Mittel. Man unterscheidet zentral wirksame (Reserpin), am Herzen wirksame (BetaBlocker) und an den Gefäßen ansetzende Mittel (Clonidin) zur symptomatischen Behandlung der Hypertonie.


  • Antiinflammatorisch: Entzündungshemmend


  • Antikörper: Riesenmoleküle, aufgebaut in den Eiweißfabriken der B-Lymphozyten; unter der Kontrolle des genetischen Gedächtnisses werden lange Proteinfäden gesponnen, die allmählich durch Selbstorganisation die Form eines Y's annehmen. Diese binden sich spezifisch mit dem unverwechselbaren Antigen von Keimen oder Tumorzellen. Die AG-AK-Reaktion löst die Infektabwehr und die Entzündung aus.


  • Anurie: Fehlende Harnproduktion oder eine Harnausscheidung, die unter 100 ml / 24 h liegt
    Ursachen: Exsikkose, akutes Nierenversagen nach Schock, akute Pyelonephritis, Intoxikationen und Behinderung des Harnabflusses
    Die Anurie ist ein lebensgefährlicher Zustand und muß z.B. durch Dialyse oder Katheterisierung überwunden werden.


  • Aorta: Hauptschlagader, auch das Stammgefäß des Körperkreislaufs. Sie wird anatomisch unterteilt in den Bulbus am Ursprung aus der linken Kammer, die Pars ascendens, Arcus aortae und Pars descendens.


  • Aortenklappe: Eine der Taschenklappen, die den Blutfluß vom linken Ventrikel in den Anfangsteil der Aorta regelt und ventilartig ein Zurückfallen des ausgeworfenen Blutes in die Kammer verhindert. Dem Hochdrucksystem des Körperkreislaufs zugehörig ist sie häufiger von den zerstörerischen Auswirkungen einer bakteriellen oder rheumatischen Endokarditis betroffen; es verbleiben Vitien in Form von Stenose oder Insuffizienz.


  • Aortenknopf: Röntgenologischer Begriff, der im Klinikjargon den Teil der Herzsillhouette bezeichnet, der den Aortenbogen wiedergibt. Das ist der linke obere Bogen im Herzschatten; dieser kann bei Hypertonie betont oder auch vergrößert sein.


  • Aortenruptur: Der Riß der Aortenwand, meist bei Aortenaneurysma mit der Folge einer tödlichen Blutung.


  • Aortenstenose:
    1. Eine Entleerungsbehinderung der linken Ventrikels durch die Einengung der Aortenklappe selbst mit 1. systolischem Geräusch, 2. fortschreitender Herzhypertrophie mit Übergang in die Linksherzinsuffizienz.
    2. Eine Stenose im Bereich des Aortenbogens im Bereich des Aortenisthmus, die zu Hypertonie oberhalb der Stenose, und dahinter zu Hypotonie und Perfusionsstörungen der unteren Extremität führt.

  • Aortenvitien: Herzklappenfehler der Aortenklappe, entweder als Aortenstenose oder Aorteninsuffizienz. In jedem Fall treten Herzgeräusche auf, im einen Fall ein Systolikum, im anderen ein Diastolikum. Die Auswirkungen betreffen die linke Kammer und führen über die Druck- oder Volumenüberlastung früher oder später zur Linksherzinsuffizienz.


  • Apathie: Teilnahmslosigkeit


  • Apex: Anatomische Bezeichnung für Spitze, spitzgeformtes äußerstes Ende eines Organs.
    Beispiel: Apex cordis, die Herzspitze


  • Aphasie: Sprachstörung, die aufgrund einer Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn zustande kommt und nicht durch Störungen der Artikulation bedingt ist.
    Die Einteilung erfolgt nach den Symptomen und beschreibt die Ausdrucksform der Störung:
    1. motorische und sensorische Aphasie
    2. amnestische Aphasie
    Aphasien treten nach Apoplexie, Schädelhirntrauma und Hirntumoren auf; sie sind rückbildungsfähig.


  • Aphonie: Stimmlosigkeit
    Ursache: Entzündungen, Tumore der Stimmbänder, Lähmung des N. recurrens


  • Aplasie: Fehlende Entwicklung einer vorhandenen Organanlage


  • Apnoe: Atemstillstand; Folge einer zentralen oder peripheren Atemlähmung, oder einer Fremdkörperaspiration.


  • Apraxie: Störungen von Bewegungsabläufen und Handlungen, die durch Schädigung gewisser Hirnregionen verursacht sind. Die Beweglichkeit des Körpers und die Wahrnehmung der Außenwelt bleibt dabei erhalten. Z.B. können gezielte Bewegungen wie Kämmen oder Greifen nicht präzis ausgeführt werden und die Person greift 'daneben' oder bleibt im Ablauf 'stecken'.


  • Arachnoidea: Spinnwebenhaut; die mittlere der drei Gehirn- bzw. Rückenmarkshäute. Sie ist mit der äußeren Dura mater fest verwachsen. Zusammen mit der weichen Gehirn- bzw. Rückenmarkshaut umschließt sie einen Raum, der den Liquor cerebrospinalis enthält. Dieser flüssigkeitsgefüllte Spalt, der über den Hirnfurchen größer ist, wird Subarachnoidalraum genannt. Er schützt das Gehirn z.B. vor Stößen wie ein Wasserkissen.


  • Areflexie: Fehlen der normalen Reflexe; die Unmöglichkeit, die normalen Reflexe des menschlichen Körpers auszulösen.


  • Areola mammae: Warzenhof der Brustwarze. Seine natürliche Pigmentierung ist in der Schwangerschaft verstärkt (eventuell mit Bildung eines „sekundären", geringer pigmentierten Hofes zur Brusthaut hin).


  • Arrhythmie: Unregelmäßige Herzaktion; bei Störung des AV-Knotens entwickelt sich ein unregelmäßiger Herzschlag, was peripher auch am Radialispuls getastet werden kann. Liegt überhaupt kein erkennbarer Rhythmus vor, spricht man von absoluter Arrhythmie. Bei Extrasystolen fällt radial ein Herzschlag aus, was man als Pulsdefizit bezeichnet.


  • Arterienkatheterismus: Für diese Untersuchungsmethode des Herzen, seiner Binnenräume und seiner Gefäße wird ein dünner, halbstarrer Kunststoffkatheter nach Punktion der A. brachialis langsam unter Röntgenkontrolle zum Herzen vorgeschoben. Nach Erreichen des Aortenbogens lassen sich die Koronargefäße sondieren oder der Druck im linken Herz messen.


  • Aspiration: Fremdstoffeinatmung; das Eindringen eines Fremdkörpers in die Atemwege, insbesondere aber in die Luftröhre oder die Bronchien als Effekt einer ungewollten Aspiration, d.h. eines plötzlichen Sogeffektes bei ungewollter, unter Durchbrechen des reflektorischen Glottisschlusses erfolgender Einatmung (Inspiration), z.B. oft bei Kleinkindern, Bewußtlosen. Führt zu Husten, Atemerschwernis (Dyspnoe), abnormen Atemgeräuschen, bei längerer Dauer eventuell zu Lungenentzündung (Aspirationspneumonie).


  • Aspirationspneumonie: Eine Sonderform der Lungenentzündung, die durch das Einatmen von erbrochenem Mageninhalt entsteht. Bei Schock, Bewußtlosigkeit und Schlucklähmungen wird der säure- und bakterienhaltige Mageninhalt eingeatmet und erzeugt eine besonders schwere Form der Lungenentzündung.


  • Asthenie: Kraftlosigkeit, Schwäche, Entkräftung


  • Asthma bronchiale: Anfallsweises Auftreten von Atemnot infolge reversibler Bronchialverengung durch Entzündung und Hyperreaktivität der Atemwege. Klinisch ist ein Anfall von Asthma bronchiale durch folgende Symptome gekennzeichnet:
    1. asthmatische Geräusche
    2. Dyspnoe und Angstgefühle
    Die Dauer des Anfalls beträgt 30-60 Minuten; die Krankheit verläuft chronisch-rezidivierend.


  • Asthma cardiale: Bei Linksherzinsuffizienz kann es, meist im Schlaf, zu einer Verschiebung von tagsüber aus der Blutbahn ins Gewebe ausgetretener Ödemflüssigkeit in die Lunge kommen. Der Patient wacht mit Herzklopfen, Angst und starker Atemnot auf, sitzt aufrecht, hat starken Husten mit Auswurf und eine verlängerte Ausatmung. Der Anfall endet meist bei Öffnen des Fensters und verstärkter Atmung in aufrechter Haltung.


  • Astigmatismus: Brechungsfehler des Auges mit nicht punktueller Abbildung auf der Netzhaut.
    Ursache: Wenn die Hornhaut nicht kugelförmig, sondern in eine Richtung stärker als in die andere gekrümmt ist, wird ein punktförmiges Objekt auf der Netzhaut als Linie abgebildet.


  • Asymptomatisch: ohne Beschwerden, ohne erkennbare Krankheitszeichen (Symptome) verlaufend


  • Asystolie: Kreislaufstillstand; 'Der' internistische Notfall, der wegen der kurzen Überlebenszeit des Gehirngewebes innerhalb einer Frist von 5 Min. zu beheben ist. Die Kennzeichen sind Pulslosigkeit, zunehmende Zyanose, und das Fehlen eines meßbaren Blutdrucks. Die Ursachen sind der kardiogene oder neurogene Schock, auch erkennbar am Herz- und Atemstillstand. Bei diesem Zustand ist die sofortige Intubation und Kardioversion unbedingt erforderlich.


  • Aszites: Bauchwassersucht, d.h. Ansammlung von klarer, eiweißreicher Flüssigkeit, welche durch Transsudation in die normalerweise flüssigkeitsarme, freie Bauchhöhle gelangt. Das Transsudat stammt aus dem entzündeten Bauchfell oder aus gestauten Venen bei portaler Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, aber auch durch Verringerung des onkotischen Drucks bei Hypalbuminämie.


  • Ataxie: Störung der Koordination von Bewegungsabläufen; gezielte Bewegungen sind erschwert, 'Steckenbleiben' mitten in der Bewegung, 'überschießende' Bewegungen. Alternierende Bewegungen sind kaum möglich, z.B. Glühbirnen einschrauben. Dieses neurologische Zeichen wird üblicherweise mit dem Finger-Nase-Versuch überprüft.


  • ATP: Abkürzung für Adenosintriphosphat, dem wichtigsten Energiespeicher und Energielieferant in den Zellen. ATP wird bei der Verbrennung der Nährstoffe in den Mitochondrien im Rahmen des Zitratzyklus hergestellt. Diese energiereiche Verbindung kann als das energetische Kleingeld der Zelle aufgefaßt werden.


  • Atresie: Die Ausbildung eines Lumens, d.i. die Lichtung eines Hohlorgans, bleibt aus.
    Beispiel: 1. Anal-Atresie , 2. Ösophagus-Atresie


  • Atrium: Vorhof; Vorkammer eines Hohlorgans
    Beispiel: linker und rechter Vorhof des Herzens


  • Atrophie: Die Rückbildung von Organen mit Schwund an Zell- und Gewebemasse, die auch funktionell zur Einbuße führt. Die Ursachen sind: Nährstoffverluste infolge Tumorwachstum, Proteinurie, Bulimie, Diarrhoe, aber auch durch Raumforderung, Nichtgebrauch und Verkümmerung im Alter. Endzustand ist die Kachexie.


  • Atypische pneumonie: Verlaufsform der Lungenentzündung, die von dem üblichen Bild der Pneumonie abweicht. Meist sind die Erreger dieser Form der Lungenentzündung Viren oder virusähnliche Bakterien. Der Patient hat mäßiges bis hohes Fieber, grippeähnliche Zeichen und trockenen Husten, im Gegensatz zur echten Lungenentzündung, die mit dem typischen schleimig-blutigen Auswurf einhergeht.


  • Auricula: 1. Ohrläppchen; 2. Ohrmuschel; 3. das ohrförmige Anhängsel der Vorhöfe des Herzens, auch Herzohr genannt


  • Auskulation: Eine klinische Untersuchungsmethode, die unter Verwendung des Stethoskops die nicht oder nur schwer hörbaren Geräusche im Körper hörbar macht. Diese Untersuchungsmethode ist vorallem für die Untersuchung der Organe Herz, Lunge und Abdomen geeignet.


  • Autogen: vom gleichen Individuum stammend


  • Autoimmunkrankheit: Durch Autoantikörper (= Antikörper, die gegen körpereigene Substanzen wirken) verursachte Krankheit, z. B. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises oder der Morbus Basedow, der durch einen hormonell aktiven Autoantikörper ausgelöst wird. Das Therapieprinzip bei eine Autoimmunkrankheit ist die Hemmung und Unterdrückung der Leistungen der Immunabwehr mit Cortison und anderen Immunsuppressiva.


  • Autointoxikation: Selbstvergiftung des Körpers durch im Organismus bei krankhaften Prozessen entstandene und nicht weiter abgebaute Stoffwechselprodukte, z.B. bei schwerer Leber- und Niereninsuffizienz.


  • Autolyse: Postmortaler oder intravitaler Abbau des Gewebes durch Freisetzung körpereigener Enzyme aus Lysosomen sowie Sekreten und Bakterien des Verdauungstrakts. Beginn und Verlauf sind temperaturabhängig und durch Tiefkühlung nahezu beliebig herauszögerbar.


  • Autonomes Nervensystem: Syn. Vegetatives Nervensystem; der sympathische und parasympathische Teil des Nervensystems, der nicht vom Bewußtsein beeinflußt wird. Vervollständigt wird es durch den bewußten und willkürlichen Teil, das Animalische NS.


  • Autosomal: Die normalen Chromosomen betreffend, d.h. die 22 Chromosomenpaare des Menschen, die nicht Geschlechtschromosome sind. Liegt das Gen eines Erbgangs auf einem Körperchromosom, spricht man von autosomal Erbgang, der unabhängig vom Geschlecht ist. Im anderen Falle liegt ein gonosomaler Erbgang vor.


  • AV-blok: Eine Form der Reizleitungsstörung, die durch Erkrankung des AV-Knotens bedingt ist. Man unterscheidet 3 Grade: 1° der Sinusimpuls wird verzögert an das Kammermyokard weitergeleitet; die PQ-Zeit im Ruhe-EKG ist verlängert; 2° der AV-Knoten 'verschluckt' einige Impulse; 3° es kommen keine Impulse mehr durch, die Folge ist Arrhythmie oder Adam-Stokes-Anfall.


  • AVK: Abkürzung für Arterielle Verschlußkrankheit; Sammelbegriff für meist arteriosklerotisch bedingte arterielle Stenosen, die zu Ischämie und Nekrose in den betroffenen Gefäßgebieten führen.


  • Axon: Nervenzellfortsatz, der Impulse von der Zelle weiterleitet und an einer Synapse endet.


  • Azidose: Krankheitsbild, welches als Abfall des arteriellen pH-Wertes unter 7,36 definiert ist und auf einem Überschuß sauer reagierender Stoffe im Blut beruht. Man unterscheidet 2 Formen:
    1. metabolisch: mit Abfall des Bikarbonats durch saure Ketonkörper bei Diabetes
    2. respiratorisch: Erhöhung des arteriellen CO2-Partialdrucks bei respiratorischer Insuffizienz mit Hypoventilation



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B

  • B-lymphozyt: Diese zum Immunsystem gehörenden Zellen finden sich vor allem im Knochenmark, in den Lymphknoten und im Blut. Sie sind für die Produktion von speziellen Abwehrstoffen und die Bildung von Antikörpern zuständig. Nach einem Antigenkontakt teilt sich der Lymphozyt und es reifen 2 Arten von Tochterzellen heran: 1. undifferenzierte memory cells; 2. Antikörper-produzierende Plasmazellen


  • Bakteriämie: Die (kurzfristige) Anwesenheit von Bakterien im Blut, die von einem Frösteln und Fieber begleitet ist. Können sich Bakterien dauerhaft in der Blutbahn halten, bezeichnet man dies als Sepsis; diese ist von sehr hohem Fieber und Schüttelfrost gekennzeichnet.


  • Bakteriurie: Die Ausscheidung von Bakterien mit dem Harn, wodurch er bei großen Keimmengen trüb wirken kann. Der Nachweis erfolgt mithilfe der Urinkultur, wobei Keimzahlen >100.000/ml für Cystitis und/oder Pyelonephritis sprechen. Ein schneller Nachweis ist mithilfe von Nitrit im Urostix möglich, da dieser Stoff nur bei Anwesenheit von Bakterien gebildet wird.


  • Baroreceptoren: Syn. Pressorezeptoren, Blutdruckzügler oder Depressoren. Sie sind Dehnungsrezeptoren, welche in der Wand des Karotissinus und der Aorta lokalisiert sind. Eine kurzzeitige Blutdruckerhöhung führt zur Dehnung der Gefäßwände und Aktivierung dieser Rezeptoren, deren Afferenz über den Nervus vagus vermittelt wird. Die Folge davon ist ein Blutdruckabfall durch Vasodilatation, Bradykardie und Verminderung des HMV.


  • Basalmembran: Homogenes, durchsichtiges Häutchen an der Basis des Epithels als Grenzfläche zwischen Epithelien und Bindegewebe; besteht vorallem aus Retikulinfasern.


  • BCG-Impfung: Abkürzung für Bacillus-Calmette-Guérin, den Impfstoff gegen Tuberkulose, der einen lebenden Stamm Rindertuberkelbakterien enthält. Diesem ist die Virulenz durch ein aufwendiges Verfahren abgezüchtet worden, so daß zwar eine Immunisierung, aber keine Erkrankung erfolgt. Wegen der möglichen Komplikationen werden nur Personen geimpft, die ein besonderes Expositionsrisiko haben.


  • Becken: Knöcherner Ring aus Sitzbein, Schambein und Darmbein. Dorsal sind beide Darmbeine durch das Kreuzbein, ventral beide Schambeine durch die Symphyse verbunden. Das Becken wird unterteilt in 1. kleines Becken mit Harnblase und Prostata bzw. Uterus und Eierstöcken; 2. großes Becken zwischen den Darmbeinschaufeln, vorwiegend vom Darm ausgefüllt.


  • Beckenbodenschwäche: Tritt vor allem bei Frauen in der Menopause auf. Muskulatur und Bindegewebe des Beckenbodens geben nach, so daß Teile von Enddarm, Harnblase und Gebärmutter nach unten absacken können. Die Ausbildung eines Uterus- oder Analprolapses können wiederum Anlaß zu weiterer Krankheitsentwicklung wie z.B. chronisch-rezidivierendem Harnwegsinfekt und Blaseninkontinenz sein.


  • Belastungsdyspnoe: Das Auftreten von Atemnot und Lufthunger bei einer normalen Belastung. Ein Herzgesunder kann vier Stockwerke ersteigen, ohne eine Pause einlegen zu müssen. Bei Linksherzinsuffizienz kommt es schon nach 1-2 Stockwerken zur Atemnot, es muß eine Pause eingelegt werden. Dieses Symptom muß in der Vegetativen Anamnese immer abgefragt werden!


  • Benigne: gutartig; 1. im Zusammenhang mit Tumoren bedeutet es, daß der Tumor keine Metastasen bildet; 2. allgemein in der Medizin: gutartiger Verlauf


  • Berylliose: Erkrankung durch chronische Vergiftung mit dem Metall Beryllium. Es wird meist als Staub oder Dampf eingeatmet und ist in der Strahlentechnik und als Industriemetall verbreitet. Das Krankheitsbild entwickelt sich meist als Pneumonie mit Husten und Atemnot, aber auch Leber, Niere und Haut können Schaden nehmen. Sie wird meist als Berufskrankheit eingestuft.


  • Beta-Blocker: Hemmstoffe von ß-Sympathomimetika, zu denen das Adrenalin gehört. Diese Arzneigruppe wird zur Behandlung der Hypertonie, KHK, Tachykardie und Hyperthyreose eingesetzt. Typische Vertreter sind Propanolol und Atenolol.


  • Bewegungsschmerz: Bei einigen orthopädischen Erkrankungen, z.B. bei Tendovaginitis und Gonarthrose, treten die Schmerzen erst bei Bewegungen im betroffenen Gelenk deutlich in Erscheinung. Diese Art von Schmerzen unterscheidet sich von Ruheschmerzen.


  • Bifid: zweigeteilt


  • Bifurkation: Anatomische Bezeichnung für Gabelung
    Beispiel: Bifurkatio tracheae, d.i. die Gabelung der Luftröhre in die beiden Hauptbronchien in Höhe des 4. Brustwirbelkörpers.


  • Bigeminie: Doppelschlägigkeit des Pulses; eine Herzrhythmusstörung, bei der auf jede Systole eine Extrasystole folgt.


  • Bikuspidal: Zweizipflig, im Zusammenhang mit den Taschenklappen (die normalerweise drei Zipfel oder Taschen haben) des Herzens gebraucht


  • Bilateral: beidseitig, auf zwei Seiten


  • Biliär: Die Galle betreffend; gallig; wird üblicherweise im Zusammenhang mit einer Sonderform der Leberzirrhose, bei der durch kompletten Verschluß der Gallenwege die Leber nach etwa drei Monaten irreversibel zerstört wird, und eine funktionslose Narbe, d.h. eine Leberinsuffizienz, zurückbleibt.


  • Bilirubin: Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes, bildet das Ausgangsprodukt der Gallenpigmente, ca. 80 % werden mit dem Stuhl als Sterkobilinogen ausgeschieden, ca. 20 % werden im enterohepatischen Kreislauf zurückresorbiert und verlassen den Körper als Urobilin mit dem Harn. Störungen des Abbaus von Bilirubin führen zu Ikterus und zur Bildung von Pigmentsteinen.


  • Biopsie: Das älteste Verfahren der intravitalen Diagnostik. Das Probematerial wird mithilfe der internistischen Methode, der Nadel-Biopsie, mehr oder weniger blind entnommen, oder nach chirurgischer Freilegung unter Sicht, eventuell von mehreren Stellen, exzidiert. Heute ist die endoskopische Entnahme von Gewebeproben die Regel. Die histologische und immunhistologische Untersuchung der Proben schließt sich üblicherweise an.


  • Biosynthese: Der Aufbau chemischer Verbindungen, z.B. von Proteinen, in lebenden Zellen zur Aufrechterhaltung der physiologischen Funktionen des gesamten Organismus


  • Biotransformation: Die biochemische Umwandlung eines Stoffes durch anabole oder katabole Stoffwechselwege, die meist in der Leber ablaufen. Die Wandlung dient i.d.R. dazu, körpeigene Stoffe, Pharmaka und Umweltgifte unwirksam zu machen. Dies kann auch als Entgiftung aufgefaßt werden.
    Beispiel: 1. Bilirubinkonjugation; 2. Alkoholabbau


  • Biphasisch: Verlaufsbeschreibung für Vorgänge, die gegenläufige Entwicklungen zeigen. Verwendung findet dieser Ausdruck vorallem in der Beschreibung von Fieberverläufen, z.B. bei septischem Fieber, das zwischen erhöhten und normalen Werten schwankt. Auch der bei Poliomyelitis auftretende zweigipflige Fieberverlauf mit Fieberanstieg in der 2. Woche kann als biphasische Fieberkurve aufgefaßt werden, wird aber treffender als 'Dromedarkurve' bezeichnet.


  • Blepharoptosis: Ptosis des Oberlides


  • Brachium: Oberarm


  • Brachydaktylie: Verkürzungen einzelner oder mehrerer Finger- bzw. Zehenglieder. Die Brachydaktylie ist häufig erblich bedingt und wird in verschiedenen Formen beobachtet, jedoch mit sehr ähnlichen Ausprägungen in der jeweiligen Familie. Sie kann isoliert oder in Kombination mit Fehlbildungen anderer Organe auftreten.


  • Brachymesophalangie: Kurzfingrigkeit infolge Hemmungsbildung der Mittelphalangen


  • Bradykardie: Langsame, regelmäßige oder unregelmäßige Herzschlagfolge (<60/Min.) bei Sinusrhythmus oder bei dessen Ausfall bzw. bei AV-Block mit ventrikulärer Reizbildung, die einen Ersatzrhythmus bereitstellt. Wird eine Frequenz von 40/Min. unterschritten, vorallem im Senium, kommt es zum Adam-Stokes-Anfall mit Bewußtseinsverlust. Leistungssportler haben eine Ruhepuls <50/Min, was aber physiologisch ist.


  • Breischluckmethode: der Patient schluckt Bariumsulfatbrei. Dieser dient als Kontrastmittel für Röntgenaufnahmen des Magen-Darm-Traktes. Seit Einführung der Endoskopie ist diese Untersuchungsmethode immer seltener indiziert.


  • Breitspektrum-Antibiotika: syn. Breitband-Antibiotika; Gruppe von antibakteriell wirksamen Medikamenten, die gegen Keime sowohl aus dem gramnegativen als auch dem grampositiven Bereich wirksam sind. Typische Vertreter sind z.B. Tetrazyklin. Breitspektrum-Antibiotika werden in der Anfangsphase der Therapie einer Infektionskrankheit eingesetzt, wenn der auslösende Erreger noch nicht identifiziert wurde oder gramnegative Keime vermutet werden.


  • Bronchialsystem: Äste der Luftröhre zur Luftleitung bis in die Alveolen, die sich aufteilen und dabei im Lumen immer feiner werden. Die Trachea teilt sich in den rechten und linken Haupt-Bronchie, die beide noch extrapulmonal liegen; diese teilen sich im Lungenhilusbereich weiter auf und werden intrapulmonal zu den feinsten Bronchiolen, die keine Knorpelspangen mehr besitzen. Die kräftige Muskelwand kann die Bronchie stark verengen.


  • Bronchiektasen: Bronchiektasen sind irreversible Erweiterungen einzelner Bronchien, die mit Husten, reichlichem Auswurf und rezidivierenden Infektionen einhergehen. Sie sind lediglich symptomatisch behandelbar.


  • Brudzinski-Nackenzeichen: Nach dem polnischen Arzt Josef von Brudzinski; reflektorische Beugung der Beine in den Hüft- und Kniegelenken nach passiver Kopfbeugung. Das Brudzinski-Nackenzeichen ist ein wichtiges Zeichen der Meningitis, das durch Dehnung und Streckung der entzündeten Rückenmarkswurzeln zustandekommt.


  • BSG: Abkürzung für Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit; Läßt man ungerinnbar gemachtes Blut in einer dünnen Glasröhre mit Maßeinteilung stehen, trennen sich das flüssige Serum und der feste Anteil des Blutes voneinander. Die Erythrozyten sinken nach unten. Man mißt nach der 1. Stunde (Normbereich: 3-8) und nach der 2. Stunde (5-18); bei Krebs, Rheuma, Infektionen sind erhöhte Werte bis 50/80 möglich.


  • Bülau-Drainage: Saugdrainage zur Ableitung eines Spannungspneumothorax. In den Pleuraspalt wird durch die Brustwand ein Schlauch gelegt, der mit seinem freien Ende in eine wassergefüllte Flasche getaucht ist. Bei der Inspiration kann die sich ausdehnende Lunge die Luft aus dem Pleuraspalt in diese Flasche ableiten, in der Exspiration kann wegen des Wassers kein Luftstrom in den Thorax erfolgen.


  • Burkitt-lymphom: sehr bösartiger Krebs, der die Immunzellen aus der B-Zellreihe betrifft und eine Vergrößerung der Lymphknoten zur Folge hat. Das Burkitt-lymphom gehört zu den schnell wachsenden Non-Hodgkin-Lymphomen. Die ursprünglich in Afrika beobachtete Krankheit wird vermutlich durch das Epstein-Barr-Virus verursacht. Sie befällt überwiegend Kinder und Jugendliche und tritt meist zuerst im Gesicht und Halsgebiet auf. Eine Dauerheilung mit Chemotherapie ist möglich.


  • BWS: Abkürzung für Brustwirbelsäule. Die Abkürzung ist in der Neurologie auch für die segmentale Zuordnung der Spinalnerven gebräuchlich.


  • BZ-Messung: Als wichtigster Energieträger für den Zellstoffwechsel muß Traubenzucker in einer bestimmten Konzentration im Blutserum vorhanden sein. Der normale Blutzucker-Spiegel beträgt 70 - 110 mg% (Nüchternwerte). Wiederholte Werte von mehr als 120 mg% sprechen für das Vorliegen eines Diabetes mellitus. Man unterscheidet Hypo- und Hyperglykämie, beides schwere Störungen des Zuckerstoffwechsels.



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C

  • Café-au-lait-Fleck: milchkaffeefarbener, rundlicher oder unregelmäßig begrenzter Hautfleck, der in der Ein- oder Mehrzahl bereits bei der Geburt vorhanden ist oder kurz danach auftritt. Oft Teilerscheinung der Neurofibromatose Recklinghausen bzw. des Leschke-Syndroms. In Kombination mit einem Nävuszellnävus als Naevus spilus.


  • Calcitonin: In der Schilddrüse und in der Nebenschilddrüse gebildetes Hormon. Die Ausschüttung erfolgt abhängig vom Kalziumspiegel des Blutes. Es hat eine senkende Wirkung auf den Kalzium- und Phosphatspiegel. Der Angriffspunkt beim Erwachsenen ist der Knochen, wo es die Kalziumfreisetzung senkt. An der Niere bewirkt Calcitonin darüberhinaus eine erhöhte Ausscheidung von Kalzium.


  • Candida albicans: Sproßpilz, Hefe; kann als Soor die Schleimhäute im Mund, an den Genitalien und im After befallen. Bei schwachem Immunsystem, vorallem bei AIDS, kann er sich auf die inneren Verdauungsorgane ausbreiten.
    Ursache: lange Gabe von Antibiotika und Immunsuppressiva, Diabetes mellitus


  • Canthus: Augen-, Lidwinkel


  • Capitulum: Gelenkkopf eines Knochens, dessen Fläche entweder konvex oder konkav geformt ist.


  • Caput: Kopf, Gelenkkopf


  • Caudalis: Schwanz- bzw. steißwärts; anatomische Richtungsbezeichnung; gebräuchlich an Hals und Rumpf.


  • Caverna: Höhle, Hohlraum; am gebräuchlichsten zur Bezeichnung der Hohlräume bei offener Lungentuberkulose, einer Form der Postprimärtuberkulose


  • Cerebellum: Das Kleinhirn, bestehend aus: 1. Archicerebellum, 2. Neocerebellum, für reflektorische Regulierung der Muskelspannung, 3. Paleocerebellum, regelt die unwillkürlichen Bewegungen und die Körperstellung. Bei Läsionen des Cerebellums kommt es zur Ausbildung eines Kleinhirnsyndroms.


  • Cerebral: Auch zerebral; das Gehirn und das Rückenmark betreffend


  • Chalazion: durch chronische granulierende Entzündung der MEIBOM-Drüsen hervorgerufene, erbsgroße, derbe, kaum schmerzhafte Schwellung unter der Lidhaut, umgeben von einer geröteten konjunktivalen Zone; kann später durchbrechen und einen rötlichen, polypösen Granulomknoten bilden.


  • Cheiloplastik: Lippenplastik, plastisch-chirurgische Wiederherstellung der normalen Lippenform bei Fehlbildungen (Lippenspalte) und entstellenden Verletzungen


  • Chondrom: Gutartige, knorpelige Geschwulst entweder des Knorpelgewebes oder auch von Knochen oder anderem Gewebe mit Neigung zur zentralen Erweichung. Ein Übergang zum bösartigen Chondrosarkom ist möglich.


  • Choroid: die „Aderhaut“ des Auges; der gefäß- und pigmentreiche Pigmentepithel und die Stäbchen-Zapfen-Schicht der Netzhaut versorgende hintere Abschnitt der Tunica vasculosa bulbi (= Uvea); sie besteht aus den 1. Lamina suprachoroidea (lockere Verschiebeschicht als Verbindung zur Sclera), und 2. - durch einen Spalt (Spatium perichoroideale) getrennt - aus der Lamina vasculosa (reich an Venengeflechten; mit Gefäßen aus den Aa. ciliares posterior breves; Endausläufer in den - von den Aa. ciliares posterior longae gebildeten - Circulus arteriosus der Iris einmündend), 3. Lamina choroidocapillaris (pigmentfrei; mit fenestrierten Kapillaren für die Netzhauternährung) und 4. innen, am Pigmentepithel, aus der Lamina basalis (BRUCH-Membran = Complexus basalis); reicht von der Sehnervpapille bis zur Ora serrata.


  • Chromosomen: Im Zellkern enthaltene mikroskopisch erkennbare Strukturen, die aus aufgewickelter DNA, der Erbsubstanz, bestehen. Bei der Zellteilung werden die Chromosome jeweils geteilt und die Hälften auf die Tochterzellen verteilt. Das Genom des Menschen besteht aus 22 Autosomen und den X und Y-Chromosom, wobei alle Zellen, ausser den Keimzellen, jedes der 23 Chromosome als Paar besitzen. Klinisch bedeutsam sind die Chromosom-Anomalien.


  • Chronisch: Der meist schleichend einsetzende und lange andauernde Verlauf einer Erkrankung. Heilt eine Krankheit nach 8 - 12 Wochen nicht aus, kann man von solch einem Verlauf sprechen. Viele degenerative Erkrankungen verlaufen meist chronisch.


  • Computer-Tomographie: Abkürzung = CT; modernstes bildgebendes Verfahren der Röntgenuntersuchungstechnik zur direkten Darstellung von Weichteilstrukturen, vorallem bei Tumoren, Metastasen und Abszessen. Dabei ermittelt ein Computer aus zuvor aufbereiteten Röntgenmeßergebnissen ein sehr detailreiches Querschnittsbild der Dichteverteilung in einer Schicht.


  • Cornea: cornu (latein) das Horn; Davon ist der Begriff Hornhaut (des Auges) abgeleitet. Hornhaut, Linse und Glaskörper sind die völlig durchsichtigen Gewebe des Auges.


  • Corpus callosum: der Balken - ein breites Band aus Nervenfasern - zwischen beiden Hirnhälften


  • Corticosteroide: Die von der Nebennierenrinde gebildeten Steroidhormone, zu denen Kortison und Aldosteron gehören. Kortison hat vorallem streßbewältigende Eigenschaften, wirkt antiphlogistisch und blutzuckererhöhend.


  • Cortison: Eines der Hormone der Nebennierenrinde; die biologische Vorstufe des Kortisols, das entscheidend an der Steuerung des Zuckerstoffwechsels beteiligt ist, weswegen es zu der Gruppe der Glukokortikoide gerechnet wird. Es hat weiterhin Einfluß auf den Blutdruck und wegen seiner Verwandtschaft mit dem Mineralokortikoid Aldosteron in hohen Dosen auch Einfluß auf den Haushalt der Mineralsalze.


  • Coryza: „Schnupfen“; i.e.S. der Virusschnupfen als akute, im allgemeinen afebrile Infektionskrankheit durch Rhino-, Influenza-, Adeno-, RS-, Entero- und andere Viren, wobei die „Erkältung“ (common cold) nur ein Teilfaktor des Geschehens ist. Übertragung durch Tröpfcheninfektion; Entwicklung einer Immunität ist fraglich.
    Symptome: Niesreiz, zunehmender Kopfschmerz, behinderte Nasenatmung, Absonderung wäßrigen, dann viskösen Nasensekretes


  • Coxa valga: Achsenfehlstellung der Hüfte mit einer Vergrößerung des Winkels zwischen Oberschenkelhals und Oberschenkelknochen (= 140° beim Erwachsenen)
    Ursache: Die angeborene Coxa valga tritt vorallem als Folge einer fehlgebildeten Hüftgelenkpfanne (Hüftdysplasie) oder einer Hüftgelenkverrenkung auf. Die erworbene Form kann sowohl durch Verletzungen, Tumoren und Entzündungen am Schenkelhals als auch durch Lähmungen der Hüft- und Beinmuskulatur verursacht werden.


  • Cuboid: würfelförmig; z.B. Os cuboideum (Würfelbein)



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D

  • Darmatonie: Fehlende oder stark herabgesetzte Darmperistaltik mit Tonusverlust der Darmwände. Die Ursache kann angeboren sein oder durch Traumen, Mesenterialinfarkte, Peritonitis und andere stärkste Schmerzzustände erworben. Nach Abklingen des auslösenden Reizes ist auch die Darmatonie meist rückläufig.


  • Deformität: Verformung; meist die Veränderung eines an einem Gelenk beteiligten Knochens durch anhaltende Fehlbelastung aber auch angeboren. Oft entwickeln sich in der Folge chronische Entzündungen durch Abtragung des falsch belasteten Gelenkknorpels; es entsteht eine Arthrose. Die Ausbildung von freien Gelenkkörpern kann zur bleibenden Bewegungssperre in einem Gelenk, multipel ausgebildet, auch zur vollständigen Verkrüppelung führen.


  • Degeneration: Entartung; ein Begriff für die Abweichung von der Norm verbunden mit der Funktionsminderung eines Organs. Die Entartung kann die Form und/oder die Funktion des Organs betreffen. Die Ursachen sind Zellschäden meist als Ergebnis von Stoffwechselstörungen.


  • Dehydration: Austrocknung des Organismus als Folge einer negativen Flüssigkeitsbilanz; stets als kombinierte Störung des Wasser- und Salzhaushalts. Bei Kindern besonders gefährlich, da schon bei Verlust von 15% des Körpergewichts Lebensgefahr besteht. Man prüft eine Dehydration durch Bildung einer Hautfalte am Handrücken, die bei Dehydration stehen bleibt.


  • Dekubitus: 'Wundliegen'; die Ausbildung eines schlecht oder gar nicht heilenden Geschwüres der Haut durch chronische Druckwirkung, wie dies bei langer Bettlägerigkeit vorkommt. Es kommt i.d.R. zur Nekrosenbildung und bakterieller Superinfektion, die durch allgemeine Kachexie begünstigt wird. Bei entsprechender Gefährdung des Patienten muß die regelmäßige Dekubitusprophylaxe durchgeführt werden.


  • Denkstörungen: Durch Krankheit bedingte Störungen im Gedankenfluß. Der Denkablauf kann bezüglich der Verknüpfung der einzelnen Gedanken alogisch sein, vorallem bei Stirnhirnstörungen, durch Hemmung der Gedanken oder ihren plötzlichen Verlust formal in seinem Ablauf behindert sein, z.B. bei Psychosen oder durch wahnhafte Ideen inhaltlich behindert werden vorallem bei Schizophrenien.


  • Dermal: die Haut betreffend, von ihr stammend, an ihr gelegen


  • Dermatoglyphen: die durch den Hautpapillarkörper bedingten, genetisch fixierten und individualspezifischen Papillarlinien in Form von typischen Mustern


  • Dermis: Lederhaut, mittlerer Anteil des dreischichtigen Organs Haut mit überwiegend fibrillären Elementen in Form von kollagenen und elastischen Fasern. Weitere Bestandteile sind die Hautanhangsgebilde wie Haare und Schweißdrüsen, die als Eintrittspforten in die Dermis führen, was klinisch als Pyodermie in Erscheinung tritt. Wird dieser Teil der Haut zerstört, z.B. bei Blasenbildung, resultiert Narbe.


  • Desensibilisierung: Schrittweises Herabsetzen einer Reaktionsbereitschaft, die zu der Allergie vom Soforttyp gezählt wird. Durch die regelmäßige, über einen längeren Zeitraum erfolgende, meist subkutane Injektion des auslösenden Allergens in langsam ansteigender Dosis bis zur Tolerierung. Indiziert bei ausgeprägtem allergischem Asthma bronchiale und Heuschnupfen.


  • Desorientiertheit: Unfähigkeit, sich in Zeit, Raum, der aktuellen Situation oder über die eigene Person zu orientieren. Die Fragen nach dem Wer, Was, Wann und Wo können nicht richtig beantwortet werden. Orientierungsstörungen treten in unterschiedlicher Kombination bei organischen Hirnerkrankungen, psychiatrischen Krankheiten, wie Schizophrenien, Delirien, oder als Folge von Medikamenteneinnahme auf.


  • Dextroversion: die Lage- oder Richtungsänderung nach rechts; die Blickwendung nach rechts


  • DG: Abkürzung für Darmgeräusche; Mittels einem Stethoskop durch die Bauchdecke jederzeit hörbar. Bei fehlenden Darmgeräusche liegt meist eine Lähmung des Darms vor, der sog. paralytische Ileus; bei an einer Stelle sehr lauten, glucksenden Geräuschen ein Verschluß des Darms, der mechanische Ileus. Bei über den ganzen Bauch verteilten sehr lebhaften Darmgeräusche, die auch auf Entfernung zu hören sind, muß man an eine Enteritis mit Durchfall denken.


  • Diabetes insipidus: ist eine Erkrankung, bei der große Mengen an Flüssigkeit aufgenommen und ausgeschieden werden, da wegen ADH-Mangels die Regulation des Wasserhaushalts mittels Harnkonzentration gestört ist. Die Klinik ist durch Polyurie, auch nachts als Nykturie, unerträglichen Durst mit Polydipsie und dünnen farblosen Harn geprägt. Komplikationen durch Exsikkose sind möglich.


  • Diabetes mellitus: Zuckerkrankheit, genetisch und exogen
    • Typ I: durch Insulinmangel bedingt, beginnt in der Jugend und eine lebenslange Insulinzufuhr ist notwendig
    • Typ II: zunehmende Insulinresistenz bei Adipositas im Alter
    Klinik: erhöhter Blutzucker, Glukosurie, Körperentwässerung
    Komplikationen: Nerven- und Gefäßläsionen


  • Differentialdiagnose: die hohe Kunst der Differenzierung einander sich stark ähnelnder Krankheitsbilder.


  • Digital: die Finger betreffend; auch gebräuchlich in interdigital, eine Bezeichnung für den Raum zwischen den Fingern und Zehen, in dem die für Pilzwachstum günstigen Verhältnisse der Feuchten Kammer herrschen.


  • Dilatation: Die krankhafte Ausweitung eines Hohlorgans wie des Herzens, der Blutgefäße, des Dickdarms oder des Harnleiters. Meist liegt der Ausweitung eine Druck- oder Volumenüberlastung zugrunde.


  • Diploid: Bezeichnung für den in jeder Körperzelle vorliegenden, doppelten Chromosomensatz, der bei der Meiose nochmals verdoppelt und an beide Tochterzellen weitergegeben wird. Bei Keimzellen liegt das Erbgut in einfacher Ausstattung als haploider Chromosomensatz vor, damit eine Verschmelzung der beiden Teile des mütterlichen und väterlichen Genoms während der Befruchtung möglich ist.


  • Diplopie: Doppeltsehen; gleichzeitig wahrgenommene zwei Bilder des Sehraumes, wie es bei einem nichtkorrigiertem Strabismus, aber auch symptomatisch bei Alkoholintoxikation und Botulismus vorkommt.


  • Diskusprolaps: Bandscheibenvorfall; Das Heraustreten von Bandscheiben über die Wirbelkörperkanten hinaus. Dabei kann es zu einer Druckschädigung von Spinalnerven kommen, die an dieser Stelle das Rückenmark verlassen. Die lumbalen Bandscheibenvorfälle bereiten häufig Kreuzschmerzen und Gefühlsstörungen im Bereich der Beine und des Bekkens, die zervikalen Bandscheibenvorfälle sind meist für Schulter- und Armschmerzen verantwortlich. Bei Durchtrennung des Rückenmarks droht das Querschnittsyndrom.


  • Disposition: Krankheitsbereitschaft durch Verminderung der Anpassungsfähigkeit des Organismus. Eine Disposition kann genetisch bedingt oder erworben sein.


  • Distal: Rumpffern, vom Rumpf weiter entfernte Abschnitte der Extremitäten betreffend, aber auch z.B. das eine Ende eines Hohlleiters betreffend
    Beispiel: 1. distal Abschnitt des Ureters; 2. die Finger liegen distal der Hand
    Das Gegenteil von distal ist proximal.


  • Distention: Ausdehnung, Überdehnung, z.B. einer Gelenkkapsel, mit der Folge spontaner Luxation (Distensionsluxation)


  • Diurese: Die physiologische Harnausscheidung durch Nieren und Harnwege. Diese trägt zur Entgiftung des Körpers bei und reguliert den Wasser- und Elektrolythaushalt. Bei Ödemen wird therapeutisch die Diurese durch mehr oder weniger starke Diuretika verstärkt, bei Lungenödem eine lebensrettende Maßnahme.


  • Divertikel: Fingerförmige Ausstülpung der Wand eines Teiles des Magen-Darm-Trakts nach außen, das weiterhin Kontakt zum Lumen hat. Divertikeln machen erst Beschwerden, wenn sich darin Nahrungsreste sammeln. Sie können entweder anschwellen und die Nahrungspassage behindern oder sich entzünden, was als Divertikulitis bezeichnet wird. Divertikeln müssen operativ entfernt werden, um ein Durchbrechen oder eine Entartung zu verhindern.


  • DNA: Deutsch auch DNS, Desoxyribonucleinsäure; wichtigster Baustein des Zellkerns, hat innerhalb eines Chromosoms strukturgebende Aufgaben und gewährt in Form einer Strickleiter die genetische Information tragenden Purinbasen Bindungsplätze; chemisch ein Polymer aus Zuckermolekülen, den sog. Ribosen; DNA ist im Organismus voll recyclebar. Die Abschrift der genetischen Information für die Proteinsynthese erfolgt auf die eng verwandte RNA.


  • Dominant: Bezogen auf den Erbgang von Krankheiten, wenn das Vorhandensein des Gens, das für die Ausprägung des Merkmals verantwortlich ist, auf einem der beiden Chromosomen genügt, um das Merkmal auszudrücken. Der Begriff gilt auch für einen Erbgang, der von einem der beiden Allele für das Merkmal beherrscht wird. Das Gegenteil von dominant ist der rezessive Erbgang.


  • Dorsal: als anatomische Richtungsbezeichnung die Rückseite eines Körperteils oder Organs betreffend; den Rücken betreffend, zum Rücken hin gelegen. Auch in dem Begriff Dorsalgie enthalten. Das Gegenteil zu dorsal ist ventral, d.i. die Richtungsbezeichnung für 'zum Bauch hin'.


  • Ductus arteriosus Botalli: Ein kurzes Verbindungsstück zwischen der Aorta und der Pulmonalarterie, welches im fetalen Kreislauf einen Kurzschluß bildet, da die fetale Lunge nicht durchblutet wird. Nach der Geburt schließt er sich und wandelt sich in einen bandförmigen Rest um, das Ligamentum arteriosum. Die Engstelle bei Aortenisthmusstenose liegt meist im Bereich des Ductus arteriosum.


  • Dysästhesie: Sensibilitätsstörung, bei der eintreffende Reize in ihrer Qualität verstärkt und auch meist als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden. Dieses neurologische Symptom wird häufig im Rahmen der Polyneuropathie geklagt.


  • Dysarthrie: Artikulationsstörungen, Störungen der Sprechfähigkeit. Ursache sind Erkrankungen des Zentralnervensystems.


  • Dysgenesie: die angeborene Fehlbildung eines Organs


  • Dyslexie: erschwertes Lesevermögen, oft in Kombination mit einer Sprachschwäche, das z.B. nach Schlaganfällen auftreten kann. Der Begriff wird auch für die Leseschwäche im Rahmen einer Legasthenie (Teilleistungsschwächen) verwendet.


  • Dysmorphie: Fehlbildung, insbesondere als anlagebedingte Deformität; vgl. Dysgenesie. Meist bezeichnet nach den als Leitsymptom geltenden Fehlbildungen


  • Dyspepsie: Leichte Verlaufsform der akuten Ernährungsstörung beim Säugling, die mit Erbrechen, Durchfällen, Appetitlosigkeit und Unruhe einhergeht und durch verschiedene Krankheitskeime ausgelöst wird. Bei längerem Verlauf können Erbrechen und Durchfälle über den Verlust von Wasser und Elektrolyten zu einer Stoffwechselentgleisung mit möglicherweise tödlichem Ausgang führen.


  • Dysphagie:
    1. oropharyngeale Dysphagie: Schluckbeschwerden zu Beginn des Schluckakts, z.B. bei Angina tonsillaris, auch mit Schmerzen beim Verschlucken der Speisen
    2. ösophageale Dysphagie: Passagebehinderung für Nahrung durch Stenosen oder Tumore des Ösophaphagus mit Würgereiz und Erbrechen

  • Dysphorie: Mißstimmung, die sowohl beim Gesunden als auch bei verschieden Erkrankungen des Gehirns z.B. bei Organischem Psychosyndrom und bei Schizophrenien vorkommen kann.


  • Dysplasie: Fehlgestaltung, Fehlbildung als Folge gestörter formaler (= morphologischer) Gewebs- und Organentwicklung


  • Dyspnoe: Jede Form der Atemstörung, die mit dem subjektiven Erleben von Atemnot, Lufthunger oder Atembeklemmung verbunden ist. Dyspnoe kann ursächlich bei Verlegung der Atemwege, Herzinsuffizienz, Lungenentzündung oder extremer Blutarmut auftreten.


  • Dyspraxie: Störung der sequentiellen Anordnung von Einzelbewegungen (Apraxie)


  • Dystopie: Verlagerung von Organen oder Geweben an eine unübliche Stelle im Körper


  • Dysurie: Erschwerte und schmerzhafte Harnentleerung, oft in Kombination mit Pollakisurie
    Ursache: vorallem Prostataadenom, Harnwegsinfektion, seltener neurologisch oder psychogen bedingt.



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E

  • EEG: Abkürzung für Elektroenzephalographie; Ein elektronisches Diagnoseverfahren mit Ableitung und Verstärkung der Hirnströme, was einer Darstellung der Hirnaktivität entspricht. Die 10-100 µV hohen Spannungen werden mit 12 - 20 symmetrisch befestigten Kopfhaut-Elektroden abgeleitet. Das abgeleitete Muster spiegelt die verschiedenen Bewußtseinsgrade, bei Epilepsie z.B. auch ein Krampfgeschehen wider.


  • Ekchymose: unregelmäßige, flächenhafte Blutaustritte in die Haut


  • EKG: Abkürzung für Elektrokardiogramm; Die Ableitung der Herzströme von der Hautoberfläche und ihre Aufzeichnung unter Ruhebedingungen; man unterscheidet bei der Ableitung der Ströme die Extremitäten- von den Brustwandableitungen. Das Kurvenbild wird unterteilt in P-, QRS- und T-Zacken bzw. Wellen. Die größte Aussagekraft hat diese Untersuchung bei Rhythmusstörungen und Herzinfarkt.


  • Ektasie: Dauerhafte Erweiterung eines Teils eines Hohlorgans, z.B. in der Lunge als Bronchiektasie, im Gefäßsystem als Teleangiektasie, aber auch im Magen. Die Ektasie kann mit oder ohne Verengung vor der erweiterten Stelle auftreten und ist entweder angeboren (häufig im Gefäßsystem) oder Folge einer Erkrankung, z.B. in der Lunge als Brochiektasie, wie sie z.B. durch chronische Entzündung bei Rauchern auftritt.


  • Ektoderm: Äußeres der drei embryonalen Keimblätter, aus dem sich Oberflächenstrukturen und Sinnesorgane sowie das Zentralnervensystem entwickeln.


  • Ektomie: Resektion; Die chirurgische Entfernung eines Organteils, im Gegensatz zur völligen Entfernung, die man als Exstirpation bezeichnet.
    Indikation: Solitärtumore und -metastasen, destruierende Abszesse, nekrotische Prozesse


  • Ektopie: Erworbene oder angeborene Verlagerung von Gewebe oder Organen an eine unübliche Stelle im Körper oder nach außen an die Körperoberfläche. So wird z.B. die Fehllage des Hodens innerhalb oder außerhalb des Hodensackes als Hodenektopie bezeichnet (Hodenhochstand).


  • Ektropium:
    1. Ausstülpung der Schleimhaut des Gebärmutterhalses (Ektopia portionis)
    2. Auswärtskehrung des Unterlides. Meist entsteht das Ektropium im Alter durch Erschlaffung der Lidmuskeln oder durch Narben. Die Lidspalte ist erweitert, der Lidschluss wird unmöglich (Lagophthalmus). Durch das Abstehen des Unterlides fließen die Tränen nach außen ab, die Hornhaut trocknet aus und entzündet sich (Keratitis e lagophthalmo Die Behandlung erfolgt operativ.

  • Ekzem: Auf die Haut beschränkte, entzündliche, nicht durch Infektion bedingte Erkrankungen, die mit Rötung, Schuppung, Bläschenbildung und Verhärtung der betroffenen Hautbezirke einhergehen und ohne Vernarbung abheilen. Ursache sind allergische Reaktionen (Kontaktekzem), angeborene Veranlagung (atopisches Ekzem) oder alterungsbedingte Schäden der Haut (seborrhoisches Ekzem).


  • Elektrolyte: sind Subtanzen, die sich in wäßriger Lösung in elektrisch geladene Ionen spalten; z.B. zerfällt Kochsalz in Na+ und Cl-. Der Elektrolythaushalt ist für den Ablauf von Stoffwechselvorgängen unentbehrlich und wird in engen Grenzen konstant gehalten. Er ist auch eng mit dem Wasserhaushalt und dem Säure-Basen-Haushalt verknüpft. Elektrolyt-Verluste treten bei Hyperemesis, Diarrhoe und Nierenversagen auf.


  • Embolie: Plötzlicher Verschluß eines Blutgefäßes durch einen vom Blutstrom verschleppten Blutpfropf. Die Embolie-Quelle ist i.d.R. in den tiefen Bein- und Beckenvenen zu sehen, seltener in einem erweiterten linken Atrium. Am häufigsten bleibt der Pfropf in einem Ast der A. pulmonalis stecken, die Folge ist die Lungenembolie. Saust der Pfropf ins Gehirn, kommt es zur Apoplexie. Erhöhter Druck im Abdomen bei der Defäkation infolge Obstipation kann auslösend sein.


  • Emesis: ruckweise Entleerung von Mageninhalt durch Speiseröhre, Schlund und Mundöffnung; Das Emesis wird meist durch kurz dauernde Übelkeit, Speichelabsonderung, Schweißausbruch, Blässe, Schwächegefühl unter Verlangsamung und Schwächerwerden des Pulses eingeleitet. Dann ziehen sich die Bauchmuskeln und das Zwerchfell stark zusammen und der Magen entleert sich durch rückläufige Bewegung. Steht dabei der Magenpförtner offen, können auch Dünndarmsekret und Galle erbrochen werden (das Erbrochene ist dann gelblich gefärbt und schmeckt bitter). Durch die beigemengte Salzsäure des Magensaftes riecht und schmeckt das Erbrochene sauer. Emesis wird vom Brechzentrum im verlängerten Mark über das vegetative Nervensystem ausgelöst.


  • EMG: Abkürzung für Elektromyographie; eine der apparativen Diagnostik zugehörige Untersuchungsmethode, bei der mittels Nadelelektroden elektrische Ströme im Muskel gemessen werden. Dadurch können Erkrankungen im Muskel oder auch im peripheren Nervensystem diagnostiziert bzw. ausgeschlossen werden. EMG wird vorallem an den Extremitäten, im Gesicht und an der Augenmuskulatur durchgeführt.


  • Empyem: Ansammlung von Eiter in einer natürlichen Körperhöhle oder einem Hohlorgan. Durch Entzündung der Auskleidung, Übertragung von Eiter aus einer nahe gelegenen eiternden Entzündung, oder durch direkte Keimbesiedlung nach einer Verletzung.


  • Enanthem: Eine Beteiligung der Schleimhaut des Gaumens bei Hautausschlägen in Form von Rötung und Schwellung. Ein Ausschlag, der innen liegt.
    Beispiel: Röteln, Herpes oralis


  • Encephalitis: Gehirnentzündung, meist infektiöser Herkunft, aber auch infolge von Vergiftung mit folgender Klinik: Allgemeinsymptome wie Schlafsucht, Verwirrtheit und Herdzeichen wie Krämpfe oder Lähmungen, wobei hinzukommendes Fieber auf die infektiöse Genese hinweist.


  • Endemie: Epidemiologischer Begriff, der eine in einem bestimmten Gebiet andauernd oder sporadisch vorkommende Erkrankung oder Infektionskrankheit bezeichnet. Die Röteln, der Keuchhusten und die Masern sind in der BRD endemisch, dagegen tritt die Influenza nur epidemisch auf.


  • Endogen: Im Körper entstehend, anlagebedingt; z.B. endogene Depression. Das Gegenteil ist exogen.


  • Endokard: Die innerste Schicht mit der die Herzbinnenräume und die Herzklappen überzogen sind. Ähnlich dem Endothel ist diese Schicht spiegelglatt, so daß das Blut widerstandsfrei fließen kann und eine intrakardiale Gerinnung verhindert wird. Hier spielen sich die entzündlichen Zerstörungen bei rheumatischer und bakterieller Endokarditis ab, die Narben hinterlassen, auf deren Basis die Vitien entstehen.


  • Endoskopie: Ausleuchtung und Inspektion von Körperhohlräumen und Hohlorganen mit hilfe eines Endoskops (biegsames, schlauchförmiges Instrument, welches mit einer Lichtquelle und einem lichtleitenden Fiberglasstrang versehen ist) mit der Möglichkeit zur Entnahme einer Biopsie mit nachfolgender histologischer Untersuchung. Heute werden viele der klassischen Eingriffe der Abdominalchirurgie endoskopisch durchgeführt.


  • Endothel: Einschichtiges Plattenepithel, welches die Herzbinnenräume, Blut- und Lymphgefäße von innen auskleidet; dieses Deckgewebe besteht aus platten, flachkernigen und unregelmäßig begrenzten Zellen, deren Grenzen sich nicht nur überlappen können, sondern zusätzlich durch eine Kittsubstanz abgedichtet sind. Hier spielen sich die physiologischen Entzündungs- und pathologischen Allergiereaktionen ab.


  • Enophthalmus: Das Hineinsinken des Augapfels in die Orbita. Ursachen können ein Schwund des orbitalen Fettgewebes, eine Verletzung oder Dislokation der knöchernen Wand, oder eine Lähmung der Innervation wie z.B. bei einem Horner-Komplex sein.


  • Enteral: Den Darm betreffend; der Fachbegriff wird vorallem benutzt, wenn der Ort der Nährstoffaufnahme genauer benannt werden soll, oder um Flüssigkeitsverluste durch den Darm bei Diarrhoe zu benennen.


  • Enterokolitis: Entzündung von Dünn- und Dickdarm durch verschiedene Krankheitskeime, z. B. Reisediarrhoe bei Infektion mit Kolibakterien. Bei längerdauernder Symptomatik kommen auch Erreger wie Salmonellen in Frage. Meist bezeichnet die Enterokolitis jedoch eine allgemeine Darmverstimmung mit mäßigen Durchfällen, die nach wenigen Tagen ohne die Gabe von Antibiotika wieder verschwindet.


  • Entoderm: Inneres der drei embryonalen Keimblätter, aus dem sich Epithelien des primitiven Darms bilden, und das in der weiteren Entwicklung u.a. die Epithelien des Respirationstrakts, der Harnblase, der Paukenhöhle, des Parenchyms der Tonsillen, der Schilddrüse, des Thymus, der Leber und des Pankreas bildet.


  • Enuresis nocturna: Nächtliches Bettnässen, unwillkürliche Blasenentleerung bei Kindern nach dem 3. Lebensjahr. Meistens liegen psychische Ursachen zugrunde, aber auch anatomische Veränderungen im Bereich der ableitenden Harnwege kommen ursächlich in Frage.


  • Enzephalitis: Gehirnentzündung, meist infektiöser Herkunft, auch infolge Vergiftung mit folgender Klinik: Allgemeinsymptome wie Schlafsucht, Verwirrtheit und Herdzeichen wie Krämpfen oder Lähmungen, wobei hinzukommendes Fieber auf die infektiöse Genese hinweisen kann.


  • Enzephalozele: angeborener Austritt von Gehirnteilen und/oder weichen Hirnhäuten durch einen medianen Dura- und Schädeldachdefekt (Diastematokranie) oder zwischen Knochen der Schädelbasis. Bruchsack ist bei der Schädeldachkephalozele die Haut.


  • Enzyme: syn. Ferment; Proteine, die Stoffwechselabläufe ermöglichen oder beschleunigen, ohne selbst dabei verändert oder verbraucht zu werden. Es gibt im Körper eine Vielzahl davon und i.d.R. ist jedes für eine Reaktion zuständig. Die meisten Enzyme sind nach der Reaktion benannt, die sie beeinflussen, indem die Endung 'ase' angehängt wird.
    Beispiel: Lipase, ein fettspaltendes Enzym des Pankreassafts, DNA-Polymerase


  • Epiblepharon: eine übermäßig entwickelte Deckfalte des Oberlids bzw. ein Lidhautwulst des Unterlids; familiär-erblich bei Neugeborenen mit Entropium congenitum; im Alter, als seniles Epiblepharon, in Verbindung mit spastischem Entropium.


  • Epicondylus: Erhebung auf den Gelenkknorren der langen Röhrenknochen, vorallem des Oberarmes im Ellenbogengelenk, an denen Muskeln ihren Ansatz haben. Bei Überlastung dieser Muskeln kommt es zur Epicondylitis medialis (Golfarm) oder lateralis (Tennisarm).


  • Epidermis: Oberhaut; gefäßlose äußerste Schicht der Haut; sie besteht aus mehrschichtigem, verhorntem Plattenepithel mit nach außen immer mehr abnehmender Vitalität; tote Epidermis schilfert ab, von unten wachsen schnell neue Zellen nach. Dicke je nach Körperregion: 30 µm bis 4 mm.


  • Epikanthus: sichelförmige Hautfalte am inneren Augenwinkel, die vom Oberlid gebildet wird und sich bis zum unteren Lid zieht (Epicanthus medialis). Sie kommt häufig bei gesunden Säuglingen vor und verschwindet meist bis zum zehnten Lebensjahr.


  • Epilepsie: Die Epilepsie ist eine Anfallskrankheit, die durch einen kurzzeitigen Krampfanfall im gesamten Körper mit Hinfallen, Muskelzuckungen und nachfolgender Bewußtlosigkeit gekennzeichnet ist. Diese klassische Form der Epilepsie wird auch als generalisierte Form, der Anfall als Grand mal bezeichnet. Daneben gibt es noch die fokale Epilepsie, die von leichteren Krämpfen ohne Bewußtseinsverlust geprägt ist.


  • Epiphyse: Die beiden aufgetriebenen Enden von Röhrenknochen, in deren Grenze zum Schaft, der Diaphyse, während des Knochenwachstums die Wachstumsfuge verläuft, und die an der Bildung von Gelenken beteiligt sind.


  • Epistaxis: Nasenbluten; meist plötzliche Blutung aus den Gefäßen der Nasenschleimhaut, kennzeichnender Weise meist im Bereich des medialen Septumabschnitts, einem gefäßreichen Bereich der Nasenschleimhaut, der von HNO-Ärzten auch als Locus Kiesselbachii bezeichnet wird.
    Ursache: Rhinitis, Verletzungen, in der Pubertät häufig ohne Ursache, symptomatisch bei Hypertonie, Arteriosklerose und Hämophilie


  • Epithel: Das Deckgewebe, welches an allen Oberflächen des Körpers zu finden ist. Es erfüllt unterschiedlichste Aufgaben: Schutzfunktion an Haut- und Schleimhaut, resorptive Aufgaben im Magen-Darm-Trakt und an den Alveolen, usw. Es kann einschichtig oder mehrschichtig sein; man unterscheidet weiterhin Platten-, Kubus- oder Übergangs-Epithel.


  • Epstein-Barr-Virus: Virus, das eng verwandt ist mit den Herpesviren. Die Durchseuchung der erwachsenen Bevölkerung liegt bei nahezu 90 %, wobei die meisten Infektionen symptomlos verlaufen. Bei den manifesten Formen ist es für die Mononukleose verantwortlich. Das EBV wurde in einer besonderen Tumorart, dem BurkittLymphom, nachgewiesen und wird beschuldigt, an dessen Entstehung beteiligt zu sein.


  • Ergotamine: Mutterkorn- bzw. Secalealkaloide; Gruppe von Medikamenten, die durch Beeinflussung des vegetativen Nervensystems eine Verengung von Blutgefäßen herbeiführen. Sie werden zur Steigerung des Blutdrucks bei Hypotonie, bei der Behandlung der Migräne und zur Blutstillung nach der Entbindung eingesetzt. Die Vasokonstriktion kann bei Ergotamine-Vergiftung zu Nekrosen an den Fingern führen.


  • Ergotismus: Vergiftungserscheinungen durch Mutterkornbestandteile oder Ergotaminpräparate, wie sie zur Migränetherapie benutzt werden. Zeichen der akuten Vergiftung sind Parästhesien, Magen-Darm-Störungen, Kopfschmerz und Bewußtlosigkeit. Die periphere Vasokonstriktion kann zu Nekrosen an den Fingern führen. Heute ist der Ergotismus durch Bio-Brot, das aus pestizidfreiem Getreide (Mutterkornbefall) hergestellt wurde, vorstellbar.


  • Erguß: kreislaufmechanisch oder entzündlich entstandene Flüssigkeitsansammlung in Körperhöhlen


  • Erstickung-Asphyxie: Schädigung des Körpers durch anhaltenden Sauerstoffmangel. Die Ursachen sind exogen Ertrinken, Strangulation oder endogen Lungenödem, Vergiftung mit Zyankali oder Kohlenmonoxid. Bei anhaltender Sauerstoffunterversorgung kommt es zur Asphyxie (Atemstillstand) mit Herz- und Kreislaufversagen und möglichem Exitus. Sofortige Reanimation und Sauerstofftherapie werden benötigt.


  • Ery: Rote Blutkörperchen mit einem Durchmesser von 7 µm und einem Gehalt an Hämoglobin von 14 - 18 g%. Ihre Aufgabe ist der Transport des Sauerstoffs im Blut. Ihre Anzahl sollte bei 4,5 - 6 Mio. / µl liegen. Sie sind kernlos und haben eine begrenzte Lebensdauer von ca. 100 Tagen und werden in der Milz abgebaut. Antigene ihrer Membran legen die Blutgruppe fest.


  • Erysipel: Wundrose; flächenhafte Infektion der Haut mit heißem Gefühl und Rötung im betroffenen Areal. Diese zu den Pyodermien gehörende Erkrankung wird von Streptokokken verursacht und geht von geringfügigen Verletzungen der Haut aus.


  • Esotropia: Innenschielen hierzu zählen:
    1. frühkindliche Schielsyndrome , charakterisiert durch großen konvergenten Winkel (variabel), Nystagmus (Latens-Typ), dissoziiertes Höhenschielen, blickrichtungsabhängige Winkelunterschiede, Kopfschiefhaltung (alle Symptome können auch einzeln auftreten).
    2. Mikrostrabismus convergens , typisch ist die anomale Sensorik bei kleinem Winkel mit anomaler Fusion, anomaler Stereopsis und anomaler Korrespondenz. Es besteht höchste Amblyopiegefahr. Betroffen sind vor allem Kinder.
    3. normosensorisches Spätschielen (ältere Kinder und Erwachsene), akuter Beginn der Symptome (Abreißen der Fusion) mit deutlich erkennbarem Winkel und oft Diplopie. Sensorik normal.
    4. akkommodative Esotropie, akkommodativer Konvergenzexzeß ; relativ seltene Schielformen, treten meist intermittierend auf, zeitweise stehen die Augen parallel. Beim akkommodativen Konvergenzexzeß ist das Schielen nur bei Nahsehen nachweisbar.

  • Eventration: Vorfall von Baucheingeweiden aus der Bauchhöhle ohne Bauchfellbedeckung; erfolgt meist vor die Bauchdecken oder in die Brusthöhle. Ist angeboren bei Bauchspalte, erworben nach Verletzungen oder Operationen (infolge Nahtdehiszenz bzw. Platzbauch).


  • Eversion: Ausstülpung, Verlagerung nach außen (auch i.S. der Ektopie); auch die Auswärtsdrehung des Rückfußes im unteren Sprunggelenk (bedeutsam als Teilmechanismus der Knöchelfraktur als Eversionsfraktur)


  • Exanthem: Ein auf größere Körperpartien ausgedehnter Hautausschlag, der von Effloreszenzen, den sogenannten Hautblumen wie Fleck, Pustel oder Bläschen gebildet wird. Der Hautausschlag hat einen Beginn, einen Höhepunkt und ein Ende und wird bei vielen viralen Kinderkrankheiten beobachtet.


  • Exogen: 1. von außen in den Körper eindringend; außerhalb des Körpers entstanden. Ebenso eine Bezeichnung für somatogene Schädigungen die in den psychischen Bereich hineinwirken.
    2. ein von außen zugeführter Stoff


  • Exokrin: Nach außen absondernd; Drüsen, welche ihr Produkt an die Körperoberfläche oder in Hohlorgane abgeben. Das Gegenteil dazu sind die Hormondrüsen, die ihr Produkt nach innen in die Blutgefäße abgeben. Exokrine Drüsen sind: alle Speicheldrüsen incl. Pankreas, Lieberkühnsche Drüsen des Duodenum, Becherzellen z.B. in Bronchien und Urothel, Prostata-, Schweiß- und Tränendrüsen


  • Exophthalmus: Ein- oder beidseitiges Herausragen des Augapfels aus der Orbita mit Bewegungseinschränkung. Mögliche Ursachen sind eine endokrine Orbitopathie, Varizenbildung, die Folgen eines Tumors oder die Verletzung der Orbita und des vorderen Schädels.


  • Exotropia: Auswärtsschielen, Strabismus divergens


  • Exstirpation: Operative Entfernung eines ganzen Organs, z.B. bei einem gut abgegrenzten Tumor. Die Entfernung eines Organteils nennt man Resektion, die einer Gliedmaße Amputation. In allen diesen Fällen besteht die chirurgische Aufgabe darin, einen gewaltarmen Weg innerhalb der richtigen anatomischen Schicht zum Operationsziel zu finden und eine gute Blutstillung, trotz zügigen Vorgehens, zu erreichen.


  • Extension: 1. Streckungsbewegung in einem Gelenk; das Gegenteil ist die Flexion. 2. Bei Behandlung einer Fraktur wird durch Zug in Richtung der Längsachse (manuell oder mithilfe eines Drahtes, der durch den Knochen geschossen wird) der Knochen auf diese Weise reponiert.


  • Extrapyramidales Syndrom: Störung im Bewegungsablauf mit Zunahme (Hyperkinese) oder Verminderung (Hypokinese) der Bewegungen, kombiniert mit erhöhtem (Rigor) oder erniedrigtem Spannungszustand (Hypotonus) der Muskulatur. Dabei treffen oft Rigor und Hyperkinese, z.B. als Zittern vorallem bei einem Morbus Parkinson zusammen. Das exytrapyramidale Syndrom kommt auch bei Hirntumoren, Schlaganfällen und als Medikamentennebenwirkung vor.


  • Extrasystolie: vorzeitig einfallende Kontraktion der Herzkammern infolge einer gestörten Erregungsbildung; der Puls ist gestört, die Extrasystolie kann deutlich als Extraschläge getastet werden. Nach dem Entstehungsort unterscheidet man
    Sinus-, AV- oder Kammer-Extrasystolie. Extrasystolie ist oft ohne Krankheitswert.


  • Extremitäten: Die langen Gliedmaßen; sie werden unterteilt in die Extremitas inferior (das Bein) mit Femur (Oberschenkel), Genu (Knie) und Pes und die Extremitas superior bestehend aus dem Arm mit Brachium (Oberarm), Cubitus (Ellbogen) und Manus (Hand).


  • Extremitäteninfarkt: Hypoxämischer Infarkt, dessen Ursache meist Arteriosklerose oder auch eine diabetische Mikroangiopathie ist. Durch Austrocknung entsteht eine blauschwarze, trockene Gangrän, bei Superinfektion eine feuchte Gangrän.


  • Exzision: Ausschneidung von Gewebeteilen ohne Rücksicht auf Organgrenzen oder Gewebestrukturen; z.B. Wundausschneidung zur Verhinderung einer Wundinfektion oder die Haut-Exzision eines Malignen Melanoms.



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F

  • Facies: Das Gesicht; im medizinischen Alltag stellt das Gesicht den wichtigsten Teil des Körpers dar, da dieses einerseits immer unbekleidet, andererseits bei sehr vielen Krankheiten Symptome aufweist. Manches ist pathognomostisch, wie z.B. die Facies basedowica oder Facies mitralis.


  • Fallot'sche Tetralogie: nach Fallot (1888) eine angeborene Herzfehlbildung (ca. 10% aller angeborenen Vitien) mit hochsitzendem, großem Ventrikelseptumdefekt mit Ausflußtraktstenose rechts (hypoplastisches Infundibulum), überreitender Aorta und Hypertrophie des rechten Ventrikels.


  • Fazialisparese: Lähmung im Gesicht im Versorgungsgebiet des Nervus facialis. Die häufigste Form ist die sog. periphere Form. Sie führt zu einseitiger Lähmung mit herabhängendem Mundwinkel, unvollständigem Lidschluß, seltenem Lidschlag, Störungen der Mimik und Sensibilität der betroffenen Seite. Die Ursachen sind vielfältig und nicht immer zu klären, u.a. bei Luftzug, durch Virusinfektion, oder auch idiopathisch.


  • Febrile: Fieber; Erhöhung der Körperkerntemperatur auf = 38,0 °C aufgrund einer krankhaften Sollwertverstellung im Temperaturzentrum im Zwischenhirn


  • Fehlbildung: Embryopathie; Erkrankung der frühen Leibesfrucht bis zum 3. Schwangerschaftsmonat mit schweren Mißbildungen. Häufig betroffene Organe sind Herz, Augen, Ohren und Gehirn. Nicht selten sind Infektionen während der Gravidität die auslösende Ursache für die Embryopathie, z.B. die Röteln und die Toxoplasmose. Teratogen wirksam sind weiterhin harte Strahlung und gewisse Pharmaka. Bei letaler Embryopathie erfolgt ein Abort.


  • Feinmotorik: Die Fähigkeit, sehr feine Bewegungen, wie Schreiben, Öffnen von Knöpfen,... präzise und flüssig durchzuführen. Bei Störungen in den Stammganglien, z.B. bei Morbus Parkinson wirken diese Bewegungen ungeschickt.


  • Fenestration:
    1. Fensterungsoperationfenster(nischen)artige Gewebsausschneidung , z.B. als Zugangsbildung an ein Organ (äußere Fensterung, z.B. Caldwell-Luc-Operation als Kieferhöhleneröffnung) oder zur Bildung einer drainierenden oder druckentlastenden Verbindung zweier Hohlsysteme (innere Fensterung, z.B. als Läwen-Balkenfenster, Dandy-Ventrikulostomie), eventuell mit anschließender plastischer Deckung.
    2. Flavektomie, interlaminäre Fensterung ; Resektion des Ligamentum flavum zwischen benachbarten Wirbelbögen als Zugangsweg zum Epiduralraum bei der Behandlung von lateralen Bandscheibenvorfällen
    3. Eingriff bei der Behandlung von Parodontopathien
    4. unvollständige Knochenbedeckung der Zahnwurzel unterhalb des intakten Alveolarrands
    5. fensterartiges Ausschneiden eines Gipsverbandes (über einer Wunde, Fistel etc.) oder einer Gliedmaßenprothese (zur Gewichtsminderung)

  • Fetus: Die späte Leibesfrucht ab der 12. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt. Ab dem 3. Monat sind alle Organe bereits angelegt und die Körperform vollkommen entwickelt. Eine Schädigung während dieses Abschnitts der Gravidität kann keine schwerwiegende Mißbildung mehr hervorrufen, es kann aber zur Vergiftung oder zur Entwicklungsstörung, also zur Ausbildung einer Fetopathie kommen.


  • Fissur: anatomische Bezeichnung für eine Furche, Spalte oder Einschnitt in einem Organ; in der Neuroanatomie die Furchen des Gehirns (Gehirnfurche, Sulcus).


  • Fistel: Eine krankhafte Verbindung; Wir unterscheiden:
    1. innere Fisteln: bei Verbindung zweier Hohlorgane im Inneren des Körpers
    2. äußere Fisteln: bei widernatürlicher Verbindung eines Hohlorgans mit der Körperoberfläche.
    Die Fistel ist meist röhrenförmig und mit Granulationsgewebe ausgekleidet. Eine spontane Rückbildung ist möglich, Rezidive eher die Regel, daher ist der chirurgische Verschluß üblich.


  • Fokal: Brennpunkt; Er bezeichnet:
    1. den Bereich des Körpers (Herd), in dem eine Erkrankung, die auch Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben kann, am stärksten ausgeprägt ist (z.B. den Tumor, den Infektionsherd, das abgestorbene Gewebe)
    2. epilepsiebedingte Veränderungen bei der Messung der Gehirnströme (EEG), die nur in einem begrenzten Bezirk des Gehirns auftreten

  • Follikel: kleiner Hohlraum, der etwas einschließt.
    Beispiel: Graafscher Follikel, der nach dem Eisprung zum Gelbkörper wird


  • FSH: Abkürzung für follikelstimulierendes Hormon; Hormon, das im Drüsenteil der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird und die Reifung der Eifollikel in den Eierstöcken bewirkt. Beim Mann regt es die Spermienbildung an. Die Abgabe wird durch Hormone aus dem Hypothalamus gesteuert, dem übergeordneten Regulationszentrum des Hormonsystems im Gehirn.


  • FSME: Frühsommermeningoenzephalitis, von Zecken übertragene Entzündung von Gehirn und Gehirnhäuten, die meistens ohne Symptome bleibt. Bei voller Ausbildung des Krankheitsbildes liegt die Sterblichkeit bei 1%. Der Erreger ist ein Virus, eine Therapie gibt es nicht.



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G

  • Ganglion: Knoten, wobei je nach sprachlichem Kontext es sich hierbei um folgende Strukturen handeln kann:
    1. Nervenknoten, vorallem als Umschaltstellen des vegetativen Nervensystems, wie sie z.B. bei den sympathischen Ganglion des Grenzstranges zu finden sind
    2. als Verdickung im Verlauf der Hirnnerven, wie das Ganglion des Nervus trigeminus und Nervus facialis
    3. als gallertartiges 'Überbein' der Sehnen

  • Gangrän: Kommt es zum Absterben von Gewebe im lebenden Körper, wird dieses bevorzugt von Anaerobiern besiedelt. Das infizierte Gewebe wird schwarz und weist Fäulniszeichen wie mißfarbenes Aussehen und Fäulnisgeruch auf. Wegen der tödlichen Bakteriengifte aus dem brandigen Herd muß meist amputiert werden, um das Leben des Patienten zu retten.


  • Gendefekt: syn. Ein-Gen-Defekt; angeborene Krankheiten des Menschen, die meist auf geringfügigen Veränderungen eines einzigen Gens beruhen. Mittlerweile sind über 4000 Krankheiten als Gendefekte erkannt, z.B. die mit dem X-Chromosom übertragene Hämophilie A. Bei solchen Krankheiten spielt die Umwelt keine Rolle, das Risiko wird auf die Nachkommen weiter vererbt, Spontanmutationen kommen vor.


  • Genu valgum: X-Bein, X-Knie, Knickbein (Mehrzahl: Genua valga); Abbiegung der Beinachse vorwiegend im Bereich des Kniegelenks von der Körpermittellinie weg (nach außen offener Winkel zwischen Ober- und Unterschenkelachse). Oft in Verbindung mit Knickfußstellung. Im Stand mit geschlossenen Beinen berühren sich die Innenseiten der Kniegelenke, wogegen die inneren Knöchel, die sich im Normalfall ebenfalls berühren, einen unterschiedlich starken Abstand voneinander aufweisen.
    Ist physiologisch bei bis 6jährigen Kindern. Kommt vor z.B. als Belastungsdeformität bei Heranwachsenden, ferner infolge Unfalls, örtlicher, krankhafter Zerstörungen, Systemerkrankungen des Skeletts, selten als angeborene Fehlbildung (dann meist mit Patellaluxation). Führt zu Aneinanderreiben der Knie, Watschelgang, Überstreckbarkeit, Wackelknie, eventuell zu Reizerguß, bei Einseitigkeit zu Beckenschiefstand, Skoliose.


  • Gestation: Oberbegriff für den Zeitraum von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett


  • GFR: Abkürzung für glomeruläre Filtrationsrate; Das Volumen des Glomerulumfiltrats pro Zeiteinheit, d.h. der Anteil des Blutvolumens, der pro Zeiteinheit in der Niere gereinigt wird. Er beträgt beim Menschen ca. 125 ml / Min. oder 180 l / Tag. Die Bestimmung erfolgt indirekt anhand der Clearance von Substanzen, die uneingeschränkt filtriert, aber nicht rückresorbiert oder sezerniert werden, wie z.B. Kreatinin.


  • GGT: gamma-GT; Ein Enzym aus der Gruppe der Lebertransaminasen, das Glutamylreste auf Peptide überträgt. Normalwert: 4 - 28 U / l. Erhöhte Enzymaktivität bei Lebererkrankungen und Gallenwegserkrankungen. Empfindlichster Leberwert für den Nachweis einer alkoholtoxischen oder nutritiven Belastung der Leber. Bei Alkoholabstinenz kommt es zu einer schnellen Normaliserung der GGT.


  • GH: Abkürzung für growth hormone; Wachstumshormon


  • Glomerulus: Kapillarknäuel der Malpighi-Körperchen bzw. Nierenkörperchen in der Nierenrinde; in ihnen erfolgt die Bildung des Primärharns. Die einzelnen Kapillarschlingen sind vom inneren Blatt der Bowman-Kapsel überzogen; zuführendes und abführendes Gefäß werden als Vas afferens und efferens bezeichnet. Beide Nieren weisen ca. 2 Mio. Glomeruli auf, deren Filtrationsleistung bei 180 l / Tag liegt.


  • Glucocorticoide: Eine der drei Gruppen von Steroidhormonen, die in der Nebennierenrinde gebildet werden; dazu gehören: Cortisol, Cortison und Corticosteron.
    Wirkungen: u.a. Stimulation der Glukoneogenese mit vermehrtem Abbau des Körpereiweiß; Verminderung der eosinophilen, Granulozyten sowie Lymphozyten, was gleichbedeutend mit Immunsuppression und antiphlogistischer Wirkung ist.


  • Glukosurie: Erhöhte Ausscheidung von Glukose im Harn; die Ausscheidung von bis zu 70mg/24h ist physiologisch. Wenn der Blutzuckerspiegel den Wert 180 mg% und damit die 'Nierenschwelle' für Zucker überschreitet, wird Glukose im Harn mittels Teststreifen nachweisbar.
    Ursache: Diabetes mellitus, nach glukosereicher Mahlzeit, in der Schwangerschaft, medikamentös


  • Gonadotropine: Hormon, das die Reifung von Hoden bzw. Eierstöcken anregt und deren Hormonausschüttung fördert. Unter dem Begriff Gonadotropin werden drei Hormone zusammengefasst: das in der Schwangerschaft von der Plazenta gebildete HCG (humanes Choriongonadotropin), das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH). LH und FSH werden beide vom Drüsenteil der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und freigesetzt; sie werden auch zu den Sexualhormonen gezählt. Die Freisetzung von Gonadotropin wird von Hormonen des Hypothalamus (Hypothalamushormon) gesteuert.


  • Gonalgia: Schmerzen im Knie


  • Grand mal: Generalisierte epileptische Krampfanfälle, die sich in tonisch-klonischen Krämpfen manifestieren. Es kommt dabei zu einer starren Verkrampfung der Muskulatur (tonisch) und anschließend zu Zuckungen am ganzen Körper, d.i. der Klonus. Der Patient ist ohne Bewußtsein. Der Grand mal ist gegen den 'Petit mal' abzugrenzen, das ist eine örtlich begrenzte Krampfanfallform ohne Bewußtseinsverlust.


  • Granulationsgewebe: Lockeres, gefäßreiches Bindegewebe mit Fibroblasten, Lymphozyten, Plasmazellen und Makrophagen in wechselnder Anzahl, das der Abgrenzung untergegangener Gewebe und dem Ersatz von Gewebsdefekten dient. Die Granulation neugebildeter Kapillargefäße kann sichtbar gemacht werden: ein 8-10 Tage alter Blutschorf, der abreißt, blutet punktförmig.


  • Granulom: Knotenförmige Wucherungen bei verschiedenen chronischen Krankheiten wie Lepra, Tbc und Syphilis. Granulome entstehen durch eine spezifische Form der Entzündung, der granulomatösen Entzündung. Gebräuchlich ist der Begriff z.B. bei Granulomatöser Hepatitis bei Tbc oder bei der Lymphogranulomatose, die auch unter dem Beinamen Morbus Hodgkin bekannt ist.


  • Gynäkomastie:
    1. echte Brustvergrößerung, meist beidseitig, durch Östrogenabbaustörung bei Leberzirrhose, auch durch Antiandrogene z.B. bei Prostatakarzinom
    2. falsche Brustvergrößerung, dann einseitig, durch Geschwulst, z.B. durch ein Lipom verursacht
    3. falsche Fettbrust, beidseitig bei Adipositas



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H

  • Hämangiom: Eine gutartige Neubildung von Blutgefäßen, die sich als Geburtsmal in den ersten Monaten nach der Geburt entwickelt; wird auch als Blutschwamm oder 'Storchenbiß' bezeichnet. Der Tumor wird wie folgt beschrieben: flacher, scharf begrenzter, rötlich-blauer Knoten, der im 2. - 5. Lebensjahr i.d.R. eine spontane Rückbildung zeigt. Bei Persistenz ist die Exzision indiziert.


  • Hämarthrose: Bluterguß in einem Gelenk
    Ursachen:
    1. Koagulopathien, z.B. Hämophilie A
    2. Verletzungen
    Die Folgen sind Einschränkung der Gelenkfunktion bis zur Gelenkversteifung.


  • Hämatokrit: Abkürzung Hkt; Anteil der zellulären Bestandteile am Blutvolumen. Er wird zu 98% durch die Anzahl der roten Blutkörperchen bestimmt und in sog. Volumen % angegeben. Je höher der Hkt ist, desto 'dickflüssiger' oder visköser ist das Blut. Normbereich: Mann 43-49%, Frau 36-45%. Erniedrigtes Hämatokrit sieht man bei hypochromer Anämie, erhöhtes Hämatokrit bei der Polyglobulie.


  • Hämaturie: syn. Erythrozyturie; Pathologische Ausscheidung von Erythrozyten im Harn. Durch mehr oder weniger starke Entzündungsvorgänge oder durch Arrosion bei Tumorwachstum erscheinen Erys im Harn und führen zu Makro- und Mikrohämaturie.
    Ursache: Nieren-, Blasentumoren, Urolithiasis, Blasensteine, hämorrhagische Zystitis, Glomerulonephritis, Harnwegsinfekte


  • Hämoglobin: Abkürzung Hb; In Erythrozyten enthaltener roter Blutfarbstoff, der den O2-Transport im Blut ermöglicht. Die Hämoglobin-Synthese bedarf genügender Eisenspiegel, blutbildender Vitamine und ausreichender Proteinversorgung. Ein Hb-Molekül besteht aus vier Peptidketten, auch als Globin-Anteil bezeichnet; dieser trägt wiederum je einen HämAnteil. Der Normalwert beträgt 12 - 18 g% im Blut. Es gibt diverse Varianten (HbA2, HbF).


  • Hämolyse: Auflösung bzw. Abbau der Erythrozyten unter Austritt von Hämoglobin:
    1. physiologisch: durch mechanische Beanspruchung intravasal nach ca. 120 Tagen, erfolgt als sog. Blutmauserung in der Milz
    2. gesteigert: bei verkürzter Erythrozytenlebensdauer; wenn die Kompensationsmöglichkeit des Knochenmarks überschritten wird. Die Folge ist die hämolytische Anämie.

  • Hammerzehe: Arthrose des Großzehengrundgelenks, die meist einseitig ist und eine Bewegungseinschränkung zur Folge hat. Belastungsschmerz, vorallem beim Gehen, so daß das Abrollen auf die Außenkante des Fußes verlagert wird. Das Gelenk ist oft druckempfindlich und verdickt. Zehenspitzenstand und Abrollen sind schmerzhaft.


  • Hautikterus: Die Gelbverfärbung der Haut, welche ab einem Bilirubinspiegel von ca. 3 mg% beobachtet werden kann. Der Spiegel kann bei schweren Fällen, z.B. bei einem kompletten Verschluß des Ductus choledochus, auch 10 mg% erreichen; dann ist der Patient allerdings auch quittengelb.


  • HCG: Abkürzung für human chorion gonadotropin, choriongonadotropin; Hormon, das während einer Schwangerschaft vom Mutterkuchen (Plazenta) gebildet wird und für die Erhaltung der Schwangerschaft verantwortlich ist. Sein Auftreten in Urin und Blut dient dem Nachweis einer Schwangerschaft (Schwangerschaftstest). Sinkt die Choriongonadotropinkonzentration während der Schwangerschaft ab, kann dies ein Hinweis auf eine drohende Frühgeburt oder das Absterben des Embryos sein. Hohe Choriongonadotropinwerte findet man bei Mehrlingsschwangerschaften oder einer Blasenmole. Steigt das Choriongonadotropin nach der Entbindung wieder an, besteht der Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Eihäute (Trophoblastenerkrankungen). Auch bei Keimzelltumoren am Eierstock kommt es zu erhöhten Werten.


  • Helix:
    1. Anatomie: äußerer Rand der Ohrmuschel
    2. Biochemie: schraubenförmige Anordnung der Aminosäurekette in einem Eiweißmolekül (Sekundärstruktur); Bei der Desoxyribonukleinsäure (DNA) liegt eine Doppelhelix vor; die Struktur des Moleküls gleicht einer "Strickleiter", deren Stränge sich spiralig umeinander winden.

  • Hemiplegie: Halbseitenlähmung bei Zerstörung von Anteilen der Hirnrinde oder im Gehirn gelegener Leitungsbahnen, die für die Willkürmotorizuständig sind. Die Hemiplegie tritt an der Körperhälfte auf, die der beschädigten Großhirnhälfte gegenüber liegt, was man als kontralateral bezeichnet. Liegt nur eine Schwäche der Muskulatur einer Körperhälfte vor, spricht man von einer Hemiparese.


  • Heparin: Die Blutgerinnung hemmender und die Fibrinolyse fördernder körpereigener Wirkstoff, der in Mastzellen vorkommt. Als synthetisch hergestellter Arzneistoff wird er zur postoperativen Thromboseprophylaxe vorallem nach OP's im kleinen Becken eingesetzt. Heparin hat einen schnellen Wirkungseintritt, dafür aber eine kurze Wirkungsdauer und muß mehrmals täglich subcutan injiziert werden.


  • Hepatomegalie: die palpierbare Vergrößerung der Leber. Bei Rechtsherzschwäche, Leberentzündung, Krankheiten mit Ablagerung von Stoffwechselprodukten in den Leberzellen wie z.B. bei Amyloidose und Eisenspeicherkrankheit. Eine Hepatomegalie wird am liegenden Patienten bei tiefer Inspiration unter dem Rippenbogen getastet.


  • Hereditär: beschreibt das gehäufte Auftreten einer Krankheit oder eines Merkmals innerhalb einer blutsverwandten Familie. Dabei sind hereditäre Merkmale solche, die nur durch Vererbung von einer Generation auf die nachfolgende weitergegeben werden.


  • Hernia: Bruch; Heraustreten von Baucheingeweiden und Bauchfell aus dem Bauchraum durch eine Muskellücke. Je nach betroffenen Muskeln unterscheidet man Leistenhernia, Beckenbodenhernia, Bauchmuskelhernia oder Nabelhernia. Bei jede Hernie besteht die Gefahr der Inkarzerierung mit Ausbildung einer Darmgangrän durch Abschnürung der Blutversorgung einer eingeklemmten Darmschlinge.


  • Hernia diaphragmatica: Zwerchfellhernie, Zwerchfellbruch; Bruch, d.h. Vorwölbungen des Bauchfells als Bruchsack in den Pleuraraum mit Inhalt von Baucheingeweiden oder Netz, an Lücken zwischen Zwerchfellursprüngen sowie an Durchtrittsstellen von Nerven, Gefäßen und Speiseröhre. Bei manchen Zwerchfellhernien besteht Gefahr der Einklemmung.
    Man unterscheidet:
    • kostovertebrale Hernien (Bochdalek-Hernie) am Trigonum lumbocostale
    • sternokostale Hernien (Morgagni-Hernie bzw. Larrey-Hernie)
    • Hiatushernien: bei diesen treten die Kardia und oft auch mehr oder weniger große Anteile des Magens durch den Hiatus oesophageus in das hintere Mediastinum und damit in den Brustraum über. Hauptformen der Hiatushernie sind Gleithernie und paraösophageale Hernie.

  • Heterozygot: Eine genetische Eigenschaft, die den Zustand eines Erbmerkmals beschreibt. Da der Mensch seinen Erbschatz in doppelter Ausführung als diploiden Satz besitzt, ist jedes Gen doppelt vorhanden, als sog. Allelpaar. Ist das Paar nun verschieden, liegen also zwei ungleiche Allele vor, wird dies als Heterozygotie bezeichnet, die Ausprägung dieses Merkmals fällt i.d.R. schwächer aus als bei Homozygotie.


  • HHL: Abkürzung für Hypophysenhinterlappen, der hintere Teil der Hypophyse, welcher über Nervenfasern mit dem Hypothalamus in Verbindung steht; sog. Neurohypophyse. Die im Hypothalamus gebildeten Hormone Oxytocin und ADH werden hier gespeichert bzw. unmittelbar ins Blut abgegeben.


  • Hirsutismus: Vermehrung der Behaarung vom männlichen Verteilungstyp bei Frauen, die insbesondere im Gesicht auffällig sein kann, aber auch an der übrigen Körperbehaarung auftritt.
    Ursache: idiopathisch (90%), seltener als Zeichen verstärkter Androgenwirkung durch hormonaktive Tumoren.


  • Histamin: Ein vorallem in den Blutmastzellen gebildeter Entzündungsmediator, der sehr starke Wirkung auf Kapillargefäße hat: Gefäßerweiterung und Zunahme der Gefäßdurchläßigkeit. Die typische klinische Auswirkung des Stoffes ist die Quaddel. Darüberhinaus bewirkt Histamin eine Kontraktion von Bronchien und Darm und stimuliert die HCl-Produktion. Histamin ist als Allergievermittler an vielen Krankheiten beteiligt.


  • Histologisch: Allgemein die Lehre von den Geweben und vom Zellaufbau des Organismus. I.e.S. ist damit die Anfertigung und mikroskopische Beurteilung von Gewebeschnitten durch den Pathologen gemeint. Hiermit lassen sich unsichere Verdachtsdiagnosen meist endgültig absichern, z.B. klärt man die Frage, ob eine Geschwulst maligne ist oder nicht, durch eine histologisch-pathologische Untersuchung.


  • Hodendescensus: Hodenabstieg


  • Homozygot: Eine genetische Eigenschaft, die den Zustand eines Erbmerkmals beschreibt. Da der Mensch seinen Erbschatz in doppelter Ausführung als diploiden Satz besitzt, ist jedes Gen doppelt vorhanden, als sog. Allelpaar. Ist das Paar völlig identisch, liegen also zwei gleiche Allele vor, wird dies als Homozygotie bezeichnet, die Ausprägung dieses Merkmals fällt i.d.R. wesentlich stärker aus als bei Heterozygotie.


  • Humoral: ein etwas unscharfer Begriff, der 2 Bedeutungen haben kann:
    1. die Hormone betreffend
    2. man spricht von humoraler Immunität und bezeichnet damit die im Blutserum gelösten Wirkstoffe des Immunsystems, wie z.B. die Immunglobuline und antibakterielle Stoffe wie Lysozym

  • Hydramnion: seltenes Krankheitsbild mit vermehrter Bildung von Fruchtwasser während der Schwangerschaft (>2000 ml)
    Ursache: In 25-30 % liegt eine Fehlbildung des Kindes vor. Am häufigsten sind Fehlbildungen am Zentralnervensystem (z.B. offener Rücken oder fehlende Anlage des Gehirns) oder im Bereich von Speiseröhre und Zwölffingerdarm. Außerdem kann ein Hydramnios bei einer Blutgruppen-Unverträglichkeit oder Zuckerkrankheit der Mutter auftreten.


  • Hydronephrose: Harnstauungsniere; eine irreversible Erweiterung des Nierenbeckens und der Nierenkelche, die zu einer Druckatrophie des Parenchyms geführt haben.
    Ursache: Harnabflußstörungen mit Rückstau in das Nierenbecken durch angeborene Ureterstenose oder erworben durch Urolithiasis und urologische Tumoren. Schwerwiegendste Folge ist die Hypertonie.


  • Hydrops: Die stets pathologische Ansammlung von Flüssigkeit in den verschiedenen Körperhöhlen oder seltener im Zwischengewebsraum. Der Gebrauch des Begriffs ist nur für einige Körperteile üblich, wie z.B. Hydrops der Gallenblase, Hydrops der Tuba auditiva Zellhydrops


  • Hydrozephalus: Die angeborene oder erworbene Ausweitung der Liquorräume des Gehirns. Die Ursache für die immense Ausweitung der Hirnkammern liegt z.B. in einer entzündungsbedingten Verminderung der Liquorrückresorption, wie dies bei der Toxoplasmose und der Zytomegalie vorkommt. Der Wasserkopf stellt ein ernstes Geburtshindernis dar. Die Folgen nach der Geburt sind neurologische Ausfälle und Demenz.


  • Hypästhesie: Herabgesetzte Berührungsempfindlichkeit; gehört zu den Sensibilitätsstörungen, wird durch Sensibilitätsprüfung nachgewiesen und kommt bei Polyneuropathie und Bandscheibenprolaps vor.


  • Hypalbuminämie: Verminderter Albumingehalt des Blutes durch Leberinsuffizienz oder Verluste bei NS; wird der Normalwert für Albumin von 3,6 - 5,0 g% unterschritten, kommt es zu mehreren klinischen Symptomen:
    1. Ödembildung durch verminderten onkotischen Druck
    2. Verarmung des Organismus an Vitaminen und Spurenelementen durch verminderte Transportkapazität (z.B. Transferrin)

  • Hyperämie: Blutfülle im Gewebe, i.d.R. durch Weitstellung der Gefäße, ausnahmsweise auch mal durch eine Vermehrung des Blutzellvolumens bzw. des Hämatokrits, wie dies bei einer Polyzythämia vera auftreten kann. Eine hyperämische Wirkung auf Blutgefäße haben gefäßerweiternde Substanzen wie z.B. Nikotinsäure, aber auch Kälte- und Wärmereize, wie sie z.B. bei einer Kneipp- und Saunatherapie wirksam sind.


  • Hyperbilirubinämie: Erhöhter Bilirubingehalt im Blut (> 1.0 mg%)
    Ursachen: erhöhte Produktion (gesteigerter Häm-Abbau), verminderte Konjugation mit Glukuronsäure in Leberzellen, gestörter Transport in der Leber oder verminderte Ausscheidung in die Gallengänge bzw. Darm
    Symptome: Abgeschlagenheit, Ikterus


  • Hypercholesterinämie: Die Erhöhung der Fettstoffe im Blut auf der Grundlage einer polygenetischen Veranlagung, die stets mit einer erhöhten Zufuhr von Nahrungsfett und/oder Nahrungskalorien verbunden ist. Anstieg der Triglyzeride und des Cholesterins bis 400 mg%, bei chronischem Bestehen einer der wirksamsten Risikofaktoren der Arteriosklerose.


  • Hyperglykämie: Gehalt des Blutserums an Glukose > 120 mg%. Die Regulierung des Blutzuckerspiegels steht unter der Kontrolle des Insulins, welches den Glukosegehalt senkt, und seiner wichtigsten Antagonisten, Adrenalin und Kortison, die blutzuckersteigernd wirken. Bei Überschreiten der Nierenschwelle von 180 mg% wird überschüssiger Zucker abgeschöpft. Hyperglykämie zeigt sich bei Diabetes mellitus, Morbus Cushing und Morbus Basedow.


  • Hyperphosphatämia: der erhöhte Gehalt des Blutserums an anorganischen Phosphaten (> 2,6 mval/l); vorallem bei Hypoparathyreoidismus


  • Hyperreflexie: Gesteigerte Erregbarkeit der Muskeleigenreflexe bei Schädigungen der Pyramidenbahn, meist mit Spastik verbunden.
    Vorkommen: im subakuten Stadium des Querschnittssyndroms


  • Hypertelorismus: überweiter Abstand zwischen 2 Organen, i.e.S. der der Augen (= okulärer Hypertelorismus; z.B. - infolge bds. Keilbeinfehlbildung - beim CROUZON*, APERT*, GREIG*, HMC-Syndrom).


  • Hyperthermie: Überwärmung; Temperaturen über 50 °C führen in den Zellen zur Zerstörung des molekularen Aufbaus u.a. durch Proteindenaturierung. Die Folge ist eine Koagulationsnekrose. Dabei werden Hitzeschockproteine freigesetzt, die die Bindung von körpereigenen Enzymen an Rezeptoren stören können. Dieser Pathomechanismus spielt bei der Ausbildung des Schocks bei Verbrennungen höheren Grades eine wichtige Rolle.


  • Hyperthyreose: Schilddrüsenüberfunktion mit vermehrter Abgabe von T3 und T4, den Schilddrüsenhormonen. Nicht mit dem Jodmangelkropf zu verwechseln, der eine Anpassungshyperplasie darstellt.
    Ursache: Autonomes SD-Adenom, Dauerreizung durch pathologische Immunglobuline bei Morbus Basedow
    Klinik: Hitzeunverträglichkeit durch erhöhten Grundumsatz, Tachykardie, Nervosität


  • Hypertrichose: die Vermehrung der Körperbehaarung ohne Beteiligung der Sexualbehaarung


  • Hypertrophie: Vergrößerung von Geweben und Organen, die vorher normal entwickelt waren, durch die Vergrößerung des Volumens der einzelnen Zellen. Die Ursache für Hypertrophie ist i.d.R. der Versuch zur Adaption an einen Mehrbedarf an Leistung.
    Beispiel: Herzvergrößerung bei Hypertonie oder als Sportlerherz durch Training
    Eine Gewebevermehrung ist ebenso durch Hyperplasie möglich, das Gegenteil von Hypertrophie heißt Atrophie.


  • Hypoglykämie: Unterzuckerung, führt beim Gesunden meist erst unterhalb von 50 mg% zu Symptomen: Kaltschweißigkeit, Zittern, Nervosität, Schwindelgefühl, Heißhunger. Bei Diabetikern können schon Blutzuckerwerte zwischen 100 und 50 mg% die Symptome einer Hypoglykämie hervorrufen. Bei schwerer Hypogläkymie besteht die Gefahr eines hypoglykämischen Komas, das bei Häufung bleibende Hirnschäden hinterläßt und unbehandelt letal enden kann.


  • Hypophysär: Die Hypophyse betreffend, von ihr ausgehend; die Hirnanhangsdrüse ist ein an der Hirnbasis gelegenes endokrines Organ, dessen Hormone im Vorder- und Hinterlappen gebildet werden. Am bekanntesten sind TSH, STH, ACTH, LH und FSH des Vorderlappens und das zwar im Hypothalamus gebildete, aber in der Neurohypophyse freigesetzte Antidiuretische Hormon (ADH).


  • Hypoplasie: anlagebedingte unvollkommene Ausbildung von Organen oder Organteilen


  • Hypospadias: angeborene Fehlmündung der Harnröhre an der Unterseite des männlichen Gliedes bzw. im vorderen Scheidengewölbe (oft kombiniert mit Klitorishypoplasie; stets mit Harninkontinenz) bei gleichzeitiger Nichtausbildung der Harnröhrenlichtung jenseits der Fehlmündung.
    Beim männlichen Geschlecht mit dorsalkonvexer (eventuell kohabitationshindernder) Krümmung des - meist unterentwickelten - Penis durch innere Stränge (Chorda) und mit schürzenförmig herabhängender Vorhaut bei intaktem Harnblasenschluß (Kontinenz), oft kombiniert mit Hodenfehllage (Kryptorchismus), angeborenem Leistenbruch, eventuell auch Afterfehlbildung (Atresia ani, recti); eventuell fließender Übergang zum Pseudohermaphroditismus.
    Die äußere Harnröhrenöffnung befindet sich:
    • an der Unterseite der Eichel (glanduläre Hypospadie)
    • an der Unterseite der Kranzfurche (koronare Hypospadie)
    • an der Unterseite des - gekrümmten - Gliedschaftes (penile Hypospadie) : die Mündung eventuell rinnenförmig; ferner Schwellkörper-Defekt
    • am Schaft-Hodensack-Übergang (penoskrotale Hypospadie) : Penis stark verkürzt, oft „versteckt" in der Rinne des zweigeteilten Hodensackes: „Verge englissée"
    • am Damm (perineale Hypospadie)
    • im - gespaltenen - Hodensack (skrotale Hypospadie)

  • Hypothalamus: der unter dem Thalamus liegende Teil des Zwischenhirns ist einerseits der Sitz mehrerer vegetativer Regulationszentren und andererseits die Schnittstelle zur Hypophyse, dem übergeordneten Steuersystem aller Hormondrüsen.


  • Hypothenar: der von Kleinfingermuskeln gebildete Kleinfingerballen als verstellbares Greifpolster und als Schutzpolster für die örtlichen Blutgefäße und den Nervus ulnaris.


  • Hypotonie:
    1. erniedrigter Blutdruck primär durch orthostatische Kreislaufregulationsstörung, sekundär bei Blutverlust, gewissen Vitien und postinfektiös. Die Klinik der Hypotonie umfaßt Blässe, Schwäche, Vertigose und Synkopen
    2. verminderte Muskelspannung
    3. erniedrigter Druck im Augapfel, weiche Bulbi z.B. bei diabetischem Koma

  • Hypsarrhytmie: schwer pathologisch verändertes EEG-Wellenmuster des Säuglings- und Kleinkindalters; Typisch ist eine bereits in Ruhe auftretende oder durch Schlaf provozierte hochamplitudige, generalisierte und völlig unregelmäßige langsame EEG-Aktivität.



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I

  • ICR: Abkürzung für den Interkostalraum; der Raum zwischen zwei übereinanderliegenden Rippen. Hier verlaufen die Interkostalarterien, hier breitet sich die Interkostalneuralgie bei Herpes zoster aus. Bei der Bestimmung der Auskultationsorte der Herzgeräusche orientiert man sich an den Interkostalräumen.


  • Idiopathisch: Eine Krankheit, die selbständig, d.h. ohne erkennbare Ursache entstanden ist. Im medizinischen Sprachgebrauch ist hierfür zum Teil auch primär und essentiell gebräuchlich.


  • Ikterus: Gelbsucht; durch Abbau- oder Ausscheidungsstörung des orange-gelben Bilirubins bedingt, setzt ab einem Blutspiegel oberhalb von 2 mg% eine Gelbverfärbung der Haut, insbesondere aber der Bindehaut des Auges ein, da diese den Farbstoff besonders stark bindet. Diese Erscheiungsform nennt man Bindehautgelbsucht.


  • Immundefizienz: Unzureichende Antwort der Immunabwehr bei Eindringen von Infektionserregern, auch die unzureichende Vernichtung von Tumorzellen. Bei diesem Zustand kann es zur Häufung von Virusinfekten, Pilzinfektionen und seltenen Tumoren kommen. Heute spielen AIDS und Zytostase bzw. Radiatio die wichtigste Rolle als Auslöser einer Immundefizienz.


  • Immunglobuline: Abkürzung Ig; Eine der Proteinklassen der Serumeiweiße, die von der Gesamtheit der Antikörper des Blutes gebildet werden. Da sie in der Elektrophorese am Ende der Wanderungsstrecke liegen, werden sie auch gamma-Globuline genannt. Diese Eiweißfraktion wird ihrerseits in die Klassen A - E aufgeteilt. IgE z.B. ist bei allergischen Prozessen erhöht. Nach einer Infektion verbleibende IgG sorgen für Immunität.


  • Imperforatus: ohne Öffnung


  • Infraklavikulär: unterhalb des Schlüsselbeins


  • Inguinal: In der Leiste bzw. der Leistengegend gelegen; die Leiste betreffend. Die Untersuchung der Leiste kann z.B. nicht selten ein Lymphom an dieser Stelle aufdecken, das entzündlicher oder maligner Genese sein kann. Bei entsprechender Technik kann hier die Leistenhernie palpiert werden.


  • Insomnia: Schlaflosigkeit; wird aufgeteilt in:
    1. Einschlafstörung, z.B. bei Depression, Stress und 'Sorgen'; auch organisch bedingt durch Amphetaminabusus oder bei Hyperthyreose.
    2. Durchschlafstörung, meist im Senium als Ausdruck der physiologischen Verminderung des Melatonins, aber auch sekundär infolge von Nykturie und Asthma kardiale.
    Für eine gewisse Zeit sind Hypnotika indiziert.


  • Interdigitalräume: eine Bezeichnung für den Raum zwischen den Fingern und Zehen, in dem die für Pilzwachstum günstigen Verhältnisse der Feuchten Kammer herrschen.


  • Intubation: Legen eines Kunststoffschlauchs oder Kunststoffrohres von Mund oder Nase aus durch den Rachen in die Luftröhre, entweder zur Überbrückung eines Verschlusses des Kehlkopfes (z.B. bei Wespengiftallergie und Ausbildung eines Epiglottisödems), oder zur künstlichen Beatmung (Narkosen, Atemstillstand bei Intoxikation durch atemdepressive Gifte). Die Intubation erfordert Erfahrung mit dem Laryngoskop.


  • Ischämie: Blutleere oder Minderdurchblutung; Durchblutungsstörung eines Gewebes durch fehlende oder unzureichende arterielle Blutzufuhr, die durch die entstehende Hypoxie aufgrund der verminderten O2-Zufuhr zur Nekrose führt. Klinisch treten die Zeichen eines Infarkts auf: Blässe und Schmerzen.


  • Isogen: von genetisch identischen Individuen stammend


  • Isthmus: Engpass, schmale Verbindung
    Beispiel:
    • Isthmus aortae: physiologische Engstelle der Aorta am Übergang von Aortenbogen in die Brustaorta
    • Isthmus faucium (Schlundenge, Rachenenge): Gaumen
    • Isthmus glandulae thyroideae: Gewebsbrücke zwischen den beiden Lappen der Schilddrüse
    • Isthmus prostatae: Mittelteil der Prostata in Harnröhrennähe
    • Isthmus uteri: Gebärmutter

  • ITP: idiopathische Thrombozytopenie



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J

  • Juxta: „dicht daneben“, „nahe bei“



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K

  • Kalzitonin: In der Schilddrüse und in der Nebenschilddrüse gebildetes Hormon. Die Ausschüttung erfolgt abhängig vom Kalziumspiegel des Blutes. Es hat eine senkende Wirkung auf den Kalzium- und Phosphatspiegel. Der Angriffspunkt beim Erwachsenen ist der Knochen, wo es die Kalziumfreisetzung senkt. An der Niere bewirkt Kalzitonin darüberhinaus eine erhöhte Ausscheidung von Kalzium.


  • Kanzerogene: Eine Krebsgeschwulst erzeugender Stoff oder physikalischer Auslöser, die Entartung von Zellen auslösend:
    1. chemisch: Zigarettenrauch, Nitrosamine
    2. natürlich: Aflatoxine im Schimmel
    3. physikalisch: radioaktive Strahlung, Röntgenstrahlung, Anteile des UV-Lichts

  • Kapillaren: die feinsten Blutgefäße im Kreislaufsystem, zwischen Arteriolen und Venulen geschaltet, im Durchmesser etwa erythrozytengroß. Die Gesamtheit der Kapillaren wird als Kapillarbett bezeichnet. Hier hat sich der Austreibungsdruck des linken Ventrikels weitgehend erschöpft und das Blut fließt nur noch langsam durch die Kapillaren, was in dem muskelfreien Gefäß den Stoff- und Gasaustausch ermöglicht.


  • Kardial: zum Herzen gehörend, das Herz betreffende Eigenschaft


  • Kardinalsymptome der Entzündung: Bei jeder Entzündung auftretende Zeichen:
    • Rubor: Rötung
    • Calor: Überwärmung
    • Tumor: Schwellung
    • Dolor: Schmerz
    Diese Zeichen werden durch sog. Entzündungsmediatoren hervorgerufen, wobei Histamin und Prostaglandin die Hauptrolle spielen. NSAR können die Kardinalsymptome der Entzündung bei Bedarf aufheben.


  • Kariös: von Karies befallen (auf Knochen- oder Zahngewebe bezogen)


  • Karyotyp: Gesamtheit der in den Zellen einer Art enthaltenen Chromosomen; die geordnete Darstellung ist das Karyogramm.

  • Katarakt: grauer Star; alle Formen des Durchsichtigkeitsverlustes der Augenlinse oder ihrer Kapsel


  • Katheterisierung: das Einführen eines Katheters in ein Hohlorgan zu diagnostischen oder Behandlungszwecken
    Beispiel: Herz- bzw. Blasen-Katheterisierung.


  • Kaudal: Schwanz- bzw. steißwärts; anatomische Richtungsbezeichnung; gebräuchlich an Hals und Rumpf.


  • Kausale Therapie: Maßnahme(n) zur Besserung oder Heilung einer Krankheit, die bei bekannter Ätiologie gezielt deren Ursachen oder deren auslösende Faktoren beseitigt oder dieses versucht. Beispielsweise wird bei Eisenmangelanämie ein Eisenpräparat verordnet. Dieses Prinzip bezieht sich nicht nur auf Medikamente, sondern kann auch Ernährung, Umwelteinflüsse u.a. umfassen.


  • Kauterisation: Verödung von Gewebe durch die Einwirkung von Hitze, z.B. durch Laserstrahlen oder elektrische Aufheizung. Die Kauterisation findet aufgrund ihrer hohen Präzision vorallem in der Augenheilkunde und in der Abtragung bestimmter Warzen Anwendung. Gestielte Papillome und Polypen, wie sie in der Harnröhre oder im Darm vorkommen, werden mit der Elektroschlinge gekappt, wobei die gleichzeitige Blutstillung von Nutzen ist.


  • Keratoplastik: Hornhauttransplantation; totaler oder teilweiser operativer Ersatz der Hornhaut des Auges zur Besserung oder Wiederherstellung des Sehvermögens. Kommt zum Einsatz bei Hornhauttrübung oder Hornhautnarbe (optische oder refraktive Keratoplastik) oder zur Defektdeckung (tektonische Keratoplastik) z.B. bei Keratokonuskorrektur. Der Hornhautersatz erfolgt in ganzer Dicke oder schichtbegrenzt (penetrierende bzw. lamelläre (superfizielle) Keratoplastik). Verwendet werden allogenetische Transplantate (vom enukleierten Auge oder Leichenauge) oder Kunststoffe (Keratoprothese, z.B. Cardona-Brücke).


  • Ketoazidose: Die Übersäuerung des Blutes infolge der Vermehrung von Ketonkörpern. Diese sind eine Folge des Fettabbaus bei entgleistem Diabetes mellitus. Bei längerfristigem Bestand dieser Veränderung des Blutes kann dies durch das Gehirn nicht toleriert werden; es bildet sehr bald das hyperglykämische Koma diabetikum aus, das durch tiefe Bewußtlosigkeit mit vertiefter Atmung gekennzeichnet ist.


  • Klappeninsuffizienz: Schlußunfähigkeit von Venenklappen; Venenklappen haben die Aufgabe, den Rückstrom des venösen Blutes zum Herzen zu unterstützen. Durch Überforderung dieses Systems infolge von Stehberufen, Gravidität, usw. werden die Klappen ausgeweitet und schlußunfähig. In der Folge kommt es zur venösen Insuffizienz und die Ausbildung von Krampfadern läßt nicht lange auf sich warten.


  • Klappenstenose: Die Verengung einer Herzklappe; am häufigsten betroffen sind die Klappen des linken Herzens: Mitralklappe und Aortenklappe. Die Folgen sind vielfältig:
    1. Rückstau nach hinten mit Überdehnung und Stauung im Herzen, durchgestaut bis in den Körper- oder Lungenkreislauf
    2. Entwicklung von Herzgeräuschen

  • Klinodaktylie: skelettbedingte seitlich-winklige Abknickung eines Fingerglieds (= Klinophalangie; und zwar als Klinobaso-, Klinomeso- bzw. Klinotelephalangie [Abweichung im Grund-, Mittel- bzw. Endgelenk]) bzw. eines Fingers (= Digitus varus, valgus); als Klinomikrodaktylie mit Fingerverkürzung (Brachydaktylie). Meistens angeboren.


  • Koarktation: die Lichtungseinengung (bis Verschluß) durch Kompression oder Striktur


  • Koloskopie: Untersuchung des Dickdarms mittels eines schlauchförmigen Endoskops, das vom After aus vorgeschoben wird. Es enthält eine Kamera, die die Bilder aus dem Dickdarm auf einen Bildschirm überträgt. Außerdem können durch das Endoskop Instrumente eingeführt werden, die die Abtragung von kleinen Schleimhautpolypen und die Entnahme von Gewebeproben ermöglichen.


  • Kolumella: erstes Gehörknöchelchen im Mittelohr der Tetrapoda; Es entsteht aus dem Hyomandibulare und wird bei den Säugetieren zum Stapes (Steigbügel).


  • Kongenital: angeboren, von Geburt an bestehend; Mit dem Begriff werden Schädigungen, Krankheiten oder Fehlbildungen charakterisiert, die entweder genetisch bedingt (vererbt oder durch eine spontane Mutation verursacht) oder während der Entwicklung in der Schwangerschaft bis zur Geburt entstanden sind (Fruchtschädigung).


  • Konjunktiva: Bindehaut


  • Konsanguinität: Blutsverwandtschaft; Abstammung von gemeinsamen Vorfahren. Zwischen Eltern und Kindern bzw. zwischen Geschwistern herrscht eine Blutsverwantschaft 1. Grades, zwischen Onkeln/Tanten und Neffen/Nichten eine 2. Grades und zwischen Cousins und Cousinen eine Blutverwantschaft 3. Grades. Personen stimmen mit umso größerer Wahrscheinlichkeit in vielen Erbfaktoren überein, je höher der Verwandtschaftsgrad ist. Verwandte Personen zeigen entsprechend hohe Übereinstimmung in den immunologischen Eigenschaften ihrer Gewebe, was von Vorteil bei Bluttransfusionen oder Organtransplantationen ist, da die Gefahr von Blutgruppenunverträglichkeiten oder Transplantatabstoßung geringer ist. Gleichzeitig ist jedoch auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass gleiche, von gemeinsamen Vorfahren ererbte Krankheitsanlagen bei Blutsverwandten zusammentreffen, was bei Inzucht zum Ausbrechen dieser Krankheit führen kann.


  • Kontrakturen: Bei über lange Zeit bettlägerigen Patienten auftretende Zwangsbeugehaltung von Armen und Beinen in Embryonalhaltung. Ursache ist das Überwiegen der kräftigeren Beugemuskulatur über die relativ schwächeren Streckmuskeln bei mangelhafter Bewegung. In der Folge kommt es zur eingeschränkten aktiven und passiven Beweglichkeit von Armen und Beinen. Dermatogene Kontrakturen treten durch Verbrennungsnarben auf.


  • Kontralateral: auf der gegenüberliegenden Seite


  • Kornea: Hornhaut (des Auges). Hornhaut, Linse und Glaskörper sind die völlig durchsichtigen Gewebe des Auges.


  • Kornealreflex: Blinzelreflex; bei Reizung der Kornea mit einem Wattebausch, z.B. einem Q-Tip, erfolgt reflexhaft der Lidschluß bzw. starkes Blinzeln. Dient zur Überprüfung des Nervus trigeminus, der den Berührungsreiz weiterleitet und des Nervus facialis, der den Lidschluß bewirkt. Der Kornealreflex gehört zu den Fremdreflexen, die im Koma oder während der Narkose als letzte verlöschen und damit zuverlässig die Komatiefe widerspiegeln.


  • Koronal: die Zahnkrone (Corona dentis) bzw. die Kranznaht (Sutura coronalis) betreffend


  • Koronarien: Die arteriellen Kranzgefäße des Herzens, die der Versorgung des Herzmuskels mit Blut dienen. Die Leistung der Pumpe Herz wird fast ausschließlich über die Höhe der Koronarversorgung gesteuert. Sind die Koronarien unter dem Einfluß von Adrenalin weit offen, dann schlägt das Herz automatisch schneller und kräftiger, was einem Druck auf das Gaspedal entspricht. Man unterscheidet die A. coronaria dexter et sinister.


  • Kortikal: die Rinde (Cortex) eines Organs, i.e.S. die Hirnrinde (Kortex) betreffend bzw. darin gelegen


  • Kortikosteroide: Die von der Nebennierenrinde gebildeten Steroidhormone, zu denen Kortison und Aldosteron gehören. Kortison hat vorallem streßbewältigende Eigenschaften, wirkt antiphlogistisch und blutzuckererhöhend. Als Arzneistoff wird er wegen seiner antiphlogistischen Eigenschaften oder bei Ausfall der Nebennierenrindenfunktion bei einem Morbus Addison eingesetzt.


  • Kranial: zum Kopf gehörend oder als Richtungsbezeichnung für kopfwärts, zum Schädel hin liegend


  • Kraniosynostosis: der zu Schädelfehlbildung (Dyszephalie, Kraniostenose) führende vorzeitige Verschluß der Schädelnähte

  • Kranium: Kopfskelett, das auf der Wirbelsäule sitzt; Der Schädel wird in zwei Knochengruppen gegliedert, den Hirnschädel (Neurocranium) und den Gesichtsschädel (Viscerocranium). Zum Hirnschädel zählen das Stirnbein, das paarige Scheitelbein, das paarige Schläfenbein, das Hinterhauptsbein, das Keilbein und das Siebbein. Die acht Knochen des Hirnschädels umschließen die längsovale Schädelhöhle, die das Gehirn enthält. Dieses ruht auf der knöchernen Schädelbasis und wird von der zweischichtigen Schädelkalotte (Schädeldach, Kalotte) kapselartig eingeschlossen. Zum Gesichtsschädel zählen das Nasenbein, der Oberkiefer, das Jochbein, der Unterkiefer, das Tränenbein, das Gaumenbein, die unteren Nasenmuscheln und das Pflugscharbein.


  • Kretinismus: Während der Fetalperiode bestehender Jodmangel führt zu einer Sonderform der Hypothyreose, die folgende Klinik aufweist: Bewegungsarmut, Trinkfaulheit, Obstipation; später Wachstumsstörungen bis hin zum Minderwuchs, vorallem aber psychische und mentale Retardierung, die früher Ursache für eine Bildungsunfähigkeit dieser Kinder war.


  • Kryptorchismus: Der Verbleib des Hodens im Leistenkanal und die gleichzeitige Hodenatrophie; ein Leistenhoden bildet keine Samen; die Folge ist Infertilität.


  • Kussmaul-Atmung: Für ein Koma diabeticum typische Atmung. Stark erhöhter Blutzucker führt zu einem hohen Blutgehalt an Ketonkörpern, was wiederum eine Übersäuerung des Blutes zur Folge hat. Steuerzentren des Gehirns versuchen, über eine sehr tiefe und langsame Atmung den Kohlendioxidgehalt des Blutes zu vermindern, wodurch der Anteil von Kohlensäure im Blut sinkt und der pH-Wert steigt. Atemluft riecht nach Obst.


  • Kutan; die Haut (Cutis) betreffend


  • Kyphose: sog. Buckel; eine in der Brustwirbelsäule physiologisch angedeutete nach dorsal konvexe Krümmung der Wirbelsäule; Im Krankheitsfall ist die Krümmung verstärkt und fixiert.
    Vorkommen: Morbus Bechterew, Osteoporose



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L

  • Labialis: die Lippen betreffend


  • Läsion: Schädigung, Verletzung, Störung. Functio laesae = die gestörte Funktion. Eines der Kardinalsymptome der Entzündung. Der Begriff wird bei Verletzung von Gewebe gerne benutzt, insbesondere spricht man von Läsion des Nervengewebes, da dieses besonders empfindlich ist.


  • Lakrimal: zum Tränenapparat gehörend


  • Laparoskopie: Betrachtung der freien Bauchhöhle und einiger darin befindlicher Organe nach Einbringen eines Endoskops und Einblasen von CO2 zur Anhebung der Bauchdecken. Diese Unterschung klärt Lage, Größe und Beschaffenheit vorallem von Leber, Gallenblase, Milz, Magen, großem Netz und Beckenorganen. Die Laparoskopie wird ergänzt durch eine Biopsie; heute werden die Appendektomie und Cholezytektomie laparoskopisch durchgeführt.


  • Laparotomie: Operative Eröffnung des Bauchraums durch die Bauchdecke zur Durchführung eines abdominalchirurgischen Eingriffs, wie z.B. einer Appendektomie. Bei der explorativen Laparotomie werden zur Bestimmung des Stadiums eines Morbus Hodgkin zunächst nur LK Biopsien entnommen; eventuell schließt sich die Splenektomie an.


  • Larynx: Der Kehlkopf; er dient der Stimmbildung und zum Verschließen der unteren Atemwege gegen den Rachenraum. Er besteht aus gelenkig verbundenen Knorpeln, die mit Schleimhaut überzogen und mit Muskeln ausgestattet sind. Bei einer heftigen entzündlichen oder allergischen Reaktion kann das begleitende Ödem zu einem Verschluß des Kehlkopfdeckels und damit zur Erstickung führen.


  • Lateral: eine anatomische Richtungsbezeichnung für seitlich; im Gegensatz dazu: medial


  • Leistenhernie: syn. Leistenbruch, Hernia inguinalis; bei Männern oft als Skrotalhernie ausgebildet. Bei angeborener oder erworbener Bruchpforte in den Leistenkanal eindringende Darmteile, die sich einklemmen können, und dann als inkarzerierte Hernie über den Darminfarkt zum akuten Abdomen führen. Wenn keine manuelle Reposition möglich ist, muß innerhalb von Tagesfrist operiert werden.


  • Lentigo maligna: Eine Sonderform des Malignen Melanoms, als scharf umschriebener, linsenförmiger, aber langsam wachsender Pigmentfleck der Haut. Die Farbe reicht von braun bis schwarz. Lokalisation vorallem im Gesicht, auffällig sind auch rasches Wachstum mit knotiger Entartung und leichte Verletzbarkeit. Von allen Melanomen weist es die geringste Bösartigkeit auf, weshalb es als carcinoma in situ angesehen wird.


  • Leukozyten: Weiße Blutkörperchen sind Zellen des Immun- und Abwehrsystems, ca. 10 - 15 µm groß und werden in zwei Unterarten aufgeteilt: Granulozyten (körnchenhaltige Freßzellen mit gelapptem Kern) und Lymphozyten (körnchenfreie Zellen des Immunsystems mit rundem Kern). Der Normwert im Blut beträgt 4500 - 10.000 / µl, die Aufteilung erfolgt im Differentialblutbild.


  • Leukozytopenie: Verminderung der Leuko-Zahl im peripheren Blut auf Werte < 4000/µl = < 4 G/l


  • Lipomatosis: Auftreten multipler Lipome; i.w.S. auch die (mastbedingte) zonale Adipositas und regionale Wucherungen des Fettgewebes


  • Locus:
    1. Bezeichnung für Ort oder Stelle
      Beispiel: Locus Kiesselbachi: Region im vorderen Bereich der knorpeligen Nasenscheidewand, die besonders gefäßreich und oft Ursprungsort von Nasenbluten ist.
    2. Genetik: Lage eines Gens oder einer Genfamilie auf einem Chromosom

  • Lordosis: nach vorn gerichtete (= ventral-konvexe) Krümmung der Wirbelsäule (WS); an Hals- und Lenden-WS physiologisch; eventuell vermindert oder aufgehoben („Steilstellung“; eventuell sogar Kyphosierung) oder aber verstärkt (Hyperlordose).


  • Luftröhrenerweichung: durch Nekrose der Trachealknorpel, z.B. infolge Druckwirkung eines Trachealtubus oder einer Struma. Bewirkt durch sekundären Verlust der Elastizität eine Trachealstenose, eventuell auch völliges Kollabieren.
    Klinik: Reizhusten, Dyspnoe, inspiratorischer Stridor


  • Lumbalpunktion: Die Entnahme von Liquor für labordiagnostische und histologische Untersuchungen.


  • Luteinizing Hormone: Abkürzung LH; Hormon, das im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird und die Hormonproduktion in Eierstöcken bzw. Hoden steuert. Es gehört damit zu den Gonadotropinen. Hormone aus dem Hypothalamus, dem übergeordneten Zentrum des Hormonsystems im Gehirn, kontrollieren die Abgabe von LH aus der Hypophyse (Hypothalamushormon). Bei der Frau ist das LH an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt, wo es den Eisprung und die Umwandlung der zurückbleibenden Eihülle in den Gelbkörper bewirkt. Beim Mann stimuliert das LH die Hoden zur Ausschüttung von Testosteron.


  • Luxation: Verrenkung; meist das Herausgleiten eines Gelenkkopfs aus seiner Gelenkpfanne entweder bei Bindegewebsschwäche oder bei traumatischem Zerreißen der Gelenkkapsel. Betroffen ist bei Neugeborenen das Hüftgelenk, bei Adulten vorallem das Schultergelenk, je nach einwirkender Gewalt auch alle anderen Gelenk.


  • LWK: Abkürzung für Lendenwirbelkörper. Im Gegensatz zu den darüberliegenden Brustwirbelkörpern besitzen die Lendenwirbelkörper keine Rippen und haben einen stärker ausgebildeten Körper. Dadurch kommt es an der Lendenwirbelsäule schneller zur Frakturen der Wirbelkörper, z.B. bei Schleudertraumen. Bei Osteoporose können die LWK zusammensintern, was zur schmerzhaften Einklemmung der austretenden Spinalnerven führt.


  • LWS: Abkürzung für Lendenwirbelsäule (latein Vertebrae lumbalis); insgesamt 5 massiv geformte Wirbelkörper und die dazugehörigen Bandscheiben, die das Gewicht des Körpers tragen müssen. Bei chronischer Belastung durch Adipositas oder Verschleiß bei Kraftfahrern geben die Bandscheiben nach, mit der Folge von Ischialgien bis zum Bandscheiben-Prolaps. Im Senium kann Osteoporose zu Wirbelkörper-Frakturen führen.



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M

  • Makula: Fleck; umschriebene Farbänderung der Haut. Eine der Primäreffloreszenzen, die durch epidermale oder kutane Einlagerung von Pigmentstoffen oder örtliche Gefäßerweiterung bedingt sein kann. Als Makula Lutea bezeichnet man z.B. die Austrittsstelle des Sehnerven aus der Netzhaut (auch blinder oder gelber Fleck), da an dieser Stelle keine Stäbchen oder Zapfen vorkommen.


  • Malabsorption: Störung der Aufnahme von Nahrungsbestandteilen aus dem Verdauungstrakt, was man ätiologisch weiter aufteilen muß in:
    1. Maldigestion, die ungenügende Verdauung wie z.B. bei exokriner Pankreasinsuffizienz
    2. Malassimilation, ungenügende Resorption z.B. bei operativ verkleinertem Duodenum oder wegen glutensensitiver Enteropathie
    Klinik: Inanition und osmotische Diarrhoe


  • Malazie: krankhafte Erweichung eines Gewebes oder Organs, z.B. Osteo- und Chondromalazie


  • Malar: die Wange (Mala) betreffend


  • Maldigestion: Störung der Verdauung der aufzunehmenden Nahrung, einer der beiden Pathomechanismen der Malabsorption, ursächlich bedingt durch:
    1. Enzymmangel , z.B. bei Pankreatitis und exokriner Pankreasinsuffizienz, nach Magenresektion
    2. Mangel an Gallensäuren bei einer Leberinsuffizienz oder bei Cholestase

  • Malignom: Bösartige Geschwulst, gekennzeichnet durch ein meist schnelles, in die Gewebe eindringendes und zerstörerisches Wachstum. Das Malignom bzw. die Krebskrankheit ist wiederkehrend und streut Metastasen über den Blut- und Lymphweg. Manche Malignome können Stoffe absondern, die paraneoplastische Wirkung haben. Bei der Tumor- und Metastasensuche führen nur sehr unterschiedliche diagnostische Wege zum Ziel.


  • Malnutrition: Fehl- oder Mangelernährung durch zu wenig Nahrung, gestörte Verdauungsleistung oder durch Verwertungstörung. Fehlernährung besteht, wenn genügend Energie zugeführt wird, diese jedoch zu wenig Eiweiß, Vitamine und Mineralien enthält. Ein gutes Beispiel liefert die Alkoholkrankheit, bei der der Energiebedarf gedeckt wird, Vitamine und Eiweiß aber rar sind. Die Folge ist Inanition und Mangelkrankheit.


  • Mandibula: Unterkiefer


  • Maxilla: der Oberkiefer (OK); paariger Knochen des Gesichtsschädels, der den Boden der Augenhöhle, Boden und Seitenwand der Nasenhöhle und das Dach der Mundhöhle (mit)bildet. Sein „Körper“ (Corpus maxillae) enthält die Kieferhöhle (Sinus maxillaris); seine Processus frontalis, zygomaticus und palatinus verbinden ihn mit dem Stirn-, Joch- u. Gaumenbein; der Processus alveolaris trägt die Zähne der oberen Reihe.


  • Median: auf der Mittellinie (eines Körpers oder Organs) gelegen, auf sie bezogen


  • Mediastinum: das mittlere Gebiet des Brustraums, das zwischen den beiden Lungenflügeln liegt. Hier findet sich das Herz und die großen Gefäße, Ösophagus und Trachea sowie der Thymus.


  • Medulla oblongata: Verlängertes Rückenmark; der Teil des Zentralen Nervensystems, der zwischen Gehirn und Rückenmark liegt. Die Medulla oblongata enthält die Hirnnervenkerne V bis XII, die Pyramidenbahnkreuzung, Zentren vegetativer Funktionen wie Atemzentrum, Kreislaufzentrum und Zentren des Stoffwechsels. Außerdem laufen in der Medulla oblongata Schluck- und Brechreflex, Nies- und Hustenreflex sowie der Cornealreflex ab.


  • Megaloblast: ein deutlich abnormer Erythrozyt, u.a. mit noch vorhandenem Zellkern, vorallem ist er aber mit >11 µm besonders groß. Unverkennbares Zeichen des Vitamin B12- und Folsäuremangels und damit die kennzeichnende Erscheinungsform der pernizösen Anämie im Blutbild. Megaloblasten haben eine MCH > 32 pg und sind damit hyperchrom.


  • Megaureter: stark erweiterter Harnleiter; Ein Megaureter kann eine angeborene Harnleiterfehlbildung, aber auch Folge einer tief sitzenden Harnleiterverengung bzw. einer Nierenfehlbildung sein. Beschwerden können lange Zeit ganz fehlen, sodass ein Megaureter zufällig entdeckt wird. Verursacht er wiederholte Harnwegsinfektionen, Harnsteine oder eine Nierenschädigung, ist ein operative Korrektur möglich.


  • Meningen: Hirnhaut; Schutz- und Verschiebeschicht des Gehirns. Sie unterteilt sich in:
    1. weiche Haut: liegt direkt dem Gehirn auf
    2. Spinnenwebenhaut: umschließt zusammen mit der weichen Haut einen mit Liquor gefüllten Spalt

  • Menorrhagia: verlängerte und verstärkte Menstruationsblutung


  • Mesenchym: Bindegewebe; Das organunspezifische Füll-, Hüll- und Stützgewebe; es entstammt dem Mesoderm und ist selbst wiederum Muttergewebe des stützenden Knochen- und Knorpelgewebes. Zu seinen Aufgaben im Körper zählt die Bündelung von Blutgefäßen und Nerven, die Auffüllung organfreier Räume, Organkapselung und Organparenchymersatz durch faserreiches Narbengewebe.


  • Mesenterium: Von der Bauchwand ausgehende, in die Serosa des Dünndarms übergehende Verdoppelung des Peritoneums, die Lymphknoten, Binde- und Fettgewebe sowie Gefäße und Nerven einschließt. Die intraperitonealen Organe Ileum, Jejunum und Colon transversum sind durch diese Struktur elastisch und beweglich an der hinteren Bauchwand befestigt.


  • Mesoderm: Mittleres der drei embryonalen Keimblätter, das sich ab dem Stadium der dreiblättrigen Keimscheibe (ca. 17. Tag) komplex differenziert und sich zu Skelett, Bindegewebe, Muskeln, Urogenitaltrakt, Milz, Blutgefäße, Herz, Blutzellen u.a. Strukturen entwickelt.


  • Metabolisch: den Stoffwechsel betreffend


  • Metakarpal: fünf Knochen der Mittelhand (Metacarpus); Kurze Röhrenknochen mit breiter proximaler Basis, Corpus und distalem Caput


  • Metaplasie: Umwandlung einer differenzierten Zellart in eine anders differenzierte Zellart. Diese erfolgt über undifferenzierte Stammzellen. Auslöser ist meistens der Einfluß eines chronischen Reizes. Diese Art der Gewebsumwandlung kann die Vorstufe einer Präkanzerose sein.


  • Metrorrhagien: : Eine meist zyklische, über 10 Tage verlängerte Menstruationsblutung; wird auch als eine Dauerblutung bezeichnet. Metrorrhagien treten bei folgenden Grundkrankheiten auf: Uterusmyom und Uteruskarzinom (azyklische Blutungen). Die Beendung einer Metrorrhagie gelingt meist erst durch eine therapeutische Ausschabung.


  • Mikro: Wortteil „klein“ (i.e.S. kleiner als der Bereich, in dem 97,5% der vergleichbaren Population liegen); nicht mit bloßem Auge erkennbar; mit nur kleinen Substratmengen ausgeführt (z.B. Mikrotest); physik Maßeinheit-Präfix (Symbol: µ) mit der Bedeutung des 10-6fachen (= 1 Millionstel)


  • Mikrognathie: Kleinheit des Oberkiefers; angeboren (als Hypoplasie; einschließlich des Alveolarfortsatzes) z.B. beim ROBIN-Syndrom; aber auch sekundär z.B. nach Lippen-Gaumen- Spalten-Operation


  • Mikrokornea: Fehlbildung der Hornhaut des Auges, wenn deren Durchmesser kleiner als 10 mm ist (normale Kornea erreicht erst mit drei Jahren den endgültigen Durchmesser); Abgrenzung von der Verkleinerung des gesamten Bulbus (Mikrophthalmus) notwendig (Bestimmung der Achsenlänge); Bewirkt Steigerung der Brechkraft über 45 Dioptrien; Neigt später zu Glaukom


  • Mikrophtalmie: abnorme Kleinheit (eventuell nur rudimentäre Ausbildung) der Augäpfel (Mikrophthalmus); meist erblich und oft mit anderen Hemmungsfehlbildungen kombiniert; z.B. beim LENZ-Syndrom.


  • Mikrozephalie: Abnorme Kleinheit des Kopfes infolge primärer Fehlentwicklung des Gehirns und vorzeitigen Schlusses der Schädelnähte; die Stirn ist fliehend, die Nase erscheint relativ stark entwickelt.


  • Miosis: Engstellung der Pupille durch Kontraktion des parasympathischen M. sphincter pupillae oder Lähmung des sympathischen M. dilatator pupillae. Physiologisch als Lichtreaktion; als Reaktion auf Parasympathomimetika; im höheren Alter; bei Sympathikuslähmung im Halsgebiet durch Struma, Tumoren als Horner-Komplex; bei Vergiftungen mit Morphium.


  • Mißbildung: Embryopathie; Erkrankung der frühen Leibesfrucht bis zum 3. Schwangerschaftsmonat mit schweren Mißbildungen. Häufig betroffene Organe sind Herz, Augen, Ohren und Gehirn. Nicht selten sind Infektionen während der Gravidität die auslösende Ursache für die Embryopathie, z.B. die Röteln und die Toxoplasmose. Teratogen wirksam sind weiterhin harte Strahlung und gewisse Pharmaka. Bei letaler Embryopathie erfolgt ein Abort.


  • Mitralinsuffizienz: Klappeninsuffizienz der Valva mitralis, die auf dem Boden einer bakteriellen oder rheumatischen Endokarditis entsteht. Eine relative Mitralisinsuffizienz beobachtet man bei Linksherzinsuffizienz infolge Dilatation des Herzens. Klinisch findet sich ein nach links verbreiterter Herzspitzenstoß und ein Systolikum. Die Rechtsherzbelastung führt zu pulmonaler Hypertonie und Embolien. Ab dem Stadium III nach NYHA ist ein Klappenersatz indiziert.


  • Mitralklappe: die Mitralklappe besitzt zwei Segel, die an die Mitra des Papstes erinnern sollen. Sie liegt in der Ventilebene zwischen linkem Vorhof und linker Kammer und ist mit ihren freien Rändern über Sehnenfäden mit den entsprechenden Papillarmuskeln verbunden, die ein Zurückschlagen der Mitralklappe während der Systole verhindern sollen. In der Diastole füllt sich durch die geöffnete Mitralklappe die linke Kammer mit Blut.


  • Mitralstenose: Die Verengung des Lumens der Mitralklappe, meist als Folge einer rheumatischen Endokarditis mit Verwachsungen und Verklebungen der Klappenränder, die durch Rückstau zu einer Überdehnung des linken Atriums führt. In der Folge bilden sich kreisende, freie Thromben in dem überdehnten Vorhof mit der ständigen Gefahr einer Lungenembolie.


  • Monosomie: Fehlen eines Chromosoms im diploiden Chromosomensatz des Genoms; beim Menschen z.B. bei Vorliegen von nur 45 Chromosomen (z.B. 45,X0 bzw. 45,X statt 46,XX bzw. 46,XY)


  • Mutation: Spontane oder künstlich herbeigeführte Veränderung des Erbguts.
    Beispiel:
    1. durch chemische Substanzen oder radioaktive Strahlen erzeugte Schädigung des Erbguts, die eine veränderte Nachkommenschaft zur Folge hat.
    2. Karzinogene führen häufig auch zu Mutationen

  • Myalgien: Muskelschmerzen, die meist durch keinen Tastbefund (Verhärtung, Riß o.a.) zu erklären sind. Ursache sind Überanstrengung und grippaler Infekt, aber auch ernstere Grunderkrankungen, wie rheumatische Entzündung des Muskels, Stoffwechselerkrankungen oder Skelettverformungen, die zu einer chronischen Fehlbelastung der betroffenen Muskulatur führen.


  • Myasthenia gravis: Die Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der eine Störung der neuromuskulären Übertragung vorliegt, und die durch Schwäche und Ermüdbarkeit der Muskulatur gekennzeichnet ist. Die Klinik hat wegen der Augenmuskelschwäche folgende Zeichen: Ptosis, Diplopie und Strabismus. Nach Ausfall der Reflexe droht als Komplikation die Atemlähmung.


  • Mydriasis: Die Erweiterung oder Weitstellung der Pupille > 5 mm, die beobachtet werden kann als:
    1. physiologische Reaktion bei Anpassung an die Dunkelheit und bei Blick in die Weite
    2. pathologische Reaktion bei Vergiftung mit Adrenalin und anderen Sympathomimetika wie z.B. Amphetamin und Kokain
    3. als Zeichen der Lähmung des Parasympathikus z.B. durch Atropin

  • Myelinscheide: Ummantelung von Nervenzellen, auch Markscheiden genannte Strukturen, die die Schwann'schen Zellen aufbauen. Durch regelmäßige Einschnürungen in der Myelinscheide ist der Nerv zu einer sog. überspringenden Erregungsleitung in der Lage. Nerven mit Myelinscheiden leiten die Informationen etwa 120mal schneller weiter als solche ohne. Im Gehirn übernehmen die zum Bindegewebe gehörenden Neuroglia die Aufgabe der Myelinscheide.


  • Myokard: Die Arbeitsmuskulatur des Herzens. Herzmuskelzellen sind ausdauernd kontraktionskräftig und zur Bildung von Erregungsimpulsen fähig. Sie weisen Querstreifung auf, bilden aber verflochtene Gewebeverbände. Weitere Gewebeanteile des Herzens sind das Endokard, welches die Binnenräume auskleidet und das Perikard, welches die beiden Blätter des Herzbeutels bildet.


  • Myopathie: Bezeichnung für eine entzündliche oder degenerative Muskelerkrankung


  • Myopia: Kurzsichtigkeit


  • Myringotomie: Parazentese; Stichinzision, i.e.S. die des Trommelfells (= Auripunktur) zur Eröffnung der Paukenhöhle bei eitriger Otitis media oder Paukenerguß.



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N

  • Naevus: Muttermal; meist nicht erbliche, angeborene, teils auch erst später auftretende örtlich begrenzte, flächenhafte oder tumorförmige Fehlbildung von Haut oder Schleimhaut. Das Muttermal beruht auf einer embryonalen Entwicklungsstörung. Zu den wichtigsten Formen gehören das einfache Blutgefäßmal (Naevus flammeus, „Feuermal“) und das Pigmentmal, eine gutartige Wucherung von Pigmentzellen (Melanozyten), auch als „Leberfleck“ bezeichnet.


  • Nasalis: der Nase zugehörig, die Nase betreffend


  • Nasolabialfalte: Eine markante Falte des Gesichtes, die von den Nasenflügeln seitlich bis in Höhe des Mundwinkels zieht. Diese Falte hat klinisch und diagnostisch vielfältige Bedeutung:
    1. tief eingegrabene Nasolabialfalte bei Magenschmerzen wie z.B. bei Magengeschwür oder -karzinom, auch in der Facies hippocratika enthalten
    2. Sitz des Seborrhoischen Ekzems
    3. häufig findet sich hier das Basaliom

  • Nausea: Übelkeit, Brechreiz, das dem Erbrechen vorausgehende Gefühl. Dieses, in der vegetativen Anamnese abzuhakende Symptom, ist häufig mit Vertigose und Tinnitus verbunden.


  • Nekrose: Lokaler Gewebstod in einem lebenden Organismus als schwerste Folge einer örtlichen Gewebszerstörung. Diese Definition geht auf den Pathologen Virchow zurück. Aus einer Nekrose kann bei Besiedlung durch pathogene Anaerobier eine Gangrän entstehen, bei massiver Gewebsquetschung besteht die Gefahr von Gasbrand. Die bindegewebige Umwandlung bei der Regeneration kann zur Narbe führen.


  • Neoplasie: Neubildung von Gewebe i.w.S., die auch Vorgänge der Regeneration einschließt. I.e.S. wird aber das Neoplasma als ein Tumor angesehen, der als gutartiges Adenom, benigne verläuft oder als bösartiges Karzinom oder Sarkom zu den Malignomen mit schlechter Prognose gezählt wird.


  • Nephrektomie: Operative Entfernung der Niere; dieser Eingriff wird nur bei ausreichender Funktion der verbleibenden Niere durchgeführt, was durch Funktionsszintigrafie überprüft werden muß. Meist wird der Zugang von einem parallel zum Rippenbogen in der Flanke gelegten Schnitt aus gesucht und die Niere bis zum Nierenstiel stumpf präpariert; sodann werden Harnleiter und A. renalis ligiert und die Niere in toto entfernt.


  • Neuralgie: Attackenweise auftretende 'helle' Schmerzen im Ausbreitungsgebiet eines sensiblen oder gemischten Nervs, i.e.S. ohne Sensibilitätsstörung und ohne nachweisbare Ursache. Am bekanntesten sind die Neuralgien des Ischiasnervs, der 'Hexenschuß' und des Nervus trigeminus.


  • Neuralrohrdefekt: Sammelbegriff für Fehlbildungen des Zentralnervensystems (Anenzephalie, Spina bifida, Meningomyelozele), die durch mangelhaften Verschluß des Neuralrohrs in der vierten Embryonalwoche entstehen. Offene Neuralrohrdefekte haben keine Hautabdeckung und fallen durch erhöhte a-Fetoproteinspiegel (AFP) im Fruchtwasser und im Plasma der Mutter auf (Untersuchung in der Schwangerschaft bei entsprechender Familienanamnese); sonographisch ist ein Anenzephalus vor der 20. Woche fast immer gut zu erkennen, eine Spina bifida oder Meningomyelozele in der 15.-20. Woche (je nach Ausprägung) weniger sicher zu erkennen (erste Routine-Ultraschalluntersuchung).


  • Neurologische Ausfälle: Sammelbegriff für Symptome, die durch Störungen im zentralen (Gehirn und Rückenmark) oder peripheren Nervensystem hervorgerufen werden. Sinnvoll ist auch die Unterscheidung in sensible und motorische Ausfälle. Da dieser Ausdruck sehr ungenau ist, gibt die Feststellung von neurologischen Ausfälle nur erste Hinweise auf weiter abzuklärende Diagnosen.


  • Neurotransmitter: Überträgerstoffe, die im Nervensystem Botschaften chemisch weiterleiten. Neurotransmitter im peripheren NS sind Acetylcholin und Noradrenalin. Im ZNS sind außerdem Dopamin und in geringerem Ausmaß Serotonin an der chemischen Übertragung von Reizen beteiligt. Eine Störung des Dopaminhaushalts führt zur Ausbildung des Morbus Parkinson, die Störung des Serotoninhaushalts verursacht das weitverbreitete Manisch-Depressive-Syndrom.


  • Nucha: hinterer Anteil des Halses einschließlich des angrenzenden Kopfbereiches


  • Nutrition: die Ernährung betreffend


  • NYHA: Die Herzinsuffizienz wird nach dem Schweregrad in Stadien eingeteilt, die von der New York Heart Association (NYHA) definiert worden sind:
    1. völlige Beschwerdefreiheit bei normaler körperlicher Belastung
    2. leichte Einschränkung der Belastbarkeit
    3. Dyspnoe bei leichter Belastung
    4. Dyspnoe auch in Ruhe, Invalidität

  • Nykturie: Verstärktes nächtliches Wasserlassen. Ursache ist meist eine Herzinsuffizienz, wobei nachts die Ödeme ausgeschwemmt werden. Die nächst häufige Ursache ist die Blasenentleerungsstörung bei Prostatahypertrophie mit Restharnbildung, bei der die Blase tagsüber nicht richtig entleert werden kann. Seltener führt die chronische Niereninsuffizienz und der entgleiste Diabetes mellitus zu einer Nykturie.


  • Nystagmus: Augenzittern bei Schäden des Labyrinths im Innenohr. Man unterscheidet einen Spontan-Nystagmus in Ruhestellung vom Lage-Nystagmus als Reaktion auf Reizung des Gleichgewichtsorgans und bei Gleichgewichtsstörungen. Daneben gibt es eine Reihe von Nystagmus-Formen, die künstlich herbeigeführt werden können, und die für die Gleichgewichtsprüfung von Belang sind.



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O

  • Obesitas: Fettleibigkeit; übermäßige Vermehrung oder Bildung von Fettgewebe; sie tritt in der Regel als Zivilisationskrankheit auf und ist dann durch vermehrte Zufuhr von Nahrung ausgelöst. Die Folgen sind mannigfaltig und umfassen neben Diabetes und Hypertonie auch eine degenerative Gelenkzerstörung. Neben dieser häufigen Form muß die mit Stammfettsucht einhergehende Form bei Morbus Cushing abgegrenzt werden.


  • Obstipation: Klinisch sprechen wir von Verstopfung, wenn der Patient nur 1 mal pro Woche oder seltener Stuhlgang hat. Auch unnormal feste Stühle können als Verstopfung aufgefaßt werden. Die häufigste Form der Verstopfung ist die habituelle Verstopfung, d.h. durch schlechte Gewohnheiten wie Bewegungsarmut und ballaststoffarme Ernährung bedingt. Bei organisch begründbarer Obstipation sind Laxantien indiziert.


  • Ocularis: das Auge betreffend


  • Ödeme: Wassersucht; die stets pathologische Ansammlung von Wasser und zugehörigen Salzen im Gewebe. Ursächlich kann sie aufgrund von vier pathogenetischen Prinzipien entstehen:
    1. entzündliche Permeabilitätssteigerung
    2. venöser Rückstau infolge Rechtsherzinsuffizienz, nach Beckenvenenthrombosen
    3. lymphatischer Rückstau bei verödeten LK
    4. verminderter Eiweißgehalt des Serums

  • Ösophagitis: Eine sterile Entzündung der Speiseröhre durch Einströmen von Mageninhalt in den Ösophagus infolge eines Ausfalls der Verschlußmechanismen am gastroösophagealen Übergang. Leitsymptome sind Sodbrennen, epigastrischer Schmerz und Brechreiz bis zum Erbrechen. Diagnostische Klärung bringt in der Regel die Endoskopie und die Röntgenuntersuchung nach der Breischluckmethode.


  • Okklusionsstörungen: anomaler Zusammenbiß der Zähne
    Ätiologie: z.B. durch Falschstand einzelner Zähne, Distal-, Kreuz-, Lateralbiß, progene Verzahnung (Mesialbiß), zu hohe Füllungen


  • Okkult: Verborgen, unsichtbar, latent vorhanden; z.B. kann Blut unsichtbar im Stuhl vorhanden sein. Es kann dann nur chemisch mit dem sog. Hämoccult-Test oder mikroskopisch nachgewiesen werden.


  • Oligodontia: stark verminderte Zahl der Zähne


  • Oligohydramnion: Verminderung der Fruchtwassermenge auf unter 100 ml; Sie wird z.B. durch Fehlbildungen der kindlichen Nieren mit verringerter Urinproduktion, durch Funktionsstörungen der Plazenta oder durch vorzeitigen Blasensprung verursacht. Tritt ein Oligohydramnion schon in der frühen Schwangerschaft auf, können sich Verwachsungsstränge zwischen Kind und innerer Eihaut bilden mit der Gefahr, dass dadurch Gliedmaßen des Kindes abgetrennt werden.


  • Oligophrenia: geistige Behinderung, geistige Entwicklungsverzögerung, geistige Retardierung; angeborene oder erworbene Verringerung der Intelligenz. Wegen des diskriminierenden Gebrauchs in der Alltagssprache werden die Begriffe Schwachsinn und Idiotie heute nicht mehr benutzt. Auch der Begriff Oligophrenie wird zunehmend seltener verwendet.


  • Oligurie: verminderte Harnausscheidung von weniger als 500 ml Harn in 24 Stunden. Die Ursachen der Oligurie können folgende sein:
    1. verminderte Harnbildung, am häufigsten bei einem akuten Nierenversagen
    2. Verlegung der Harnwege, z.B. bei einem beidseitigem narbigem Ureterverschluß infolge Radiatio im kleinen Beckens

  • Omphalozele: Hernie des Bauchnabels; die bei entsprechender Schwere mitunter monströse Vorwölbung bzw. der Vorfall von Darm oder Netz durch einen unnatürlich weiten Bauchnabel. Der Nabelring ist durch Überdehnung beim Heben und Pressen zur Bruchpforte geworden; der Verschluß erfolgt meist chirurgisch durch Einengungsnaht.


  • Opazität: Verhältnis der einfallenden zur hindurchgehenden Lichtintensität z.B. bei durchscheinenden Suspensionen; reziproker Wert der Transparenz


  • Ophtalmie: mehrere oder alle Schichten des Auges betreffende Entzündung


  • Ophtalmoplegie: Lähmung der Augenmuskeln


  • Oral:
    1. pharmakologischer Begriff , der die Applikation eines Medikaments durch den Mund bezeichnet, im Gegensatz z.B. zu humoral, was die verschiedenen Formen der Injektion bezeichnet
    2. allgemein: zur Mundhöhle gehörig

  • Orbita: zur Augenhöhle gehörend


  • Orchidopexie: operative Befestigung des Hodens im Hodensack; Eine Orchidopexie wird z.B. bei Stieldrehung eines Hodens (Hodentorsion) oder bei fehlendem Eintritt des Hodens in den Hodensack (Hodenhochstand) durchgeführt.


  • Orthopnoe: Luftnot, die in horizontaler Lage (im Bett) auftritt und durch Aufrichten des Oberkörpers gebessert werden kann. Diese, vorallem bei älteren Patienten auftretende Form der Dyspnoe, ist typisch für die Linksherzinsuffizienz und entwickelt sich gerne nachts anfallsweise nach einigen Stunden Schlaf. Wir nennen das klinische Vollbild dann Asthma cardiale.


  • Osteomalazie: Meistens infolge von Vitamin D-Mangel, der sog. Rachitis, auftretende Mineralisationsstörung des Knochens. Dadurch wird der neugebildete Knochen zu weich, es kommt zu Skelettverformungen wie Kyphose, einem Kartenherzbecken und Valgusfehlstellung der Beine.


  • Osteoporose: Die mengenmäßige Minderung der Knochenmasse unter Bewahrung des Kalkanteils und des organischen Gerüstanteils, die aufgrund eines gesteigerten Knochenabbaus entsteht. Es besteht erhebliche Frakturgefahr, die im 'gebrechlichen' Alter z.B. als Schenkelhalsfraktur auftritt. Betroffen sind am häufigsten Frauen in der Menopause infolge des Schwindens der anabolen Östrogenwirkung und infolge Bewegungsarmut.


  • Osteotomie: Orthopädische Umstellungsoperationen, bei denen mit Hammer und Meißel schrägstehende Knochen in die Sollstellung zurückgeformt werden. Z.B. für die Korrektur von Hammerzehen, X- oder O-Beinen. Osteotomien sind meist sehr schmerzhaft und von fraglichem Erfolg.


  • Ostium: Öffnung, Mündung; das Ende eines Hohlleiters, wie z.B. das Ostium des Ureters in der Harnblase, es kann aber auch der Anfang eines Gefäßes sein, wie z.B. das in den Taschen der Aortenklappe gelegene Ostium der Koronararterien.


  • Otitis media: Eitrige Entzündung des Mittelohrs, d.h. hinter dem Trommelfell gelegene, sehr schmerzhafte Eiterung, die infolge einer Keimverschleppung aus der Mundhöhle über die Ohrtrompete in das Mittelohr gelangt sind. Häufig bei Kindern nach einem leichten Infekt wie Schnupfen. Mögliche Komplikationen sind die Sinusitis und die Fortleitung in das Gehirn als Meningitis oder Hirnabszeß.



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P

  • Palpieren: Die Körperoberfläche und zugängliche Körperhöhlen werden durch Abtasten untersucht. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Palpation der Schilddrüse, der regionalen Lymphknoten, des Abdomens, die rektale Untersuchung und die Austastung des äußeren Leistenrings. Wichtige Kriterien bei der Palpation sind u.a. die Größe, Konsistenz und Beweglichkeit der Organe, und vorallem die Auslösbarkeit einer Druckdolenz.


  • Palpebral: das Augenlid betreffend


  • Palsy: Lähmung; Beispiel: cerebral palsy zerebrale Lähmung


  • Parenchym: Der Gewebeanteil, der in einem Organ die organspezifischen Aufgaben erfüllt. Im Gehirn sind es die Nervenzellen, in der Niere sind es die Glomerulum- und Tubuluszellen. Es steht im Gegensatz zum interstitiellen oder Gerüstgewebe, das sich aus faserigem Bindegewebe und Nerven aufbaut.


  • Parenteral: Nicht oral, unter Umgehung des normalen, d.h. enteralen Wegs. Ein Begriff für die intramuskuläre, intraarterielle, intravenöse, intraperitoneale und subkutane Applikation von Medikamenten. Man spricht z.B. von parenterale Ernährung, die durch Infusionstherapie erfolgt.


  • Paresen: Schwäche eines Muskels oder einer gesamten Extremität, oder auch des Zwerchfells aufgrund einer Schädigung der entsprechenden Nerven. Paresen kommen bei Myasthenia gravis, nach Apoplexie und Poliomyelitis vor. Bei Querschnittssyndrom kann die Parese zunächst spastisch, später schlaff ausgebildet sein; sie kann auch in eine komplette Paralyse übergehen.


  • Parietal: Die Wand einer Körperhöhle betreffend, wandständig; gebräuchlich bei der Bezeichnung von Häuten wie der Pleura und dem Perikard.


  • Paroxysmal: Anfallsweise, in Anfällen auftretend


  • Patellareiben: Arthrotische Erkrankung, bei der die knorpelige Rückseite der Kniescheibe verändert ist und somit eine rauhe Fläche hat. Dies führt zu schmerzhaftem Reiben der Patella auf den darunterliegenden Knochen bei Beugung und Streckung. Therapeutisch kommt das arthroskopische Glätten der Patellarückseite in Betracht.


  • Pathogenese: 1. Beschreibt die Veränderungen der Binnenstruktur und Funktion eines Organes aus der Sicht der Pathologischen Anatomie und der Pathophysiologie, die sich im Verlauf einer Krankheit entwickeln können, z.B. Hepatitis: Läsion des Leberparenchyms --> Ikterus. Die nodulären Leberzellnekrosen sind als strukturelle Veränderungen beschreibbar.
    2. pathogenetische Keime führen beim Mensch zur Infektion


  • Pathognomonisch: Das (unverwechselbare) Gesicht der Krankheit; ein womöglich einmaliges und unverwechselbares Symptom einer bestimmten Krankheit, z.B.: 1. beidseitiger Exophthalmus bei Morbus Basedow, 2. marche à petit pas bei Morbus Parkinson. Dagegen sind z.B. Spider-Nävi lediglich ein Leitsymptom, das allgemein auf Leberkrankheiten hinweist, die dann genauer differenziert werden müssen (Hepatitis vs. Leberzirrhose).


  • Pathologie: Das Fachgebiet der Pathologie kann man nach praktischen Kriterien in zwei Teilgebiete aufteilen:
    1. Untersuchung des verstorbenen Patienten durch Sektion, um die Todesursache zu finden und die Diagnose(n) zu überprüfen.
    2. mikroskopische Beurteilung von Untersuchungsmaterial aus Biopsien und Punktionen, um eine endgültige, histologische oder zytologische Diagnose zu stellen.

  • Pectus excavatum: Trichterbrust, Pectus infundibulum; muldenförmige Eindellung des Sternums und der angrenzenden Rippenknorpel. Erworben (z.B. bei Rachitis) oder (meist) konstitutionell bedingt; funktionelle Störungen (meist erst im Schulalter) vorallem durch Verlagerung des Herzens; bei Beeinträchtigung der Lungen-Herz-Kreislauf-Funktion operative Korrektur durch Mobilisierung der eingesunkenen Brustwandabschnitte und Fixierung in normaler Stellung; berufsbedingte Formen der Trichterbrust sind u.a. die Töpferbrust oder die Schusterbrust


  • Perakut: Der unmittelbar, schnell und heftig einsetzende Beginn einer Krankheit, meist auch mit schwerem, nicht selten tödlichem Verlauf. Beispiele für perakutem Beginn sind der Herzinfarkt und der Schlaganfall.


  • Perforation: Durchbruch oder Eröffnung eines ansonsten geschlossenen Hohlorgans wie z.B. des Magens infolge nekrotisch-entzündlicher Gewebeläsion, wie das bei einem Ulcus ventriculi möglich ist. Dieser Vorgang wird volkstümlich als 'Magendurchbruch' bezeichnet. Die Perforation im Bereich des Magen-Darm-Trakts nach innen birgt die Gefahr einer tödlichen Peritonitis in sich, bei Perforation nach außen resultiert daraus eine Fistel.


  • Perfusion: Durchblutung, Durchströmung eines Organs. Weiterhin auch die künstliche Durchströmung wie bei der künstlichen Dialyse der Niere oder der Herz-Lungen-Maschine.


  • Perinatal: die Zeit kurz vor, während und kurz nach der Geburt betreffend


  • Perineum: Damm; der Abschnitt zwischen äußeren Geschlechtsteilen und dem Darmausgang. Hier herrschen die Verhältnisse der feuchten Kammer vor, und die Haut kann mazeriert sein. Demzufolge finden wir hier z.B. Mykosen lokalisiert, aber auch andere Infektionen des Genitalbereichs wie Condyloma accuminata, nicht selten auch eitrige Hauterkrankungen wie z.B. Furunkel und Abszesse.


  • Peripher: außen, am Rande gelegen, fern dem Zentrum


  • Perkutan: Durch die Haut hindurch; z.B. lassen sich antiphlogistische und analgetische Arzneistoffe perkutan in Creme- oder Salbenform bei der Lokaltherapie applizieren und erreichen auf diese Weise auch die tiefer gelegenen Weichteile.


  • Peroneal: das Wadenbein betreffend


  • Pes valgus: Knickfuß, X-Fuß; Valgusstellung des Fersenbeins und Supinationsstellung des Vorfußes als angeborene oder erworbene Deformität; Durch seitliches Abgleiten des Taluskopfs vom Kalkaneus entsteht der Doppelknöchel.
    • Mobiler Knickfuß: Die Fehlstellung läßt sich aktiv und passiv korrigieren
    • Kontrakter Knickfuß: Die Fehlstellung ist knöchern oder ligamentär fixiert und nicht aktiv korrigierbar (Formfehler)

  • Petechie: Kleinfleckige, manchmal flohstichartige Blutungen unter der Hautoberfläche infolge einer Erhöhung der Gefäßpermeabilität bei folgenden Krankheiten:
    1. Gerinnungsstörung, Gefäßwandfragilität
    2. Anoxie, Hypoxie, Ischämie
    3. durch Endotoxine bei Meningitis
    4. allergisch bedingt
    5. Erfrierungen

  • Petit mal: Kleiner zerebraler Krampfanfall mit dem ausschließlichen Symptom der vorübergehenden Bewußtseinstrübung, also ohne Krampferscheinungen. Charakteristische Petit mal Anfälle sind Abscencen, die bei den fokalen Epilepsien im Kindesalter vorkommen.


  • Phänotyp: Merkmale von Zellen und Organismen als Summe der Expression ihrer Gene und der Wirkung ihrer Produkte sowie der Wirkungen äußerer und innerer Einflüsse während der Ontogenese.


  • Phalangen: Finger- bzw. Zehenglieder


  • Pharynx: Aus dem oberen Teil hinter der Nasenhöhle, einem mittleren Teil hinter der Mundhöhle und dem unteren Teil über dem Kehlkopf bestehend. Er enthält in seiner Wand im mittleren Abschnitt lymphatische Organe in Form der Rachenmandeln. Im Pharynx kreuzen Speise- und Atemwege, die vom Kehlkopfdekkel gesichert werden.


  • Philtrum:
    1. die mediane Rinne der Oberlippe
    2. Philtrum chirurgicum: die mediane Oberlippenportion bei doppelseitiger Lippenspalte

  • Phthisis bulbi: die Schrumpfung des Augapfels, die nach Entzündungen im Augenhautbereich, durch Verletzung oder auch nach mehreren Operationen im Bereich der Netzhaut auftreten kann.


  • Pinna: Ohrmuschel, Teil des Außenohrs von Säugetieren, wichtig für die Schallbündelung und das Richtungshören


  • Plagiozephaly: angeborene Fehlbildung des Schädels, bei der der Schädel eine unsymmetrische Form hat.


  • Plantar: zur Fußsohle gehörend, fußsohlenwärts, zur Fußsohle hin gelegen


  • Plasma: Bezeichnung für die Blutflüssigkeit ohne Blutzellen, jedoch mit den Bluteiweißen, wie Albumin, Globulin, Fibrinogen, den Elektrolyten, Nährstoffen, Sauerstoff, Abfallstoffen, Spurenelementen, Vitaminen, Hormonen u.a.; im Gegensatz zum Serum ist Plasma gerinnbar, da es noch die Gerinnungsstoffe und Fibrinogen enthält.


  • Pleura: Dünnes, schleimhautartiges Epithel, das die Außenseite der Lunge bedeckt, die Pleuraflüssigkeit absondert und die Lunge zum Pleuraspalt hin abgrenzt. Sie wird als Pleura visceralis der Pleura parietalis, d.i. das Brustfell, gegenübergestellt. Entzündungen der Pleura werden als Pleuritis bezeichnet. Dabei füllt sich der Pleuraspalt mit Flüssigkeit, die eventuell dann auch zu einer Verklebung mit dem Brustfell führen kann.


  • Pneumonie: Lungenentzündung; eine akute, meist bakterielle Entzündung der Lunge mit schwerstem Krankheitsgefühl, hohem Fieber und eitrigem Auswurf. Für kleine Kinder und im Senium wegen der Gefahr der Sepsis und des Kreislaufkollapses sehr gefährlich. Die Erreger sind oft Pneumokokken und andere Streptokokken; sie sprechen gut auf Penizillin an. Vor der antibiotischen Ära war die Pneumonie zusammen mit der Meningitis die häufigste Todesart.


  • Poliomyelitis: Durch Poliomyelitis-Viren verursachte Erkrankung, die bei schwerem Verlauf zu schlaffen Lähmungen führt und überwiegend im Kindesalter auftritt. Die Infektion erfolgt durch Schmierinfektion oder Aufnahme von durch Fäkalien verunreinigtem Wasser. Die Poliomyelitis beginnt mit einer fieberhaften, grippeähnlichen Symptomatik und kann bei ca.10% in das paralytische Stadium übergehen. Durch Impfmaßnahmen ist die Poliomyelitis selten geworden.


  • Polydipsie: gesteigertes Durstempfinden und vermehrte Flüssigkeitsaufnahme. Die Polydipsie führt in der Regel zu Polyurie oder wird dadurch verursacht.
    Ursache:
    1. Diabetes mellitus
    2. Diabetes insipidus
    3. psychogen
    4. als Folge erhöhter Blutosmolarität

  • Polygenetisch: Beteiligung mehrerer Gene an der Ausbildung einer Eigenschaft; dies ist der Normalfall für die Merkmalsausprägung. Erbkrankheiten, die diesen Erbgang aufweisen, verlaufen i.d.R. leichter als monogenetische.


  • Polyglanduläres autoimmunsyndrom:
    1. H.-A.-M.-Syndrom: polyglanduläres Autoimmun-(PGA-)Syndrom Typ I ; fraglich autosomal-rezessive Erbkrankheit ohne HLA-Assoziation mit Nebennierenrindeninsuffizienz, Hypoparathyreoidismus und mukokutaner Candidiasis sowie weiteren Autoimmunerkrankungen
    2. eine HLA-assoziierte (autosomal-dominant erbliche?) Autoimmunkrankheit mit Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenrindeninsuffizienz, Diabetes mellitus Typ I, Alopezie

  • Polyglobulie: Vermehrung der Zahl der Erythrozyten im Blut. Dadurch kommt es auch zu einer Erhöhung des Hämatokrits, d.h. das Blut wird 'dicker', so daß sich die hämodynamischen Eigenschaften verändern. Die Gefahr für Apoplexien, Thrombosen und Embolien steigt drastisch an. Ursache sind Erkrankungen mit gesteigerter Erythrozytenproduktion, z.B. die Polyzythämie.


  • Polyhydramnion: sehr stark ausgeprägtes Hydramnion, seltenes Krankheitsbild mit vermehrter Bildung von Fruchtwasser während der Schwangerschaft (>2000 ml)


  • Polyneuropathie: Oberbegriff für die degenerative Erkrankung der peripheren Nerven. Ursachen sind AVK, chronische Alkoholkrankheit und Diabetes mellitus. Klinische Zeichen sind Sensibilitätsstörungen, insbesondere der frühzeitige Ausfall des Vibrationssinns, Schmerzen, in schweren Fällen auch motorische Ausfälle mit Gangstörungen. Die Polyneuropathie beginnt gerne an der unteren Extremität, insbesondere an den Zehen.


  • Polypen: gestielte, champignonartige Tumoren


  • Polyurie: Vermehrte Harnausscheidung; kann sich krankhafterweise bis auf 10-20 l/Tag steigern. Werden die immensen Wasserverluste nicht ausgeglichen, entwickelt sich eine Exsikkose. Polyurie kommt als Symptom vor bei:
    1. Diabetes mellitus
    2. Diabetes insipidus
    3. Akutes und chronisches Nierenversagen
    4. Hyperkalziämiesyndrom

  • Polyzythämie: Starke Vermehrung der Erythrozytenzahl im peripheren Blut. Die Polycythämie ist erblich und dann von ungeklärter Ursache. Das Erythropoetin ist i.d.R erhöht. Bei paraneoplastischer Polycythämie bilden die entarteten Karzinomzellen einen blutbildenden Stoff. Die Bluteindickung durch Dehydratation kann eine ähnliche Erhöhung der Erythrozytenzahl anzeigen, ist aber keine echte Polycythämie.


  • Posterior: Richtungsbezeichnung für hinten, der hintere, nach hinten gelegen


  • Präaurikulär: Vor der Ohrmuschel gelegen; hier liegen LK und die Glandula parotidea, die klinisch von Belang sind.


  • Prädisponierend: syn. Disposition; eine Erkrankung begünstigende Faktoren, wie z.B. Vorerkrankungen, Geschlecht, Alter, Konstitution oder rassische Veranlagung.
    Beispiel: das Maligne Melanom ist bei Angehörigen des keltischen Hauttyps 50x häufiger als bei den schwarzen Rassen


  • Prävalenz: Gesamthäufigkeit, Auftreten einer Krankheit. Ein Begriff aus der Epidemiologie, der die Häufigkeit einer bestimmten Krankheit in der Bevölkerung angibt. Z.B. gibt es zur Zeit ca. 100.000 Heroinabhängige in der BRD, d.h. die Prävalenz des Heroinabusus beträgt ca. 125 auf 100.000 Einwohner.


  • Prävention: Vorbeugende Maßnahme, besonders im Gesundheitswesen:
    1. primär: Ausschaltung von Faktoren, die als gesundheitsschädigend gelten
    2. sekundär: Sicherstellung der frühestmöglichen Diagnose von Erkrankungen
    3. tertiär: Begrenzung von Krankheitsfolgen

  • Prolaps: Vorfall; Heraustreten von inneren Organen durch physiologische oder künstlich entstandene Öffnungen. Am gebräuchlichsten ist der Begriff bei:
    1. Bandscheiben-Prolaps
    2. Uterus-Prolaps
    3. Anal-Prolaps

  • Proliferation: Vermehrung und Wucherung von Gewebe; auslösende Faktoren sind chronische Entzündung, behinderte bzw. überschießende Wundheilung oder Reparaturvorgänge. Erfolgt die Regeneration durch identische oder funktionell nahestehende Zellen, ist restitutio ad integrum möglich. Bei einer rein bindegewebigen Wucherung bildet sich eine funktionslose Narbe.


  • Prophylaxe: Vorbeugung, Verhütung; vor einer Erkrankung schützen.
    Beispiel: Die hygienische oder chirurgische Händedesinfektion ist eine prophylactische Maßnahme zur Verhinderung von Wundinfektionen.


  • Proteinurie: Ausscheidung von Eiweiß im Harn; der physiologische Ausscheidungswert liegt bei 20-150 mg Eiweiß / 24 Std. Die renale Form beruht auferhöhter glomerulärer Durchläßigkeit für Eiweisse, z.B. bei Nephrotischem Syndrom und kann es bis zu 4 g / Tag erreichen. Bei der seltenen prärenalen Form überschreitet die Konzentration der Plasmaproteine die maximale tubuläre Rückresorptionskapazität der Niere.


  • Pruritus: Verstärkter Juckreiz, der meist durch Histamin vermittelt wird und zu Kratzeffekten führen kann. Pruritis kann lokalisiert oder generalisiert als Symptom vorkommen bei: Nierenversagen und Diabetes mellitus, Krätze und anderweitigem Parasitenbefall, Ekzeme, Urticaria und Neurodermitis, Lymphogranulomatose und Leukämien, Cholestase, hier durch Gallensäuren bedingt


  • Pseudo: Wortteil mit der Bedeutung falsch, vorgetäuscht, scheinbar


  • Ptosis: Herabsinken eines (gelähmten) Organs; am gebräuchlichsten im Zusammenhang mit der Parese des Oberlides.


  • PTT: Abkürzung für partial thromboplastin time; ein Suchtest bei vorallem Störung des intrinsischen Weges der Blutgerinnung. Dieser Weg ist gestört bei den Hämophilien und bei Antikoagulation mittels Heparintherapie. Die Zeit, die vergeht, wenn das Plasma von Gesunden nach dieser Methode zum Gerinnen gebracht wird, beträgt 28 - 36 Sek. Der extrinsische Weg der Gerinnung wird mit dem Quicktest überprüft.


  • Pulmonal: die Lunge betreffend; Gebräuchlich zur Bezeichnung anatomischer, physiologischer und klinischer Sachverhalte, die die Lunge betreffen, z.B.: pulmonaler Hochdruck, pulmonale Manifestation der Tuberkulose, pulmonale Metastasierung


  • Purpura: syn. Petechien; Blutungen in Haut, Schleimhaut und Unterhautgewebe, die als fleckförmige, punktförmige oder flächige Rötungen in Erscheinung treten. Im Gegensatz zu einem Erythem läßt sich die Purpura unter dem Glasspatel nicht wegdrücken. Die Purpura wird durch Störungen der Blutgerinnung verursacht und tritt z.B. bei Morbus Werlhof oder Meningokokken-Sepsis auf.


  • Pyelonephritis: Bakterielle Entzündung des Nierenbeckens, die auf das Nierengewebe übergreifen kann und insbesondere bei gestauten Harnwegen über die Entwicklung einer Urosepsis lebensbedrohlich verlaufen kann. Prädisponierend sind Lageanomalien der Niere, Gravidität und Dauerkatheterbehandlung. Die Klinik umfaßt Fieber über 38° C sowie Schüttelfrost und Flankenschmerz mit Klopfdolenz der NL.


  • Pyelostomie: Nephrostomie; künstlich angelegter Verbindungsgang zwischen Körperoberfläche und Nierenbecken (äußere Nierenfistel), der diagnostischen oder therapeutischen Zwecken dient. Eine Nephrostomie kann ein- oder doppelseitig angelegt werden. Dazu wird unter lokaler Betäubung ein Katheter unter Ultraschallkontrolle durch die Haut der Lendenregion über das Nierengewebe und Kelchsystem bis ins Nierenbecken vorgeschoben und anschließend an der Haut fixiert.


  • Pylorus: Magenpförtner, Magenausgang; die Übergangsstelle vom Magen zum Duodenum mit verstärkter Ringmuskulatur, die Sphinkteraufgaben erfüllt. Hier greifen gastrointestinale Hormone an, die die Steuerung der Magenentleerung bewirken.



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Q

  • QRS-Komplex: Kammerteil; den wichtigsten Teil des EKG-Kurvenbildes stellt der Kammerteil dar, der aus den in der Systole ablaufenden Q-, R- und S-Zacken besteht. Er soll nicht länger als 0.1 Sekunden breit sein; ansonsten liegt eine QRS-Verbreiterung vor, was Ausdruck einer Herzvergößerung ist. Eine Deformation des Kammerteils weist auf einen Schenkelblock hin.


  • QT-Verkürzung: Verkürzung der Zeit vom Beginn bis zum Ende der Erregung der Herzkammern, die elektrische Systole. Ursachen können sein: Kalziummangel, chronischer Alkoholmißbrauch, Verminderung der Herzdurchblutung oder verschiedene Medikamente, z.B. ß-Blocker.



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R

  • Redundanz: Überfülle; die Kodierung derselben Aminosäure durch mehrere verschiedene Codons der t-RNS infolge Übereinstimmung in einer oder zwei Basen


  • Reflux: Rückfluß z.B. von Magensäure in die Speiseröhre bei der Refluxösophagitis. Weiterhin kann es bei mangelhaftem Verschluß der Ureterostien in der Blase zu einem Reflux zur Niere kommen, was aszendierende Harnwegsinfekte, z.B. eine Pyelonephritis, begünstigt.


  • Regurgitation: Zurückströmen von Speisen in die Mundhöhle; hauptsächlich bei Stenosen des Ösophagus.


  • Reisediarrhoe: Durch Bakterien, Bakterientoxine, Viren oder Parasiten verursachte Infektion des Dünndarms oder Dickdarms. Meist handelt es sich um einen fäkal-oralen Infektionsweg. Das Leitsymptom der akuten Reisediarrhoe ist Durchfall von flüssiger bis wässeriger Konsistenz, in manchen Fällen bis zu 20x/Tag. Dazu kommen Übelkeit und Erbrechen. Bauchschmerzen und Fieber sind seltener und weisen auf einen ernsten Verlauf hin.


  • Rektum: der Mastdarm oder Enddarm


  • Renal(is): zur Niere gehörend, sie betreffend, durch die Nieren bedingt
    Beispiel: Arteria renalis, renalis Hypertonie


  • Retardierung: Die im Vergleich zum jeweiligen Lebensalter bestehende Verzögerung der körperlichen und/oder intellektuellen Entwicklung als Reifungsverzögerung oder -hemmung; z. B. infolge frühkindlicher Hirnschädigung, bei Kretinismus.


  • Retention: Zurückhalten eines Stoffes, dadurch bedingt auch die Anhäufung des Stoffes; z.B. Wasser- und Salzretention


  • Retrogenie: Rückverlagerung des Unterkiefers


  • Rezidivierend: Wiederauftreten der Krankheit nach scheinbar völliger Ausheilung. Dieser Begriff wird meist im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten und metastasierenden Karzinomen gebraucht. Man unterscheidet dabei ein Früh-Rezidiv und das Spät-Rezidiv.


  • RR-Werte: Sc. Riva-Rocci, 1863-1937, Internist in Pavia; Erfinder des klassischen Gerätes für die unblutige Blutdruckmessung mithilfe des Quecksilber- oder Membranmanometers und der aufblasbaren Armmanschette. Die Initialen dienen auch als Abkürzung und Symbol für den - mit dem RR-Apparat - gemessenen Blutdruck. Der gemessene Blutdruck wird in mmHg angegeben, d.i. die Höhe der Quecksilbersäule, die dem Druck die Waage hält.


  • Ruhedyspnoe: Atemnot, die auch ohne körperliche Belastung vorhanden ist. Meistens ist die Ruhedyspnoe mit einer Zyanose verbunden. Ursache sind Veränderungen des Lungengewebes, die den Gasaustausch behindern, z.B. ein Lungenödem oder Lungenemphysem, oder den Luftstrom in den Atemwegen behindern, z.B. bei Pneumonie, Lungentuberkulose, Asthma bronchiale und bei Bronchialkarzinom. Die Herzinsuffizienz im Stadium IV führt auch zu Ruhedyspnoe.


  • Ruhetremor: Häufigste Form des Zitterns bei Erkrankungen des extrapyramidalen Systems, insbesondere bei einem Morbus Parkinson. Der Ruhetremor hat eine Frequenz von 3-6 Schlägen/Sek. und hört auf, sobald mit einer Bewegung der betroffenen Extremität begonnen wird.


  • Ruptur: Zerreißung eines inneren Organs oder eines Blutgefäßes. Dies kann durch äußeres Trauma geschehen, wie z.B. bei Milz- und Nieren-Ruptur nach Verkehrsunfall, oder sich aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Wandschwäche des Organs ergeben, wie z.B. bei Hirnblutung nach Aneurysma-Ruptur in einer ausgesackten Hirnarterie.



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S

  • Sacrum: Kurzbezeichnung des Kreuzbeins (Os sacrum)


  • Schalleitungsschwerhörigkeit Mittelohrschwerhörigkeit, Schalleitungsblock; herabgesetztes Hörvermögen infolge krankhafter Veränderungen im Schalleitungsapparat (einschließlich Flüssigkeitsansammlung und Druckdifferenz zwischen Mittelohr und Gehörgang). Im engeren Sinne die Mittelohrschwerhörigkeit bei Schalleitungsblock. Im Audiogramm herabgesetzte Luftleitung bei normaler (für tiefe Töne sogar heraufgesetzter) Knochenleitung, Hörverlust besonders für die tiefen Töne (d.h. untere Tongrenze erhöht). Der Rinne-Versuch ist auf der kranken Seite negativ; beim Weber-Versuch erfolgt Lateralisation in das kranke Ohr.


  • Schilling-Test: Test bei dem untersucht wird, ob der sog. intrinsic factor, der zur Aufnahme von Vitamin B12 benötigt wird, in ausreichendem Maß vorhanden ist. Bei diesem Mehrschritt-Test wird zum Schluß die Ausscheidung einer mit einem Radionuklid markierten B12-Dosis im Harn gemessen und so auf die vorhandene Menge des intrisic factor geschlossen.


  • Schleifenmuster: einer der Typen der Hautleisten der Fingerbeere


  • Scoliosis: dauerhafte seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit Verdrehungen, Stellungsänderungen und Verformungen der Wirbelkörper; Die meisten Skoliosen entstehen in der Pubertät und kommen bei Mädchen häufiger vor als bei Jungen. Im Extremfall kann eine starke Wirbelsäulenverbiegung wichtige Organfunktionen beeinträchtigen.


  • Screeningtest: ein für Reihenuntersuchungen geeigneter Suchtest zur erstmaligen Identifizierung von Krankheiten oder Noxen.
    Beispiel:
    1. Röntgen-Thorax zur Erfassung der Lungen-Tbc während der Schulzeit
    2. Blutzuckeruntersuchung zum Nachweis des Diabetes mellitus
    3. Krebsfrüherkennung

  • Seborrhoe: Gesteigerte Produktion der Talgdrüsen der Haut, was zu einem fettigen, öligen Hauttyp führt, an sich aber noch nicht als pathologisch gilt. Gut erkennbar ist dieser Typ an fettigen Haaren und vermehrtem Talgfluß im Gesicht und in der vorderen und hinteren Schweißrinne. Beziehungen bestehen zum seborrhoe Ekzem.


  • Sedativa: syn. Tranquilizer; zu den Beruhigungsmittel gehören:
    1. pflanzlicher Herkunft, z.B. Fenchel, Baldrian
    2. chemischer Herkunft, wie Diazepam, das wegen seiner in niedriger Dosis sedierenden, in mittlerer Dosis hypnotischen und in hoher Dosis antiepileptischen Eigenschaften sehr vielseitig einsetzbar ist. Die therapeutische Breite von Diazepam beträgt 50 - 100.

  • Sekretion: Die Absonderung organischer Substanzen in gelöster Form in den verschiedenen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Darmsaft, Schweiß und Harn. Die Stoffe gehören in die Klasse der Enzyme, Hormone und Geruchsstoffe und sind als Exportprodukte von Drüsenzellen für den Gesamtorganismus aufzufassen.


  • Sensibilisierung: Ein Begriff aus der Immunologie, der die individuelle Reaktion des Immunsystems auf einen Fremdantigenkontakt beschreibt. Auf Zellebene treffen immunkompetenter Lymphozyt und Antigen zusammen, wodurch der Lymphozyt transformiert wird. Er beginnt sich zu teilen und es entsteht eine Plasmazelle als Antikörperfabrik und eine Gedächtniszelle, die uns Schutz vor Infektion bietet, d.h. Immunität verleiht.


  • Sensibilitätsstörungen: Störungen oder Verlust der Sensibilität, d.h. der Reizwahrnehmung, die durch die sensiblen Nerven vermittelt werden. Klinisch am häufigsten sind Minderung des Tastsinns oder Schmerzsinns, die als Hypästhesie oder Anästhesie bezeichnet werden, des Vibrationsinns oder des Temperaturempfindens. Auch subjektive Mißempfindungen wie Kribbeln und Ameisenlaufen auf der Haut, die Dys- bzw. Parästhesien genannt werden, gehören hierzu.


  • Sepsis: die Ausbreitung von Bakterien im letzten Verteidigungsring des Abwehrsystems, dem Blut. Kennzeichen ist sehr hohes Fieber und Schüttelfrost. Bakteriengifte im Blut führen sehr bald zum Endotoxinschock, der unbehandelt tödlich endet. Bei Zusammenbruch des Immunsystems im Senium, bei AIDS, oder Dauerstreß münden Infektionen in die Sepsis ein.


  • Septum: Scheidewand; anatomischer Fachbegriff, der je nach Zusammenhang Verschiedenes bedeuten kann:
    1. Septum interatriale: Scheidewand zwischen linkem und rechtem Vorhof; kann einen Defekt aufweisen
    2. Septum interventriculare: die Scheidewand zwischen linkem und rechtem Ventrikel: hier verläuft die Erregungsleitung des Herzens, hier kann ein primärer Ventrikelseptumdefekt bestehen.
    3. Septum nasi: die teils knorpelige Nasenscheidewand

  • Seröse Entzündung: Aus den Blutgefäßen tritt eine wäßrige und eiweißhaltige, dem Blutserum verwandte Flüssigkeit in das entzündete Gewebe aus. Sie wird über das Lymphsystem abgeleitet. Diese Art der Entzündung findet sich:
    1. auf Schleimhäuten, als Katarrh bezeichnet
    2. auf der Haut, bei Nesselausschlag und Allergien

  • Serum: Wäßriger, nicht gerinnbarer Bestandteil des Blutes und der Lymphe. Wird Vollblut, nachdem es im Probenbehälter geronnen und damit frei von Fibrinogen geworden ist, zentrifugiert, läßt es sich in das Hämatokrit, welches die Blutzellen enthält, und das zellfreie Serum auftrennen. Hauptbestandteil des Serums sind die Serumproteine mit 6-8 g%, Glukose und NaCl. Die meisten labortechnischen Untersuchungen erforden Serum.


  • Sinus: in der Anatomie häufig gebrauchter Begriff für Höhlen, Vertiefungen oder geschlossene Kanäle.


  • Sinusitis: Entzündung der Nasennebenhöhlen des Schädels meist bei Sekretstau infolge enger Ausführungsgänge. Klinische Zeichen sind Klopfschmerz und Druckschmerz im Bereich der Nebenhöhlen und eitriger Ausfluß an der Rachenhinterwand, als Schleim-Eiterstraße bei der Inspektion der Mundhöhle zu sehen. Wenn die Anteile des Nervus trigeminus innerhalb der Sinus mitbeteiligt sind, können sie sich mitentzünden.


  • Sinustachykardie: Beschleunigung der Herzfrequenz durch Zunahme der Sinusknotenfrequenz. Man unterscheidet das schnellere Vorhofflimmern und das langsamere Vorhofflattern. Beide sind durch die begrenzte Überleitfähigkeit des AV-Knotens meist limitiert, so daß die Kammern korrekt oder mit einem langsameren Ersatzrhythmus weiterarbeiten können. Die sinustachykardie spricht meist gut auf verschiedene Antiarrhythmika an.


  • Skandierende Sprache: Bei Kleinhirnerkrankungen und Multipler Sklerose vorkommendes erschwertes Sprechen. Dabei werden die Silben und Buchstaben wie beim Buchstabieren deutlich gegeneinander abgesetzt oder sogar durch Pausen voneinander getrennt.


  • Sklera: Die derbe, bindegewebige Lederhaut des Auges, die ihm seine Kugelform verleiht und in Form des Augenweiß zu erkennen ist. Hier ist der Ikterus schon frühzeitig und besonders gut als Sklera-Ikterus zu erkennen.


  • Sklerodermie: Generalisierte, zunächst die Haut, später innere Organe befallende Krankheit; Frauen sind häufiger betroffen. Die Krankheit beginnt mit Zeichen der Raynaud'schen Krankheit, Gelenkschmerzen und teigiger Schwellung der Haut. Die Krankheit kann infolge von Lungenschrumpfung und Nierenversagen tödlich enden.


  • Skoliose: dauerhafte seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit Verdrehungen, Stellungsänderungen und Verformungen der Wirbelkörper; Die meisten Skoliosen entstehen in der Pubertät und kommen bei Mädchen häufiger vor als bei Jungen. Im Extremfall kann eine starke Wirbelsäulenverbiegung wichtige Organfunktionen beeinträchtigen.


  • Sokolow-Index: Ein Kriterium für die Befundung des EKG's, welches die Hypertrophie von linker oder rechter Kammer dokumentiert. Linkshypertrophie liegt vor, wenn die Summe von S in V1+R in V5 > 3.5 mV übersteigt. Man spricht dann von einem positiven Sokolow-Index.


  • Somatisch: syn. organisch; den Körper betreffend, körperlich, auch im Gegensatz zu den ausschließlich funktionellen oder psychosomatischen Störungen zu verstehen.


  • Sonderernährung: Einbringen dünnbreiiger oder flüssiger Nahrung im Sinne der künstlichen Ernährung über eine vorübergehend durch Mund oder Nase eingeführte oder als Verweilsonde genutzte Sonde (z.B. Magen-, Duodenal-, Jejunalsonde) oder Ernährungsfistel. Anwendung z.B. bei Anorexie (vorallem bei Frühgeborenen, Säuglingen), Nahrungsverweigerung (z.B. bei Hirngeschädigten), Schluckstörungen.


  • Sonografie: Ultraschalluntersuchung; ein bildgebendes Verfahren, welches die Reflektion oder Echos von Ultraschallwellen in den unterschiedlichen Geweben und Organen ausnützt und damit mehr oder weniger scharfe Schnittbilder aus dem Inneren des Körpers ermöglicht. Besonders gute Ergebnisse bei der Suche nach Steinen und Zysten in Niere, Blase, Leber, Gallenblase. Einer der größten Vorteile besteht in der Vermeidung von Strahlung.


  • Spina bifida: angeborenes, dorsales Offenbleiben des Wirbelkanals im Bereich eines Wirbels (meist lumbosakral); Leichteste Form der Dysrhaphie


  • Splenomegalie: Milzvergrößerung; bei Krankheiten, die mit dem Immunsystem in Beziehung stehen, wie z.B. bei den Leukämien und der hämolytischen Anämie, sehen wir diese Organvergrößerung oft. Bei Gesunden ist die Milz nicht zu tasten, bei Vorliegen einer Vergrößerung kann der geübte Untersucher die Milz bei tiefer Inspiration palpieren.


  • Spondylitis: Entzündung der Wirbelkörper entweder durch Keime, überwiegend Eitererreger, oder bei Tbc. Eine Sonderform ist der Morbus Bechterew, dessen Ursache unbekannt ist, und der außer der Wirbelsäule auch andere Anteile des knöchernen Skeletts betrifft. Die Verformung der Wirbelkörper beim Morbus Bechterew führt nach längerdauerndem Verlauf zur Ausbildung eines Rundrückens.


  • Sputum: Die bei Expektoration ausgehustete Absonderung der Atemwegschleimhäute mit Beimischung von Zellen, Speichel, eventuell auch Eiter und Mikroorganismen. Die Farbe von Sputum ist normalerweise klar, glänzend, die Konsistenz dünnflüssig. Als einfachste Veränderung sieht man bei Entzündung im Bronchialbaum eine Beimengung von Schleim, die zu gelber Verfärbung und zunehmender Zähflüssigkeit beiträgt.


  • Stenose: die Einengung oder der Verschluß eines Hohlgefäßes, i.e.S. eines Blutgefäßes durch Arteriosklerose und Thrombose. I.w.S. gibt es auch Herzklappen-, Darm- und Ureterstenosen, die aber durch entzündliche Verwachsungen bedingt sind. Neben der Stenose sind in diesem Zusammenhang noch die Obstruktion und die Okklusion begrifflich von Bedeutung.


  • Strabismus: Schielen; Unfähigkeit, mit beiden Augen gleichzeitig einen bestimmten Punkt in der Ferne zu fixieren. Nach der Abweichung des schielenden Auges unterscheidet man: Einwärts-, Auswärts- und Höhen-Schielen. Weichen beide Augen im Wechsel ab, spricht man von alternierendem Schielen, bei Lähmung von Augenmuskeln vom Lähmungs-Schielen.


  • Stridor: Ein pfeifendes Geräusch, das dem Atemgeräusch bei Erstickung gleicht und klinisch in die inspiratorische und die exspiratorische Form unterteilt wird. Bei folgenden Krankheiten hört man einen Stridor:
    1. Asthma bronchiale
    2. Tracheastenosen
    3. Maligne Larynxdiphtherie mit echtem Krupp
    4. Pseudokrupp, verursacht durch grippalen Infekt bei kleinen Kindern und bei Smog- Wetterlage

  • Struma: Eine Struma ist eine Vergrößerung der Schilddrüse meist als Folge eines nicht ausreichen den Angebots an Jod in der Nahrung. In einem Land wie der BRD mit relativ hohem Gebirgsanteil ist die Struma endemisch verbreitet. Eine Struma verursacht bei entsprechender Größe örtliche mechanische Schädigung und Atembehinderung.


  • Stupor: (latein: Erstarrung); Bezeichnung für einen Krankheitszustand mit Fehlen jeglicher psychischer und körperlicher Aktivität bei wachem Bewußtsein. Stupor äußert sich in Bewegungslosigkeit, maskenhafter Gesichtsstarre, Nichtreagieren auf Außenreize, Stummheit, eventuell Einnässen. Stupor kann bei endogener Depression, Epilepsie oder Intoxikationen auftreten.


  • Subakut: Wenig heftig beginnender Krankheitsverlauf; in der Entwicklungsreihe der Fachbegriffe, die den zeitlichen Verlauf von Krankheiten beschreiben, steht er etwa in der Mitte: perakut - akut - subakut - chronisch


  • Subkutan: Abkürzung s.c.; mit der Bedeutung:
    1. unter der Haut, im Unterhautgewebe, die tiefste der drei Schichten der Haut, in der das Fett eingelagert ist und die ansonsten strukturarm ist.
    2. eine Injektionsart, bei der die Injektionslösung mit einer kurzen Nadel in die Subkutanschicht gespritzt wird, was mit einer Depotwirkung verbunden sein kann. Gebräuchlich bei der Applikation von Heparin und Insulin.

  • Subluxation: unvollständige Verschiebung zweier Gelenkenden aus ihrer funktionsgerechten Position, wobei sich die Gelenkflächen noch teilweise gegenüberstehen; Ursächlich sind Bänder- oder Gelenkkapselverletzungen


  • Submandibuläre Speicheldrüsen: Eine der Speicheldrüsen im Kopfbereich; liegt beidseits unterhalb des Unterkiefers gleich hinter dem knöchernen Kinn. Ihr Ausführungsgang mündet hinter den unteren Schneidezähnen in die Mundhöhle.


  • Sulcus: Rinne oder Furche an der Oberfläche von Organen, z. B. Sulci cerebri (Furchen zwischen den Hirnwindungen)


  • Superior: Darüber, oben gelegen; anatomische Lagebezeichnung, z.B. in Vena cava superior


  • Supination: Drehbewegung des Unterarms, bei der die Speiche über die Elle gedreht wird. Am Ende der Bewegung liegt die Hand mit der Hohlhandfläche nach oben gerichtet.


  • Suppression: Unterdrückung; z.B. Unterdrückung oder Abschwächung der Immunantwort durch Bestrahlung des lymphatischen Systems oder durch Gabe von Immunsuppressiva mit dem Ziel, unerwünschte und überschießende Immunreaktionen auszuschalten, was bei Autoimmunkrankheiten indiziert ist.


  • Supraklavikulär: Oberhalb des Schlüsselbeins gelegen; meist im Zusammenhang mit dem dort gelegenen Lymphknoten gebraucht, der bei Magenkarzinom oder Schilddrüsenkarzinom sich auf lymphogenem Weg zur Metastase umwandelt. Ein geschwollener Lymphknoten, der supraklavikulär liegt, wird auch als Virchowsche Drüse bezeichnet.


  • Symptomatische Behandlung: ist das Abmildern oder Beseitigen von Symptomen. Die Ursache der Krankheit ist nicht beeinflußbar, da sie häufig auch nicht bekannt ist. Häufig werden die Kardinalsymptome der Entzündung mit NSAR ausgeschaltet, indem der Entzündungsmediator Prostaglandin gehemmt wird. Damit wird aber die Ursache der Entzündung, z.B. eine Eiterung, nicht beseitigt. Dies kann nur die kausale Therapie leisten.


  • Symptomenkomplex: Syndrom; Gruppe von Krankheitszeichen, die für ein bestimmtes Krankheitsbild mit meist uneinheitlicher oder unbekannter Ätiologie bzw. Pathogenese kennzeichnend sind.


  • Synapse: Kontaktstelle zwischen Nervenzellen bzw. Nervenzellen und Axon, dem Nervenfortsatz. Der Nervenimpuls wird mittels eines Neurotransmitters, wie z.B. Acetylcholin oder Noradrenalin übertragen. Die Funktionen einer Synapse sind:
    1. Ventil, das Erregungsübertragung stets nur in einer Richtung zuläßt
    2. Beeinflussung der Reizschwelle und damit Begrenzung der Erregungsleitung

  • Syndaktylie: Hemmungsfehlbildung, bei der sich die Zehen- oder Fingeranlagen nicht trennen und es zur seitliche Verwachsung zweier oder mehrerer Finger oder Zehen kommt.


  • Syndrom: Symptomenkomplex; Gruppe von Krankheitszeichen, die für ein bestimmtes Krankheitsbild mit meist uneinheitlicher oder unbekannter Ätiologie bzw. Pathogenese kennzeichnend sind.


  • Synkinesis: Mitbewegung; zusätzliche unwillkürliche Bewegung bei bestimmten Bewegungsakten


  • Synostosis: knöcherne Verwachsung benachbarter Knochen; physiologisch in Knochennähten (Sutura; auch krankhaft, als prämature Synostosis), krankhaft vorallem als erbliche Fehlbildung (z.B. Symphalangie, Syndaktylie) sowie bei Ankylose, durch Brückenkallus


  • Systemisch: 1. ein ganzes Organsystem, z.B. Blut, Muskulatur, ZNS, i.w.S. den gesamten Organismus betreffend, insbesondere im Sinne der systemische-Erkrankung, bei der durch Befall des im Körper überall vorhandenen Bindegewebes jedes Organ betroffen sein kann, wie dies bei Kollagenosen der Fall ist.
    2. die Wirkung eines Arzneistoffes im ganzen Körper, da er aufgrund der Applikation überall hingelangt (i.v., oral), im Gegensatz zur Lokaltherapie



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T

  • Tachykardie: Herzjagen, beschleunigte Herzfrequenz > 100 Schläge pro Minute; Vorkommen bei Rhythmusstörungen des Herzens, Schock, Fieber und Hyperthyreose. An der Ausbildung einer Tachykardie können sehr verschiedene Pathomechanismen beteiligt sein:
    1. im hypovolämischen Schock durch Umprogrammierung des Kreislaufs durch Adrenalin
    2. bei Hypotonie und Herzinsuffizienz über nervale Impulse zur Kompensation

  • Tachypnoe: Beschleunigte Atemfrequenz von bis zu 100 Atemzügen pro Minute. Meist als Reaktion auf erhöhten Sauerstoffbedarf durch körperliche Belastung oder Fieber, weiterhin bei vermindertem Sauerstoffangebot infolge Aufenthalt in großer Höhe. Bei psychischer Erregung als alleinige Ursache meist kein Ausdruck einer Unterversorgung mit O2, sondern als eigenständiges Krankheitsbild, der psychogenen Hyperventilation.


  • Tarsal: die Fußwurzel (Tarsus) bzw. die Augenlidplatte (Tarsus palpebrae) betreffend


  • Tetralogie: Durch 4 Symptome gekennzeichnete Erkrankung, gebräuchlich zur Beschreibung der Fallot-Tetralogie, eine Herzerkrankung, die in der Hauptsache von einer Pulmonalstenose geprägt ist.


  • Tetraplegie: Vollständige Lähmung beider Arme und Beine; kommt bei Querschnittssyndrom vor.


  • Thalassämie: Eine angeborene Störung der Hämoglobinsynthese, die zu einer hämolytischen Anämie führt, die meist nicht therapiebedürftig ist. Die Ätiologie ist hereditär und die Krankheit ist vorwiegend in Mittelmeerländern und in Nahost verbreitet. Zur Klinik gehören Müdigkeit, Adynamie und Konzentrationsstörungen. Im weiteren Verlauf treten außerdem Splenomegalie und Ikterus auf.
    Cave: Keine Eisenpräparate wegen Hämosiderose!


  • Thelarche: Warzenvorhofvergrößerung und Drüsenvorwölbung der weiblichen Brust zu Beginn der Pubertät (ca. 10.-11. Lebensjahr). Die Thelarche ist ein Zeichen der zunehmenden Bildung von weiblichen Geschlechtshormonen mit Pubertätsbeginn.


  • Thorakal: den Brustkorb betreffend


  • Thrombozytopenie: Die Verminderung der Blutplättchenzahl im Blut auf Werte < 150.000 / µl. Liegt ihre Zahl < 50.000 / µl ist mit Spontanblutungen zu rechnen. Ursachen für die Verminderung sind verminderte Produktion im Knochenmark, erhöhter Verbrauch bei Infektionen oder durch Blutverlust. Bei Bedarf kann mit Thrombozytenkonzentraten interveniert werden.


  • Tinnitus: Ohrensausen; Tritt bei Erkrankungen des Innenohrs, z.B. bei einem Hörsturz, oder bei Erkrankungen des Hörnervs und seiner Ganglien auf, z.B. Hirnstamminfarkt, Entzündungen, Kleinhirnbrückenwinkeltumor. Der genaue Mechanismus, wie der Tinnitus entsteht ist unbekannt. Wenn keine organische Ursache gefunden werden kann, was häufig vorkommt, ist eine Behandlung nicht möglich.


  • Tonisch-klonisch: Bestimmte Form des Krampfanfalls, der von einem tonischen Stadium mit maximaler Streckung aller Körperteile innerhalb von wenigen Sekunden in das klonische Stadium mit schüttelnden Zuckungen der Gliedmaßen übergeht. Tonisch-klonische Anfälle kommen nach Hirnschädigungen im Kindesalter, im Rahmen einer Epilepsie, aber auch ohne erkennbare Ursache vor.


  • Topisch: Örtliche Anwendung; Auftragen eines Medikaments auf einen umschriebenen Hautbezirk. Meistens ist hierfür eine einfache Salben- oder Lotiogalenik gebräuchlich, da Fette die meisten Wirkstoffe schnell und zuverlässig in die Haut transportien. Manchmal ist eine Verstärkung der Arzneimittelaufnahme notwendig; hierfür wird ein Okklusions- oder Salbenverband angefertigt.


  • Tracheomalazie: Luftröhrenerweichung durch Nekrose der Trachealknorpel, z.B. infolge Druckwirkung eines Trachealtubus oder einer Struma. Bewirkt durch sekundären Verlust der Elastizität eine Trachealstenose, eventuell auch völliges Kollabieren.
    Klinik: Reizhusten, Dyspnoe, inspiratorischer Stridor


  • Transposition:
    1. Genetik: Verlagerung von genetischem Material an eine andere Stelle innerhalb des Genoms. Hierbei kann es sich um Bruchstücke eines Chromosoms (Chromosomentranslokation) handeln (Chromosomenanomalie). Kleinere herauslösbare und wieder einfügbare Nukleinsäurestücke werden Transposon oder auch "springende" Gene genannt. Diese Gene spielen beispielsweise bei Anpassungsvorgängen von Bakterien (z.B. Resistenzentwicklung) eine Rolle.
    2. verkehrte Organlage, z.B. die Transposition der großen Arterien (TGA)
    3. operative Gewebs- oder Organverlagerung.

  • Tremor: Muskelzittern; rhythmisches, willentlich nicht beeinflussbares Zittern durch abwechselnde Kontraktionen gegensätzlich wirkender Muskelgruppen; Der Tremor tritt normalerweise bei Kälte auf, andernfalls ist er meist Folge einer neurologischen oder internistischen Erkrankung. Je nachdem, wie häufig und ausladend das Zittern ist, wird ein Tremor als grob-, mittel- oder feinschlägig bezeichnet. Er kann es dem Betroffenen schwer oder unmöglich machen, alltägliche Arbeiten wie Ankleiden oder Essen zu verrichten.


  • Trigonozephalus: Dreieckschädel mit kielartig vorspringender Stirn infolge intrauteriner Obliteration der Sutura frontalis


  • Trikuspidalklappe: eine der AV-Klappen, die zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer liegt und drei Segel aufweist. Vom Bau und von der Funktion her unterscheidet sich die Trikuspidalis wenig von der Mitralis. Da sie aber im Niederdrucksystem des Blutkreislaufs liegt, wird sie nur recht selten von den zu Vitien führenden Endokarditiden befallen.


  • Trismus: Die Auswirkungen der Tetanuskrankheit machen sich frühzeitig und bevorzugt an der Kiefermuskulatur bemerkbar. Es bildet sich das Leitsymptom der Erkrankung, eine Verkrampfung der Kaumuskulatur aus. Die römische Medizin kannte dieses Symptom bereits und nannte es Risus sardonicus, das (er)starr(t)e Lächeln.


  • Trisomie: Chromosomenfehlverteilung, bei der die befruchtete Eizelle und damit alle Körperzellen zusätzlich zu dem regulären doppelten Chromosomensatz ein überzähliges Chromosom trägt (Chromosomenanomalie)


  • TSH: Abkürzung für Thyreoidea Stimulierendes Hormon; ein in der Adenohypophyse gebildetes Peptidhormon zur Steuerung der Schilddrüsenaktivität und damit indirekt auch des Thyroxinspiegels; wird auch von Thyroxin im Regelkreis gehemmt. Hohe TSH-Werte treten bei Struma und Hypothyreose auf, niedrige beim autonomen Adenom. Labortechnisch ist TSH heute relativ kostengünstig zu bestimmen.


  • Turner Syndrom: komplexes Syndrom mit den Hauptsymptomen Minderwuchs und Keimdrüsenunterfunktion infolge einer Chromosomenfehlverteilung
    Ursache: Aufgrund eines Defekts bei der Reifeteilung (Meiose) entstehen Spermien, denen das Geschlechtschromosom fehlt; im Falle einer Befruchtung entsteht ein Individuum, das nur das mütterliche X-Chromosom besitzt. Da die Fehlverteilung nur sporadisch einzelne Spermien betrifft, ist die Wiederholungsgefahr für eine spätere Schwangerschaft nicht erhöht.


  • Tympanicus: Trommelfell (Membrana tympani), Paukenhöhle (Tympanon) oder Pars tympanica des Os temporale betreffend bzw. dazu gehörend



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U

  • Ulnar: zur Elle gehörend, zur Elle hin gelegen (auf der Kleinfingerseite der Hand oder des Unterarms)


  • Ulnare Deviation: Fehlstellung der Hand mit Bewegungeinschränkung und mit Verkleinerung des ulnaren Winkels bei rheumatoider Arthritis


  • Urämie: 'Harnvergiftung' mit Ödembildung und massiver Blutdrucksteigerung; später kommt auch Oligurie und Anurie, eine Störung des Elektrolythaushaltes mit Hyperkaliämie und eine schwere Azidose hinzu. Labortechnisch fällt ein starker Anstieg des Kreatinins auf.
    Klinik: Anorexie, Foetor uraemicus, Gastritis mit Erbrechen, Verwirrtheit, Krampfneigung; Exitus im Koma oder durch Kaliumvergiftung.


  • Ureter: Harnleiter; Er ist ca. 25 - 30 cm lang, verbindet Nierenbecken und Harnblase als Anfangsteil der Harnwege. Seine längs- und querverlaufende glatte Muskelschicht wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Die Beförderung des Urins erfolgt durch peristaltische Bewegungen. Bei einer Steinpassage können Konkremente an den 3 anatomischen Engstellen des Ureters steckenbleiben.


  • Urethra: Die Harnröhre; der vom inneren Blasenmund ausgehende, unterste Abschnitt der Harnwege; Die innen mit Übergangsepithel ausgekleidete und von einer kräftigen Muskelschicht gebildete Röhre ist bei einem Mann 20 - 25 cm und bei der Frau ca. 4 cm lang. Die Erkrankungen der Urethra betreffen überwiegend den Mann. Wir können hier harmlose Papillome, bei Gonorrhoe den bonjour-Tropfen und Urethra-Strikturen sehen.


  • Uvula:
    1. das am hinteren Rand des weichen Gaumens herabhängende Zäpfchen (quergestreifte Muskulatur, bedeckt mit Mund- bzw. Nasenschleimhaut
    2. zapfenförmiger Teil der Kleinhirnwurmunterseite zwischen den Tonsillen
    3. beim Mann hinter der inneren Harnröhrenöffnung vom Prostatamittellappen aufgeworfener Harnblasenschleimhautwulst, in den das Trigonum vesicae ausläuft


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V

  • Valgus: krumm, nach außen abgewinkelt


  • Valvulotomie: Digitale Herzklappensprengung; eine herzchirurgische Methode, die eine einfache Korrektur von verengten Herzklappen erlaubt, z.B. bei AV-Klappenstenosen.


  • Varus: krumm, nach innen abgewinkelt, z. B. einer Fehlstellung der Hüfte (Coxa vara)


  • Vasopressin: im Hypothalamus (Nucleus supraopticus und Nucleus paraventricularis) produziertes, an Neurophysin gebundenes, über den Tractus supraopticohypophysialis in die Neurohypophyse transportiertes und bei Bedarf dort in das Blut abgegebenes Peptidhormon. Neurohormon mit diuresehemmender (Steigerung von Permeabilität und Wasserrückresorption im distalen Nephron) und vasokonstriktor.


  • Velum Palatinum: Gaumensegel; schräg in den Mesopharynx herabhängendes Weichteilgebilde, das zusammen mit der Uvula den weichen Gaumen bildet; besteht aus Aponeurose, Schleimhaut und paarigen Muskeln (Musculus levator veli palatini, Musculus tensor veli palatini, Teile des Musculus uvulae); bildet die hintere Fortsetzung des harten Gaumens


  • Ventral: bauchwärts gelegen oder gerichtet, die Vorderseite eines Körpers oder Körperteils betreffend


  • Ventrikel:
    • Linke Herzkammer: der wichtigste Teil des Herzens, der eigentliche Motor; Sie pumpt das arterialisierte Blut, das aus dem Lungenkreislauf stammt, in den Körperkreislauf. Die Wanddicke ist links nicht selten 3x stärker als rechts. Infolge des hohen Drucks im großen Kreislauf spielen sich hier die meisten Herzkrankheiten ab: Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und erworbene Vitien finden sich überwiegend im linken Ventrikel
    • Rechte Herzkammer: diejenige Hälfte der Doppelpumpe Herz, die das Blut aus dem Venensystem in den Lungenkreislauf pumpt. Der rechte Ventrikel beginnt in Höhe der Ventilebene mit der Trikuspidalis, dann folgt die Einflußbahn bis zur Herzspitze, aufwärts in der Ausflußbahn zur Pulmonalklappe. Wegen des geringen Drucks im Niederdrucksystem ist die rechte Kammer wesentlich muskelschwächer ausgestattet.

  • Ventrikelseptumdefekt: Angeborener oder durch Kammerruptur erworbener Defekt der Herzkammerscheidewand im Sinne eines Loches; Ab einer gewissen Größe fließt Blut aus der linken in die rechte Kammer und bewirkt eine Volumenbelastung. Man spricht in diesem Fall von einem Links-Rechts-Shunt. Nach einiger Zeit überwiegt der Druck im rechten Ventrikel, es kommt zur Shunt-Umkehr und zu Zyanose.


  • Verrucae: Warze, durch Papilloma-Viren verursachte gutartige Wucherungen.
    Man unterscheidet:
    1. Verrucae vulgares: nach außen wachsend an Händen, Füßen und Gesicht
    2. Plantarwarzen: nach innen wachsende Dornwarzen an den Fußsohlen
    3. Feigwarzen: sexuell übertragen, nach außen wachsend; an Übergangsschleimhäuten

  • Vertebra: der Wirbel


  • Vertigo: Schwindel; ein klinisches Zeichen, das sich in verschiedene Unterarten unterteilen läßt:
    1. Dreh- und Schwanks: sowie als Liftgefühl, wobei die Ursachen im Labyrinthorgan oder beim Gleichgewichtsnerv liegen. Es besteht Fallneigung.
    2. Gefühl der Benommen- oder Trunkenheit mit Unsicherheit beim Gehen, aber ohne Fallneigung, z.B. bei Zerebralsklerose.

  • Viszeral: die Eingeweide betreffend; Bei serösen Häuten wie dem Peritoneum, der Pleura und dem Perikard bezeichnet viszeral dasjenige Blatt, das unmittelbar das Organ einhüllt.


  • Vitien: ein Herzfehler; i.e.S. sind damit die angeborenen oder erworbenen Herzklappenfehler und Mißbildungen des Herzens, wie Aortenstenose, Fallot'sche Tetralogie oder Septumdefekt gemeint. Die angeborenen Vitien entstehen durch schwere Missbildungen des Herzens, wie z.B. bei der Embryopathie nach Rötelninfektion der Schwangeren, erworbene u.a. nach bakterieller Endokarditis.


  • Vitiligo: Weißfleckenkrankheit, Scheckhaut; echter, in der Jugend schleichend einsetzender, meist symmetrischer Pigmentmangel besonders an Gesicht, Hals, Händen und Anogenitalgegend; scharf begrenzte weiße Flecken von ungleichmäßiger Größe (oft zunehmend) und Form, auch konfluierend, oft mit hyperpigmentiertem Randsaum; pigmentarme Zentren meist hypästhetisch, im allgemeinen gegen Sonnenlicht erhöht empfindlich, örtliche Haare eventuell entfärbt. Therapie rein kosmetisch-symptomatisch: vorsichtige Sonnen- oder Quarzlampen-Bestrahlung (bei Abdecken der Nachbarhaut).


  • Volvulus: Stieldrehung eines Organs; Als Stiel dient die mesenteriale Aufhängung. Folge ist eine Abklemmung der Blutversorgung des betroffenen Organs mit nachfolgender Nekrose und stärksten Schmerzen.


  • Vulgaris: gewöhnlich, (all)gemein


  • Vulnerabilität: Verletzbarkeit
    1. der Zustand eines Organs, in dem es durch exogene oder endogene Umstände bedingt besonders verletzbar ist, z.B. die Krampfneigung in einem hypoxischen Gehirn
    2. Bezeichnung für die individuelle Disposition, auf Belastung verstärkt mit Angst, Verwirrung und Spannung zu reagieren.


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W

  • Wolf Parkinson White Syndrom: Herzfunktionsstörung mit Neigung zu - meist gut vertragener - paroxysmaler Tachykardie durch - im allgemeinen konstante - Beschleunigung der atrioventrikulären Erregung (Präexzitation).



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X

  • X-Chromosom: Geschlechtschromosom, dessen doppeltes Vorkommen (XX) das weibliche Geschlecht bestimmt. Beim männlichen Geschlecht ist das X-Chromosom nur einfach vorhanden (XY). XX ist sichtbar im Zellkern als Corpusculum chromatini sexualis (X-Chromatin).


  • Xenogen: Von Individuen verschiedener Spezies stammend



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Y


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Z

  • Zerebral: das Gehirn und das Rückenmark betreffend; häufig gebraucht z.B. im Zusammenhang mit Zerebral-Sklerose, Arteria cerebri media


  • Zerebrovaskuläre Insuffizienz: Meist durch Arteriosklerose bedingte Durchblutungsstörungen der großen Gehirngefäße. Die dadurch bedingten neurologischen Ausfälle mit Schwindel, Gedächtnisstörungen und vorübergehenden Lähmungen bilden sich meist schnell wieder zurück. Bestehen die Beschwerden länger als eine Woche ist eine Apolexie eingetreten.


  • Zervikal: Abkürzung C1-C7 für die entsprechenden Segmente der Halswirbelsäule; am Hals liegend, zum Hals gehörig
    Beispiel: die zervikalen Lymphknoten am Hals, aber auch am Gebärmutterhals liegend


  • Zyanose: bläuliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute durch einen verminderten Sauerstoffgehalt des Blutes, besonders deutlich im Bereich der Lippen und der Akren (also der Nasenspitze, Zehen- und Fingerspitzen). Der Betroffene leidet meist unter Atemnot, häufig auch unter Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Eine Zyanose entsteht immer dann, wenn mehr als ein Drittel der Hämoglobinmoleküle in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nicht mit Sauerstoff beladen sind.


  • Zyste:
    1. Kystom; durch eine Gewebskapsel abgeschlossener, ein- oder mehrkammeriger Gewebshohlraum mit dünn- oder dickflüssigem Inhalt. Als echte Zyste ausgekleidet mit Epithel.
      Formen:
      • angeboren: infolge Gewebsfehlentwicklung (Dysontogenie, Hamartie), z.B. als Dermoidzyste, branchiogene Zyste, Vaginalzyste (u.a. als Rest des Müller-oder Gartner-Ganges)
      • erworben: z.B. durch Sekretverhaltung (Retentionszyste; z.B. Atherom, Mukozele, Follikelzyste), krankhafte Absonderung (Exsudationszyste; z.B. Hydrozele), verletzungsbedingte Epitheleinsenkung (traumatische Zyste)
    2. Protozoenzyste

  • Zytogenetik: Teilgebiet der Genetik, das sich mit der morphologischen Darstellung und den Anomalien der Chromosomen befaßt.



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©2001, Kabuki Syndrom Netzwerk (last updated 21 November 2001)

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